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Aufwändige Arbeiten mitten in der Loisach: Auf diesem Foto ist der Blick in den Turbinenschacht zu sehen.

Bau des Großweiler Schachtkraftwerks

Sauberer Loisach-Strom ab Frühjahr 2019

Das Großweiler Schachtkraftwerk gilt als Vorzeige-Projekt auf dem Gebiet der Ökostrom-Erzeugung. Die Arbeiten kommen gut voran. Nächstes Jahr im Frühjahr soll die Anlage fertiggestellt sein.

Großweil– „Wir sind gut im Zeitplan – und im Frühjahr soll das Schachtkraftwerk an dem bislang ungenutzten Wehr Raue Rampe in Betrieb gehen“, erklärt Großweils Bürgermeister Manfred Sporer (CSU). Zusammen mit Günther Rösch (Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen) ist er als Geschäftsführer der Wasserkraftwerk Großweil GmbH – Gesellschafter sind die Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen, die Gemeinde Großweil und das Kraftwerk Farchant – verantwortlich für diesen Bau. Anfängliche Widerstände – Naturschutzverbände fürchteten um den Fischbestand – -haben sich längst zerstreut.

Seit Monaten wird das neue Wasserkraftwerk im Nordwesten des Dorfes regelrecht in die Loisach hineingebaut. Am Ende wird es kaum noch zu sehen sein. Alle Betonarbeiten und mit ihnen der erste Bauabschnitt sind bereits abgeschlossen. Für das Technikgebäude lieferte ein Kran die Fertigteile. Und auch dieses steht bereits. Unterwasserseitig wurde Kies abgetragen. Und die Spundwände, die einen Wassereintritt in die Baugrube verhindert hatten, wurden laut Sporer an der Oberfläche abgeschnitten. Aufgrund der meist guten Wetterlage sei man gut vorangekommen. „Lediglich der viele Regen im Juni und August, der zu einem Höchststand der Loisach geführt hat, brachte witterungsbedingte Verzögerungen mit sich.“

Als nächstes steht nun auf dem Plan, auch die oberwasserseitig über die Betonwand ragenden Spundwände zu kappen. Die Vorbereitungen für diesen Arbeitsschritt laufen bereits auf Hochtouren. Wenn dann das erste Wasser – allerdings noch ohne Turbinen – über die Kraftwerksanlage geleitet werde, sei der erste Bauabschnitt am linken Flussufer vollständig beendet, so Sporer. Ob man fristgerecht den zweiten Bauabschnitt am rechten Flussufer einläuten kann, sei fraglich und hänge vor allem davon ab, ob und wann es einen Winter- oder Kälteeinbruch geben wird. Man hoffe auf einen milden Winter, sei sich aber darüber im Klaren, dass gerade in den Monaten Januar und Februar Frostperioden keine Seltenheit sind. „Bei bis zu minus 10 Grad wird die Baufirma wohl weiter arbeiten“, meint der Rathaus-Chef. „Ich bin sehr froh darüber, dass bislang alles so reibungslos verlaufen ist und vor allem auch darüber, dass keine Personen zu Schaden gekommen sind.“

Sporer ist stolz auf diese weltweit einzigartige, von der Technischen Universität München (TU) entwickelte Anlage zur Gewinnung von Öko-Strom und rechnet nach deren Fertigstellung mit einem regen, öffentlichen Interesse. „Gerade für die Leute mit einem Faible für erneuerbare Energien wird das Kraftwerk sicher ein Anziehungspunkt sein“, vermutet Sporer. Aber bis es soweit ist, müssen, wenn alles nach Plan läuft, in einem letzten Arbeitsgang erst noch die beiden Turbinen mitsamt den Stahlteilen eingebaut werden. Das Wasser wird dann auf die Turbinen, die in einem Schacht unter Wasser sitzen und deshalb keinen Lärm erzeugen, von oben herabrauschen und danach wieder ins Flussbett zurückfließen. Damit keine Fische zu Schaden kommen, wurde in das ökologische Kraftwerk ein eigens entwickelter Rechen eingebaut, an dem die Tiere horizontal entlang schwimmen und durch Öffnungen im Schacht unbeschadet absteigen können. Jedes Jahr sollen so rund 2,4 Gigawattstunden emissionsfreier Strom erzeugt werden.

Die Investoren und Betreiber gehen davon aus, dass sich der Kapitaleinsatz für das etwa 5,6 Millionen Euro teure Projekt, wovon der Freistaat rund 1,9 Millionen Euro übernimmt, nach 20 Jahren über die Einnahmen aus den Stromverkauf refinanziert hat. Einig ist man sich mit dem TU-Professor Peter Rutschmann, an dessen Lehrstuhl die Innovation entwickelt wurde, dass „das Großweiler Schachtkraftwerk die Wasserkraft revolutionieren wird“.

Barbara Falkenberg

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