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Den Ehrentitel Altbürgermeister verleiht Stephan Märkl (r.) seinem Vorgänger im Juli 2014. Eine Auszeichnung, die Andreas Hildebrandt sichtlich rührt.

Grainaus Altbürgermeister Andreas Hildebrandt feiert 70. Geburtstag

Im Bann von Europa

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Reisen, die hat sich Grainaus Altbürgermeister Andreas Hildebrandt für seinen Ruhestand vorgenommen. Den Vorsatz erfüllt er, die nächste Tour nach Andalusien ist schon geplant. Vorher aber feiert er mit seiner Familie und Freunden 70. Geburtstag.

Grainau – Aufbruchstimmung – die herrschte, als Andreas Hildebrandt 2014 in den politischen Ruhestand ging. Aufbrechen wollte er, um Europa zu erkunden. Ein Vorsatz, den der Grainauer Altbürgermeister wahr gemacht hat. Sizilien, die größte Insel im Mittelmeer, stand ganz oben auf seiner Liste – mittlerweile hat er sie erkundet. Zweimal vier Wochen tourten Hildebrandt und seine Frau Beate durch diesen Überrest einer Landbrücke, die einst Europa und Afrika verbunden hatte. Und waren begeistert. „Von der Antike bis zur Moderne findet man dort alles“, schwärmt er. Für den begeisterten Fotografen ein Paradies. Insbesondere im Frühjahr, „wenn die Natur geradezu explodiert“. Diese Jahreszeit erlebt das Ehepaar heuer in Andalusien. Noch im März entschwinden die Hildebrandts gen Spanien, um mindestens vier, wenn nicht gar sechs Wochen eine Region zu besichtigen, die von vielfältigen kulturellen Einflüssen geprägt wurde.

Ehe aber die Koffer gepackt werden, wird gefeiert. Hildebrandt wird an diesem Samstag 70 Jahre alt. Ein Anlass, den er mit Familie und Freunden begeht. In kleinem Kreis, im privaten Rahmen. So hält er’s, seit er vor drei Jahren sein Büro im Rathaus geräumt hat. „Jetzt bin ich nur noch Privatperson“, sagt Hildebrandt und lacht verschmitzt. Was sein Nachfolger Stephan Märkl, ebenfalls von der CSU, macht, das kommentiert er nicht. „Mein Vorgänger Peter Schuster war mir gegenüber genauso fair“, erinnert sich Hildebrandt, der 18 Jahre als Bürgermeister seines Heimatortes wirkte. Zum aktuellen Geschehen im Dorf schweigt er ebenfalls. Auch wenn er daran natürlich nach wie vor regen Anteil nimmt. Schließlich „erfüllt es mich mit einem gewissen Stolz, ein bisschen was zur Entwicklung der Gemeinde beigetragen zu haben“.

Was sich bei ihm nach Kleinigkeiten anhört, waren in Wirklichkeit große Projekte. Das Gewerbegebiet in der Schmölz, das Fünf-Sterne-Camping-Ressort, das maßgeblich zur positiven Entwicklung der Tourismuszahlen beitrug, grenzüberschreitende Projekte mit der Tiroler Zugspitz-Arena, die gemeinsame Wasserversorgung mit dem Gemeindewerken Garmisch-Partenkirchen und die Verschönerung des Dorfes – die Liste könnte noch lange fortgesetzt werden. Auch deshalb hatte Märkl ihm im Juli 2014 den Ehrentitel Altbürgermeister verliehen. Werden im jetzigen Gemeinderat Projekte gekippt, die schon Hildebrandt beschäftigten, „dann blutet mein Herz nicht“. Jüngstes Beispiel dafür ist das Almdorf, das am Zigeunerweg entstehen sollte. Mitte 2016 wurde es endgültig abgelehnt. Ein Votum, mit dem Hildebrandt sehr gut leben kann. „Wenn’s so einfach gewesen wäre, hätten’s ja wir schon realisiert.“

Entspannung am Klavier findet der Grainauer derzeit eher selten – aus Zeitmangel.

Mit solchen Fragen muss er sich jetzt nicht mehr herumschlagen. Die Zeiten, in denen ein Termin den anderen, eine Sitzung die nächste jagte, sind vorbei. Zum Glück. Nur so kann er unbeschwert durch Europa reisen. Und sich mit seinen vier Enkelkindern – drei Mädchen und ein Bub – beschäftigen. „Ich hatte nie Großeltern, weiß aber von anderen, wie schön das ist. Das will ich meinen Enkeln nicht vorenthalten.“ Nachdem seine Tochter mit ihrer Familie bei ihm im Ortsteil Hammersbach wohnt, sind zwei von ihnen gleich im Haus. Die anderen beiden wohnen mit seinem Sohn und der Schwiegertochter in Garmisch-Partenkirchen. Alles keine großen Entfernungen. Und für Hildebrandt und seine Frau ist es selbstverständlich, die Zwei- bis Sechsjährigen ordentlich zu verwöhnen. „Das ist ja auch die Pflicht der Großeltern“, sagt der Altbürgermeister schmunzelnd. Neben den lieben Kleinen, seinen Reisen und dem, was rund ums Haus so anfällt, bleibt ein Hobby etwas auf der Strecke. Ans Klavier setzt er sich immer seltener. „Aber man muss ja auch nicht ständig das Gleiche machen“, findet er. Entscheidend ist die Freude an der Sache. Und die ist gegeben. Sogar so sehr, „dass ich mittlerweile den Eindruck habe, ich hätte gar keine Zeit mehr, um in die Arbeit zu gehen“.

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