Organisator des Treffens: Anton Speer ist seit 22 Jahren Hochzeitslader. Foto: hutter

Großes Hochzeitslader-Treffen in Unterammergau: "Verkünder des Heils"

Unterammergau - Brautpaare sind dankbar, dass es sie gibt - die Zeremonienmeister am schönsten Tag des Lebens: Hochzeitslader kümmern sich um alles.

Im Chiemgau heißen sie „Houzatloda“, in Niederbayern „Progoder“ und im Rupertiwinkel „Häizitloda“. Früher sagte man zu ihnen auch „Schmuser“ oder „Ehrvater“. Das war jene Zeit, als es noch keine Postverbindung gab und der Lader mit einem geschmückten Rosenholzstock von Hof zu Hof ging und zur Hochzeit einlud. Der „Progoder“ (aus dem Lateinischen „Procurator“ - jemand, der für etwas eintritt und der „Verkünder des Heils“ ist) war früher ein wichtiger Mann. Er brachte zusammen, was zusammengehörte - oder von den Vätern ausg’macht war.

Heute sind Hochzeitslader in vielen Gegenden rar geworden, die Leitung einer solchen Festivität übernimmt häufig ein Musikant der Hochzeitskapelle. Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen gibt es nicht einmal mehr ein halbes Dutzend davon, die regelmäßig Brautpaare in den Hafen der Ehe begleiten.

Einer von ihnen ist Anton Speer (53) aus Unterammergau - er fungiert am kommenden Sonntag, 4. Dezember, als wichtiger Gastgeber: Im Pürschlingdorf findet nämlich das 51. Hochzeitslader-Treffen statt. Dazu werden zwischen 80 und 90 Lader aus Ober- und Niederbayern sowie dem Salzburger Land erwartet; unter ihnen sind übrigens auch drei Frauen.

Nach einem Weißwurst-Frühschoppen um 9 Uhr zieht die Gesellschaft mit Musikkapelle und Trommlerzug zur Pfarrkirche St. Nikolaus, wo Pfarrer Peter Lederer um 10.30 Uhr einen Gottesdienst für die verstorbenen Hochzeitslader hält. Nach dem kirchlichen Segen geht es im Marsch wieder zurück zur Wetzstoa-Stubn: Dort folgen Grußworte, Ansprachen, Volksmusik-Einlagen und als Höhepunkt das „Gstanzl-Singen“, wo ein Hochzeitslader zum nächsten überleiten muss. Dass hier Humor und Gaudi nicht zu kurz kommen, ist anzunehmen. Übrigens können an der Veranstaltung auch interessierte Bürger teilnehmen, was besonders am Nachmittag reizvoll sein dürfte.

Die Organisation dieses Treffens obliegt Anton Speer aus Unterammergau, der seit 1989, also schon 22 Jahre, Paare an ihrem Ehrentag begleitet. Im Laufe der Zeit sind so rund 600 Hochzeiten zusammengekommen. Noch genau übrigens weiß der „Hansa“ (unter diesem Hausnamen kennt man ihn landauf landab) den Tag seiner Premiere: „Am 29. April 1989 hat der Grotz Toni, der heutige Musikvorstand, seine Irmi zur Frau genommen. So hat’s angefangen.“ In Spitzenjahren kamen bei Speer bis zu 35 Festivitäten zusammen. Inzwischen tritt er viel kürzer: „Fünf oder sechs, mehr mach’ ich nimmer.“ Kein Wunder, schließlich ist der Toni auch noch Zweiter Bürgermeister und Vize-Landrat.

Als Lader ist Speer viel herumgekommen. Die weiteste Hochzeit war in Emden an der Nordsee, er „verkuppelte“ aber auch im Schwarzwald sowie im Nürnberger und im Münchner Raum. Die meisten Gäste waren mal in Unterhaching mit 300 sowie in Krün mit 280 Personen: „Jede Hochzeit war und ist für mich etwas Besonderes. Ich mach’ das gern, auch wenn es aus zeitlichen Gründen nur noch ein paar Mal im Jahr geht“. Immer wieder freut sich der Toni über Hochzeiten in der Region: „Auch weil bei uns Brauchtum und Tradition noch hochgehalten werden.“

Und was hat sich verändert zu früher? „Geselligkeit und Gemütlichkeit leiden schon unter dem Rauchverbot, das ist heute oft ein Kommen und Gehen in den Wirtschaften. Da ist es nicht immer einfach, für Stimmung zu sorgen, wenn der halbe Saal leer ist.“ Dafür wird die Stimme des Laders geschont. Denn eines braucht so ein Zeremonienmeister unbedingt - ein lautes Organ.

Ludwig Hutter

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