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Vogelperspektive: Das Dach des zum Murnauer Rathaus gehörenden Strütt-Hauses ist mittlerweile entfernt.

Murnauer Rathaus-Sanierung läuft auf Hochtouren

Strütt-Haus jetzt „oben ohne“

Murnau - Es sind seit Baubeginn nicht einmal drei Wochen vergangen, und schon steht das Strütt-Haus „oben ohne“ da. Das heißt, das Blechdach des ans Rathaus angrenzenden Gebäudes ist komplett entfernt – und eingelagert. Derzeit werden Sicherungsböcke an den Außenwänden befestigt, damit diese nicht beschädigt werden, wenn das Innenleben des Hauses entfernt wird.

Wenn der Denkmalschutz nicht wäre, dann würde alles wohl viel einfacher gehen – aus baulicher Sicht. Doch weil das Rathaus samt Strütt-Haus nun eben zum unter Denkmalschutz stehenden Ortskernensemble Murnaus gehört, ist die Sanierung eine große Herausforderung für alle Beteiligten. Für Marktbaumeister Klaus Tworek jedenfalls die bisher größte in seiner Zeit als Marktbaumeister der Gemeinde Murnau. 

Seit 19. Juli dieses Jahres wird am Großprojekt Rathaus-Sanierung tatsächlich gearbeitet, nachdem jahrzehntelang überlegt und seit 2011 konkret geplant worden war. Seit 21. Juli ist der dazu nötige 36 Meter hohe Kran direkt auf der Schloßbergstraße aufgebaut und wird dort wohl ein Jahr stehenbleiben. Am 25. Juli haben die Abbrucharbeiten am Dach des Strütt-Hauses begonnen, das dann entkernt werden und einen Keller erhalten soll. „Zuerst kam die Blechdeckung runter, dann wurde die Schalung entfernt“, schildert Marktbaumeister Klaus Tworek. „Dabei wurde festgestellt, dass eine der Giebelwände relativ labil ist. Deswegen haben wir bereits am 2. August angefangen, die Sicherungsböcke für die Außenwände aufzustellen.“ Dazu sei eine riesige Lkw-Fuhre voll Holz angeliefert worden. 

Das Dach, das original wieder aufgebaut werden muss, sei mittlerweile eingelagert. Einziges Zugeständnis des Denkmalschutzes sei gewesen, dass einzelne, schadhafte Bauteile ersetzt werden dürfen. Nachdem die Sicherungsböcke aufgebaut sind, wird mit dem Abbau des Dachtragwerks begonnen, danach beginnt die Entkernung des Gebäudes, das heißt, alle Decken und Wände kommen raus. Die Fenster sind laut Tworek schon entfernt und dürfen später erneuert werden.

„Das Entkernen wird an die vier bis sechs Wochen dauern“, erklärt der Marktbaumeister. „Danach beginnt der Spezial-Tiefbau für die Unterkellerung.“ Da es kein wesentliches Fundament des Gebäudes gebe, müsse dies mittels einer Unterfangung geschaffen werden. Nach zirka 1,5 Metern komme dann auf Seiten der Schloßbergstraße der Fels, ein gepresster Tonmergel, der sich aber mit Maschinen bearbeiten lasse. Anfang bis Mitte September, so hofft Tworek, könne dann mit dem Keller begonnen werden, der, wenn alles gut geht, bis Ende des Jahres fertiggestellt sein soll. Schwierig könnte es hier nur werden, wenn trotz aller genauen Untersuchungen der Gebäude und des Bodens trotzdem Komplikationen in der Felsstruktur auftauchen würden. 

Nach diesen Arbeiten geht es in die Winterbaustelle: In dieser werden Hauptarbeiten im historischen Rathaus erledigt. „Zunächst müssen für den geplanten Aufzugschacht Abbrucharbeiten im Inneren erfolgen. Doch nur im Bereich des Aufzugs wird in die Substanz eingegriffen“, erklärt Tworek. „Außerdem wird im Erdgeschoss der Boden, der sich in desolatem Zustand befindet, neu gemacht und der Bodenaufbau angepasst.“ 

Im Frühjahr soll dann die Aufmauerung im Inneren des Strütt-Hauses und der Dachaufbau erfolgen. „Das Bauamt wäre glücklich, wenn im nächsten Sommer Richtfest gefeiert werden kann“, sagt Tworek. Bisher seien alle Arbeiten glatt über die Bühne gegangen.

Das Strütt-Haus besteht in heutiger Version seit 1890. In den frühen 1970er-Jahren ist das Bauamt der Gemeinde im ersten Stock eingezogen, 1978 folgten die Kasse und die Steuerstelle. Anfang dieses Jahrtausends hat die Marktgemeinde Murnau das Gebäude dann erworben.

Michaela Sperer

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