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Beim 16. Treffen der Historischen Trachten von Altbayern bewunderten tausende Besucher die Vielfalt der Gewänder von anno dazumal.

Großer Umzug: Vielfalt und Farbenpracht historischer Trachten

Murnau - Viel zu schnell zogen die 50 Gruppen am Sonntag beim 16. Treffen der Historischen Trachten von Altbayern am Spalier der Zuschauer in Murnau vorbei. Tausende von Besuchern bewunderten die Vielfalt und Farbenpracht der Gewänder von anno dazumal, die 1800 Bürger und Bauern von heute selbstbewusst zur Schau trugen.

Dem Schönheitsideal von heute entspricht die Aufmachung von Luise Feldhege nicht. Statt schlanker Taille wird die Figur von einem dickstoffigen Bollenrock verhüllt, der Busen mit einem Holzbrett flachgeschnürt. Schmeichelhaft ist dieses Gwand nicht und trotzdem ist Luise, 23-jährige Krankenschwester aus Landsberg am Lech, „sehr stolz“ darauf. „Weil es wichtig ist“, sagt sie, „dass dieses Brauchtum erhalten bleibt“, und erklärt detailliert die bäuerliche Bollentracht, die sogar auf einem Bild im Landsberger Rathaus verewigt ist.

Murnau: Treffen der Historischen Trachten von Altbayern

Murnau: Treffen der Historischen Trachten von Altbayern

In aller Herrgottsfrüh sind Luise und ihre Mama Evi Feldhege (die eine originale schwäbische Radhaube aus sorgsam gehütetem Vereinsbesitz trägt) aufgestanden. Schließlich dauert es eine gute Stunde, bis das Gewand angelegt und das Häubl mit den langen Bändern und der alten Spitze festgesteckt ist. Als erstes kommen die Strümpfe und die Schuhe dran, bücken könnte sich die junge Trachtlerin mit dem schweren Rock und der Jacke mit den dickwattierten Puffärmeln nicht mehr. Unter der Hitze leidet beim Festzug auch Klaus Ullmayer aus Grassau am Chiemsee. Der grüne Gehrock, den er sich aus feinem Tuch für die historische Bürgergruppe des Gebirgstrachtenvereins Hochplattner schneidern ließ, ist ohnehin warm genug. Ein Blickfang ist der weiße Spitzenkragen. Die Ehefrau hat ihm das schmucke Hemd genäht.

Tausende Zuschauern, an denen die 1800 Teilnehmer in ihren historischen Trachten vorbeiziehen, kommen mit dem Schauen und Staunen nicht mit. Da sind die 22 Trachtler aus Bergen. Ihre Sesselhauben aus Bisamfell schauen tatsächlich wie ein Stuhl aus. D’Blutenburgler aus Obermenzing tragen eindrucksvolle Fuhrleut-Stiefel und in der Tasche ein silbernes Fuhrmannsbesteck. Mit offenen Schirmen marschieren die Trauntaler mit. Ihre Spezialität sind die weißen Schlaufenstrümpfe, wie sie Josef und Ernst Rachl und ihre Trachtlerfreunde aus Traunstein tragen. „Ein paar Mitglieder aus unserem Verein beherrschen diese Kunst“, verrät Ernst Rachl, „da wird die Wolle eingefädelt und rausgezogen“. Hört sich ganz einfach an.

Der Tag hat sich bestens entwickelt. Am Vormittag, beim Feldgottesdienst hinter der Emanuel-von-Seidl-Schule, weht noch ein stürmischer Wind. Bürgermeister Michael Rapp freut sich, wie die farbenprächtigen Trachten „unseren schmucken Markt aufwerten“.

Als Vorsitzender der Vereinigung der historischen Trachten von Altbayern jubelt Karl Wiedemann: „Vor 30 Jahren hab ich das erste Treffen in Schliersee organisiert. Und heute sind über 50 Gruppen dabei.“ Pfarrer Siegbert Schindele greift den 150 Jahre alten Spruch „Kleider machen Leute“ von Gottfried Keller auf. Trachten seien Ausdruck der Zugehörigkeit zu Region und Religion, zum sozialen Status und zu einer bestimmten Zeit. „Wir leben von Wissenschaft, Forschung und Fortschritt“, fasst der Geistliche zusammen, „aber das alles braucht ein Fundament.“ (es)

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