Vier Männer stehen auf einer Wiese und unterhalten sich.
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Intensive und konstruktive Gespräche: (v. l.) Professor Dr. Gerd Sutter, Vize-Bürgermeister Franz Xaver Schweiger, Frank Tessmer und Jürgen Hucul wollen zusammenarbeiten.

Nach offenem Gespräch: Anglerbund entfernt Tor

Zugang zum Eichsee wieder frei - Gemeinde verspricht Unterstützung im Kampf gegen Müll und Falschparker

Nach Dreck und Vandalismus versperrte der Anglerbund den nördlichen Zugang zum Eichsee. Der Schritt hat viele Großweiler verärgert. Nun ist das Tor weg. Auch, weil die Gemeinde Bauhofmitarbeiter schicken wird.

Großweil – Die Scheibe des Trennschleifers rotiert, es sprühen Funken. Ein „Pling“ und das Vorhängeschloss an dem Holztor, das der Anglerbund Isaria München vor ein paar Wochen an der Fischerhütte anbringen ließ, ist ab. Man braucht es nicht mehr. Das Tor wird ausgehängt, der nördliche Zugang zum Eichsee ist wieder frei. Ein klärendes Gespräch hat diesen Schritt ermöglicht. Und ein Versprechen der Gemeinde.

Jürgen Hucul geht auf den Steg am Eichsee, dessen Ausblick so viele Menschen anzieht, zum Baden, Fotografieren, Rasten. Auf der Liegewiese auf der gegenüberliegenden Seite sind ein paar Handtücher zu entdecken. Planschen im Wasser, Stimmen am Ufer. Zuletzt wurden die vielen Menschen zum Problem. Beziehungsweise jene, die sich nicht an Regeln halten. Deshalb versperrte der Anglerbunds Isaria München, dessen Vorsitzender Hucul ist und der die Fischerhütte am Eichsee gepachtet hat, den Zugang neben dem Haus und damit zum Steg. Dies stieß auf viel Unmut in Großweil. Doch die Angler wussten sich nicht anders zu helfen.

Ein begehrter Ort für Fotos und Festl: der Steg am Eichsee bei Großweil.

Mit seinem Stellvertreter Prof. Dr. Gerd Sutter und Fischereiaufseher Frank Tessmer versucht Hucul an diesem Sonnentag, Franz Xaver Schweiger die Barrikade zu erklären. Großweils zweiter Bürgermeister, will überzeugen und vermitteln. Seit Jahrzehnten komme er hierher, sagt Sutter. Er kennt die Lage, es wird gebadet, gefeiert. „Es gab immer mal Festl“, sagt er, ohne etwas dagegen einzuwenden. Doch in den vergangenen Jahren hätten sie sich verändert. Vandalismus und Dreck blieben. Hinzu kommen Autos, die tagsüber „brettlbreit“ auf der Wiese vor der Hütte geparkt werden. „Keine Angler“, sagt Sutter. Wegen parkender Badegäste die Polizei rufen, möchte der Vize-Vorsitzende nicht, die „hat Besseres zu tun, als Sonnenbadende zu vertreiben“. Der Verein, der sich dem Naturschutz verschrieben hat, half sich selbst.

Verständnis für Sorgen des Anglerbunds: „Die Leute werden frecher“

Schweiger folgt jedem Wort, zeigt Verständnis für die Lage der Pächter. Doch verweist er auch auf die generelle Situation. Sie sei allgemein nicht leicht, man müsse aber zusammenhalten, gerade in Corona-Zeiten. „Die Leute werden frecher“, bekräftigt der stellvertretende Bürgermeister. Hinzu kommt, dass „wir jedes Wochenende von Münchnern überlaufen werden“. Dass sich der Anglerbund auf diese Art und Weise der Lage entzieht, findet Schweiger aber unglücklich, er spricht von einem Alleingang. „Sie haben sich ein bisschen abgeschottet.“ Sutter hingegen verweist auf die in seinen Augen klare Rechtslage. „Das ist hier kein freier Zugang.“ Er bedauert, dass manch einer den Privatgrund rund um den Steg nicht respektiere. Auch Schweiger kontert mit der Rechtslage. „Einzäunungen sind grundsätzlich genehmigungspflichtig.“ Darüber streiten aber möchte er nicht, im Gegenteil. Er bringt ein Angebot von Bürgermeister Frank Bauer mit.

Dieser werde einmal in der Woche Bauhofmitarbeiter vorbeischicken, darüber hinaus sei man in ständigem Kontakt mit dem Landratsamt und der Polizei. Letztere wolle man für die Situation am Eichsee „noch mal sensibilisieren“. Angesichts der Besucherströme in die Region „soll der Großweiler nicht ganz unter die Räder kommen“. Gemeinde und Verein stehen auf der gleichen Seite, das betont Schweiger ausdrücklich. Sutter stimmt zu, spricht sich für eine Zusammenarbeit aus.

Fotos auf dem Steg sind erlaubt, nicht aber zu kommerziellen Zwecken

Lange folgt Hucul ruhig dem Gespräch. Bringt sich kurz ein, um zu betonen, dass man noch immer Fotos auf dem Steg machen dürfe, wenn auch keine zu kommerziellen Zwecken, und dass keine private Badeanstalt entstehen dürfe. Statt einer Sperre wünscht sich der Vereinsvorsitzende eine Tafel mit Regeln: Was ist erlaubt? Was ist verboten? Den Vandalismus, das betont er, möchte er künftig „nicht permanent alleine tragen“ müssen. Schweiger zeigt sich offen, schlägt vor, beide Wappen auf dem Schild zu platzieren.

Unvermittelt schlägt Hucul vor: „Lassen wir sie raus und rein.“ Fischereiaufseher Tessmer holt den Trennschleifer für das Schloss, das Unbekannte verklebt haben. Mit vereinten Kräften heben die Männer das schwere Holztor aus der Angel. Es verschwindet in der Fischerhütte. Und es bleibt die Hoffnung, dass man es nicht mehr braucht.

Antonia Reindl

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