Versperrt: der Zugang zum Steg am Eichsee. Rechts die Hütte des Anglerbunds Isaria München.
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Versperrt: der Zugang zum Steg am Eichsee. Rechts die Hütte des Anglerbunds Isaria München.

Unmut im Großweiler Gemeinderat

Ärger im Idyll: Pächter sperrt Steg am Eichsee

Der Eichsee bei Großweil ist ein lauschiges Plätzchen. Doch es gibt derzeit Ärger wegen eines gesperrten Stegs.

  • Der Anglerbund Isaria München hat einen Steg am Eichsee gesperrt.
  • Der Schritt sorgt im Großweiler Gemeinderat für Ärger.
  • Demnächst soll es weitere Gespräche geben.

Großweil – Eine Runde schwimmen, sich umgeben von Schilf abkühlen und über den Steg wieder in die sonnengewärmte Luft heraussteigen. So sehen die Sommer am Eichsee aus, so sahen sie aus. Denn seit ein paar Wochen ist der Steg verschwunden, und zwar hinter einem Holzzaun und Stacheldraht, die der Pächter, der Anglerbund Isaria München, angebracht hat. Eine Barrikade, die in der Großweiler Gemeinderatssitzung für Unmut sorgte.

Ein Blick auf die Tagesordnung lässt eine kurze öffentliche Sitzung vermuten. Und ja, das wird sie dann auch sein. Nach nicht einmal einer halben Stunde wird man durch sein. Auf die Tagesordnung gesetzt wurde unter anderem ein Bauantrag, der laut Rathauschef Frank Bauer (Freie Wähler) „weiter muaß“. Lange diskutiert wird dabei nicht. Umso mehr aber bei dem darauffolgenden Punkt. Denn da geht es um den Eichsee.

Auf den Schauplatz geht Bauer nicht näher ein. „Die Örtlichkeit müsste euch allen bekannt sein“, sagt der Bürgermeister. Seit ein paar Wochen ist der Zugang auf der nördlichen Seite neben der Fischerhütte gesperrt. Das „hat sich im Ort schon rumgesprochen“. Bedauern steht in Bauers Gesicht geschrieben. An der Fischerhütte sei vom Pächter ein rund zwei Meter hoher Holzzaun errichtet und an dessen Seiten Stacheldraht gespannt worden, „damit koana mehr zum See kommt“, sagt Bauer und zeigt Bilder der Barrikade auf einer Leinwand. „Sauerei“, „Die sollten sich schämen“ und „Da sind doch auch Kinder“ ertönt aus dem Gremium. Es wird gemurmelt und gemosert. Ein erstes Treffen mit dem Pächter brachte keine Lösung. Er wolle den Zaun nicht entfernen, sagt Bauer. Aufgeben möchte man aber nicht, ein weiteres Treffen ist geplant.

Telefone laufen heiß

Bereits im August 2020 habe der Pächter angefragt, ob er den Zugang absperren dürfe. Damals habe man als Gemeinde auf das Landratsamt als zuständige Behörde verwiesen. „Man braucht eine Baugenehmigung“, erklärt der Rathauschef. Dann, vor ein paar Wochen, sei der Zugang „verriegelt“ worden. Das bekam der Bürgermeister nicht nur zu sehen, sondern auch zu hören. „Die Telefone liefen heiß“, sagt Bauer und wirkt dabei wenig verwundert. Viele Großweiler verbinden Erinnerungen mit dem See, sind mit und an dem Gewässer aufgewachsen. Auch Frischvermählte zieht es an den See, „da gibt’s viele Hochzeitsbilder“, weiß der Rathauschef. Nicht ohne Grund also ist das Ganze „ein emotionales Thema“.

Unmut ist deutlich bei Dr. Johann Kirner (CSU) zu spüren. Er will wissen, ob man dem Pächter „die Pacht abspenstig machen könnte“. Da kommen einfach ein paar Münchner und „machen sich breit“, kritisiert er. Bauer versucht, Contenance zu bewahren. Man wolle gemeinsam zu einer Lösung kommen. Doch Contenance hin oder her, auch Bauer scheint seine Emotionen von dem Thema nicht lösen zu können. „Den Steg gab es schon vor 70 Jahren“, also nicht den Steg an sich, aber den Zugang, erinnert der Bürgermeister. Auch Stephanie Promberger (CSU) verbindet Erinnerungen und Gewohnheiten mit dem idyllischen Ort. Der Steg sei eigentlich immer das Ziel beim Schwimmen gewesen. Ein Ziel soll er auch wieder werden. „Wir arbeiten mit Nachdruck daran“, betont Xaver Schweiger (Freie Wähler), müsse der See doch eigentlich zugänglich bleiben. Jedoch wolle man „mit Güte, mit Gefühl“ an die Angelegenheit rangehen, betont der stellvertretende Bürgermeister. Horst Piller (CSU) will noch wissen, wem der See gehört. Dem Bayerischen Naturschutzfonds, weiß Schweiger. Jedoch wolle sich der Verpächter ein „bissl zurückhalten“.

Immer wieder dringt aus dem Gemurmel im Gremium etwas ans Ohr. Rauszuhören ist da etwa, dass Gemeinderat Klaus Singer (Freie Wähler) Grundstücke besitzt, welche die Zufahrt zu der Fischerhütte ermöglichen. „Mach’ zua“, wird ihm von der Seite geraten, freilich nicht ganz ernst gemeint. Das weiß auch Singer und lacht. Ernst drein blickt aber Piller. Er glaubt, dass man „notfalls mit Rechtsanwalt“ die Sache klären müsse.

Angler klagen über Vandalismus und Dreck

Nachfrage beim Anglerbund Isaria München. „Wir wollen keinen aussperren“, betont der Vorsitzende Jürgen Hucul. Auch wolle man „keine eigene Badeanstalt für Isaria“ einrichten. Im Gegenteil. Schon seit vielen Jahren und noch immer setze sich der Verein für den Natur- und Artenschutz ein, dafür „wurden wir mehrfach ausgezeichnet“, sagt Hucul. Dass man Unbefugten den Zugang verbaut hat, habe einen völlig anderen Hintergrund: nächtlicher Vandalismus und eklige Hinterlassenschaften. Schmutz und Zerstörung, welche die Mitglieder jedes Mal beseitigen mussten. „Keiner kümmerte sich drum“, bedauert der Vorsitzende. Lange Zeit hielten die Angler das aus, bis es nicht mehr ging: „Wir waren bisher komplett unauffällig und ruhig, bis das nicht mehr zu ertragen war“, sagt er.

Von einer dauerhaften Barrikade möchte Hucul keineswegs sprechen, auch könne man noch immer, nach Rücksprache mit dem Verein, Fotos auf dem Steg machen, als Erinnerung an die Hochzeit oder Kommunion etwa. „Wir hatten schon ganz nette Anfragen“, erzählt Hucul. Wichtig ist den Anglern aber, weitere Gespräche zu suchen. „Wir wollen gehört werden“, sagt der Vorsitzende und erinnert daran, wie lange der Verein schon Pächter der Fischerhütte ist – nämlich „über 30 Jahre“.

Antonia Reindl

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