Stellt den Sinn der Aktion in Frage: Josef Burkart, Ortsobmann der Waldbesitzer.
+
Stellt den Sinn der Aktion in Frage: Josef Burkart, Ortsobmann der Waldbesitzer.

Großweiler WBV-Ortsobmann skeptisch

Baumfällungen sollen Brachvogel vor Greifvögeln schützen

Bei Großweil wurden Bäume entfernt, zum Schutz des Brachvogels. Doch es gibt Zweifel an der Sinnhaftigkeit der Fällungen.

  • Im Moos bei Großweil wurden Bäume gefällt.
  • Dies soll den Brachvogel vor Greifvögel schützen.
  • Der Ortsobmann der Waldbesitzer bezweifelt den Sinn der Maßnahme.

Großweil – Die Schwalben brausen über die regennassen Felder an der Moosstraße in Großweil. Josef Burkart betrachtet immer wieder das belebte, weitläufige Grün. Er lächelt. Doch schweift sein Blick weiter in die Ferne, in Richtung Wald, verfinstert sich sein Blick. Abholzungen im Moos verärgern den Ortsobmann der Waldbesitzervereinigung Ammer-Loisach (WBV) – keineswegs der Grund, jedoch die Sinnhaftigkeit der Fällungen. Mit kniehohen Regenstiefeln könnte man zu dem Areal stapfen, doch wirklich viel sehen würde man inzwischen nicht mehr, meint Burkart, nachdem er seinen Bulldog auf dem Wanderparkplatz an der Moosstraße neben der Loisach abgestellt hat. Mehrere hundert Meter von dieser Stelle entfernt, im Moos, sind im Februar ein paar Fichten entnommen worden. „Das war eine Nacht- und Nebelaktion, das hat mir ziemlich gestunken“, sagt der Ortsobmann der Waldbesitzer. In kurzer Zeit waren die Bäume entlang eines Grabens verschwunden. Stämme stapelten sich. Davon ist nun, Wochen später, nichts mehr zu sehen. „Sie wurden schon abgefahren“, sagt Burkart. Dass das passieren würde, wusste der Großweiler durchaus, die Untere Naturschutzbehörde habe die Waldbesitzer vorab informiert. Immerhin sollten die Bäume ja von Privatgrund verschwinden – aus einem Grund, und der heißt Brachvogel. Denn die Greifvögel lassen sich in dem Geäst nieder und sind auf sein Gelege aus.

Zweifel am Erfolg der Maßnahme

Die Waldbesitzer hätten bei der Fällungsmaßnahme mitgezogen, nur ein, zwei nicht, sagt Burkart und scheint sich über die Unterstützer zu wundern. „Was denen geboten wurde, weiß ich nicht“, sagt der WBV-Ortsobmann, dessen Wald kein Teil des abgeholzten Bereiches ist. Burkart spricht sich klar für den Schutz des Großen Brachvogels aus, doch stellt er den Erfolg der Maßnahme in Frage. Immerhin habe das Tier ja auch andere Fressfeinde, den Fuchs etwa. Den dürfte weniger Konkurrenz sicherlich freuen. „Wenn’s einen Sinn hat, sag’ ich nix“, meint der Großweiler, denn „alle Viecher haben ihre Daseinsberechtigung“.

Eine andere Lösung als die Fällung scheint es jedoch nicht gegeben zu haben. „Alternativen zu den Abholzungen gibt es nach Einschätzung der Unteren Naturschutzbehörde nicht“, sagt Stephan Scharf, Pressesprecher im Landratsamt Garmisch-Partenkirchen. Wiesenbrütende Vögel meiden die Nähe zu Gehölzen und Wäldern, in dem Wissen, dass dort Greifvögel wie auch Rabenvögel auf Ansitzwarten lauern. „Rabenkrähen ernähren sich unter anderem auch von Eiern und Jungvögeln“, sagt Scharf. Indem nun Bäume und damit Ansitzwarten entnommen werden, „wird diese Problematik entschärft und Verluste an Eiern beziehungsweise Jungvögeln verringert“, erläutert der Pressesprecher.

Großer Beobachtungsaufwand

Entschärft wurde dabei im Flurbereich Schlagluß östlich des Eichsees. Dort wurden zwei Fichtengehölze auf insgesamt rund 4100 Quadratmeter gefällt. Nördlich davon folgten circa 15 weitere Fichten, die in einer Reihe standen. In Zukunft sollen auf diesen Flächen keine Bäume mehr wachsen, nur noch Grashalme. Ob das dem Brachvogel etwas bringt, wird sich zeigen. In den vergangenen Jahren habe es meist sechs bis sieben Brutpaare in den Loisach-Kochelsee-Mooren gegeben, berichtet Scharf. Wie viele der Jungvögel durchgekommen sind, könne man nicht genau evaluieren, „da dies einen sehr großen Beobachtungsaufwand erfordert“. Im vergangenen Jahr aber konnte man eine Zahl ausmachen, wenngleich eine bittere, denn nur ein „einziger Jungvogel wurde flügge“, teilt Scharf mit. Bei Weitem zu wenig. Um die Brachvogelpopulation in den Mooren auf Dauer zu erhalten, müssten jedes Jahr drei bis vier Jungvögel durchkommen.

Auch Großweils Bürgermeister Frank Bauer (Freie Wähler) möchte den Großen Brachvogel weiterhin in seiner Nachbarschaft wissen. Dass das Bild der abgeholzten Flächen manchen Betrachter den Kopf schütteln lassen könnte, weiß der Rathauschef: „Wenn auch der erste Eindruck massiv erscheint, denke ich, dass die Maßnahme gerechtfertigt ist, um den Großen Brachvogel wieder anzusiedeln.“ Zudem glaubt der Rathauschef, dass sich die betroffenen Areale wieder erholen werden. „Die Flächen der Fichtenentnahme wird sich die Natur zurückholen.“ Die Bereiche würden schon bald „verbuschen und vielen Tieren einen Lebensraum geben“. Ein Prozess, der bereits im Gange zu sein scheint. Denn wie Burkart berichtet, sind die abgeholzten Flächen schon ziemlich verwachsen, von der Luft aus könne man den starken Eingriff aber noch in aller Deutlichkeit sehen.

Burkart muss schmunzeln

Wenn der WBV-Ortsobmann seine Gedanken von den abgeholzten Flächen löst und seinen Blick wieder auf die Felder an der Moosstraße wirft, muss er schmunzeln. Dort sei man froh um Ansitzwarten für Greifvögel, Landwirte stellen sogar Stangen auf, um auf Ackerfluren Sitzgelegenheiten zu schaffen. Schließlich seien die Tiere wichtig, um die Felder von Mäusen zu befreien, meint Burkart, ehe er zurück zu seinem Bulldog marschiert und entlang der von Schwalben umschwirrten Felder davonfährt.

Antonia Reindl

Auch interessant: Keine Ehrenbürgerwürde für Ex-Bürgermeister Sporer

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare