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Unwetter-Sonntag: Blitzeinschlag im Freilichtmuseum Glentleiten - historischer Stadl brennt komplett ab

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Von: Manuela Schauer, Josef Hornsteiner

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Ein Feuerwehrmann löscht einen Brand.
Nicht mehr zu retten: Der Heuschuppen brannte nieder. ©  Bartl

Stephan Popp stand nur wenige Meter daneben, als im Freilichtmuseum Glentleiten ein Blitz in die Streuhütte am Hirtenhaus einschlug. Die brannte binnen Minuten komplett nieder. Der Reaktion des Museumsaufsehers ist es unter anderem zu verdanken, dass nicht mehr passiert ist.

UPDATE vom 16. August, 17.30 Uhr: Großweil – Das gleißende Licht blendet ihn, brennt Stephan Popp in den Augen. Eine ohrenbetäubende Explosion lässt den Museumsaufseher zusammenzucken. Gläser klirren, Bilder wackeln. Popp sieht aus dem Fenster. Die linke Seite des Heustadls brennt lichterloh. Er drückt sofort den roten Knopf auf seinem Funkgerät. Dann den grünen: „Das ist keine Übung und kein Fehlalarm“, sagt er. „Es brennt.“

Der Museumsaufseher drehte gerade seine Schlussrunde, als sich der Himmel über der Glentleiten verdunkelte. Ein regelrechter Hagel aus Blitzen überzog das Freilichtmuseum kurz vor Schluss um 17 Uhr. Popp sperrte gerade das Gebäude Nummer 15 zu, das sogenannte Hirtenhaus aus dem Jahr 1659. Im Sekundentakt donnerte es. Es war wie im Krieg, erzählt er einen Tag darauf. Er beobachtete hautnah, als der Blitz in dem Heustadl aus Kerschlach, Teil des historischen Ensembles aus Kerschlach, einschlägt. Die freigesetzte Energie war so stark, dass abgesplitterte Holzteile wie Geschosse über 50 Meter weit flogen.

Blitzeinschlag in Streuhütte: Abgesplitterte Holzteile fliegen über 50 Meter weit

Fünf Minuten nachdem Popp alarmiert, sind bereits Sirenen zu hören. Er steht wie angewurzelt vor dem Fenster. Er traut sich nicht vor die Tür. Seit über 16 Jahren arbeitet er als Servicekraft im Freilichtmuseum, hat schon das ein oder anderen Starkregenereignis erlebt. Mal musste er das Gelände wegen ausgeschwemmter Wege schließen. Mal ist ein Baum umgekippt. Gewitterzellen sind bislang immer an den historischen Häusern des Museums vorbei gezogen. Doch das, was sich am Sonntagabend tut, ist für ihn beispiellos. Popp rennt durch das Gebäude. Überprüft Raum für Raum, dass sich niemand mehr in dem Anwesen befindet.

Vor Trümmern: Stephan Popp (l.) ist Augenzeuge des Einschlags, Dr. Monika Kania-Schütz Museumsleiterin. 
Vor Trümmern: Stephan Popp (l.) ist Augenzeuge des Einschlags, Dr. Monika Kania-Schütz Museumsleiterin.  © Josef Hornsteiner

Dann spurtet er nach draußen. Mit weiteren Museumsmitarbeitern bereitet Popp alles für das Eintreffen der Feuerwehr-Kameraden vor. Sie drehen Hydranten auf, bringen die wenigen restlichen Museumsbesucher in Sicherheit. Kurz überlegt Popp, ob er die zwei Feuerwehr-Quads holt, die das Museum für kleinere Brände bereit hält. Doch die wären zwecklos. Die Streuhütte steht bereits völlig in Flammen. Jetzt zählt nur noch, den Brand sicher zu überstehen – ohne Menschen in Gefahr zu bringen.

Das erste Löschfahrzeug der Feuerwehr fährt aufs Gelände. Schon von Großweil aus haben Ehrenamtliche aus ihren Häusern den Einschlag und den Brand beobachtet, sich sofort auf den Weg zur Rettungswache gemacht. Die Alarmierung läuft wie am Schnürchen. Die Übungen, die zwei Mal im Jahr auf dem Gelände absolviert werden, machen sich bezahlt. Fünf Feuerwehren aus Großweil, Schlehdorf, Sindelsdorf, Kochel und Murnau sind mit 80 Einsatzkräften angerückt. Der Stadl ist nicht mehr zu retten. Das anliegende Hirtenhaus aber schon. Die Flammen züngeln an der Hausfassade. Die Sparren im Inneren brennen bereits. „Es stand auf Messers Schneide“, sagt Museumsdirektorin Dr. Monika Kania-Schütz tags darauf. „Der Starkregen hat das Feuer nur wenig beeindruckt.“

Nicht mehr zu retten: Der Heuschuppen brannte nieder.
Nicht mehr zu retten: Der Heuschuppen brannte nieder. © Dominik Bartl

Sie steht gemeinsam mit Popp am Montagvormittag vor den verkohlten Überresten des Stadls. Im Hauptgebäude sind die Holzbalken rußig. Ein Brandschutz-Gutachter wird in dieser Woche kommen und die Statik prüfen. Solange ist das Haus Nummer 15 für Besucher gesperrt.

Sonst hat das Freilichtmuseum ganz normal seit Montag geöffnet. Um 10 Uhr kamen bereits die ersten Interessierten und wollten die Unglücksstelle sehen. „Dieser Brand ist schrecklich“, sagt Kania-Schütz. Der finanzielle Schaden sei natürlich überschaubar. Das bisschen Holz ist nicht teuer. Doch der ideelle Verlust wiegt immens. Das Gebäude aus dem Jahr 1914 ist nicht einfach wieder herstellbar. „Wir wissen noch nicht, ob wir es rekonstruieren oder etwas anderes dafür hinstellen.“

Brand in Glentleiten zeigt, wie hervorragend das über die Jahrzehnte hinweg ausgeklügelte Brandschutzkonzept funktioniert hat

Doch hat für sie der Brand gezeigt, wie hervorragend das über die Jahrzehnte hinweg ausgeklügelte Brandschutzkonzept funktioniert hat. Die Meldeanlagen funktionierten hervorragend. Doch sind bislang nur etwa ein Drittel aller Gebäude, meist die zweigeschossigen, mit Blitzableitern versehen. Das könnte sich ändern. „Wir werden das Konzept mit der Kreisbrandinspektion anpassen“, sagt sie.

Zwei weitere Blitze sind am Sonntag eingeschlagen. Eine 30 Meter hohe Fichte wurde gespalten und die Elektronik in mehreren Häusern, unter anderem in der Getreidemühle aus Fischbach, ist defekt.

URSPRÜNGLICHE MELDUNG von Sonntag, 15. August: Nur noch die verkohlten Überreste liegen herum, mehr ist von dem circa 80 Quadratmeter großen Nebengebäude der Hausnummer 15 im Freilichtmuseum Glentleiten in Großweil nicht übrig geblieben. Es brannte am Sonntag komplett ab, nachdem ein Blitz in den Heuschuppen eingeschlagen hatte. Die Flammen griffen auf den alten Bauernhof daneben bereits über, doch konnte die Feuerwehren diesen retten.

Der finanzielle Schaden nach dem Unwetter-Ereignis steht noch nicht fest, der historische dürfte immens sein. Mehrere Feuerwehren aus diesem und dem benachbarten Landkreis rückten aus, um das Feuer unter Kontrolle zu bringen.

Auch am Montagmorgen ziehen schwere Gewitter über die Region.

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