Sitzung im Freizeitheim: Es moderiert Christoph Gratz (stehend).
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Sitzung im Freizeitheim: Es moderiert Christoph Gratz (stehend).

Gemeinderat beschließt Antrag auf Aufnahme

Erster Grundstein für Dorferneuerung in Großweil gelegt

Das Projekt Dorferneuerung Großweil gewinnt an Fahrt. Der Gemeinderat hat dafür jetzt die Weichen gestellt.

  • Großweil will ins Dorferneuerungsprogramm aufgenommen werden.
  • Hierzu hat der Gemeinderat jetzt die Weichen gestellt.
  • Zuvor waren Bürger bei einem Seminar in Thierhaupten.

Großweil – Viel Licht kann nicht in den großen Saal des Freizeitheims fallen. Auf den Fensterscheiben kleben Plakate, darauf: Tabellen und sogenannte Mindmaps aus dicken Filzstiftlinien. Das Papier legt Zeugnis davon ab, was sich auf der Auftaktveranstaltung im Schulungszentrum der Dorf- und Landesentwicklung in Thierhaupten abspielte, an dem einige Großweiler für die Zukunft ihres Ortes teilnahmen. In der Sitzung des Gemeinderates lässt man die zweitägige Veranstaltung Revue passieren, um anschließend die nächsten Schritte zur Dorferneuerung zu gehen.

Christoph Gratz, Kämmerer in der Verwaltungsgemeinschaft Ohlstadt, muss als Moderator der Ratssitzung schon ein wenig ausholen. Zwar versucht er, die zwei Julitage in Thierhaupten zu komprimieren, viel zu sagen hat er dennoch. „Wir haben einen straffen Zeitplan gehabt“, erinnert sich Gratz. Die teilnehmenden Großweiler besannen sich auf die Vergangenheit des Dorfes, analysierten die Gemeindeentwicklung. Auch die Stärken und Schwächen des Dorfes galt es herauszukristallisieren. Zu Ersteren zählten für die Seminarteilnehmer etwa das Vereinsleben und Engagement in der Gemeinde, die Freizeiteinrichtungen wie das Schwimmbad, der Tourismus mit Blick auf das Freilichtmuseum Glentleiten, die Bürgerbeteiligung, die Infrastruktur und das generelle Ortsbild. Doch in diesen Stärken schwang oft auch Negatives mit. So wurde auf der Defizitliste der Tourismus abermals aufgeführt. „Es werden immer weniger Betten“, sagt Gratz. Auch in Sachen Infrastruktur, Gehwegausbau und Kanäle sieht man Verbesserungsbedarf, ebenso im Ortsbild: Die Dorfmitte lasse sich noch attraktiver gestalten und von der Ortsgeschichte, etwa von der Bergwerksvergangenheit, ist im Dorf nichts zu spüren.

Großweil 2035

Eine Liste, zwei Spalten, viele Punkte – und bei weitem nicht die einzige Tabelle des Seminars. Wie die Plakate, die die Fensterfront und eine Wand schmücken, verraten, beschäftigten sich die Teilnehmer, die nun am Sitzungsabend Zuschauerplätze füllen, auch mit dem Dorf von morgen, Großweil 2035, einer Zukunftsvision. 16 Handlungsfelder machte man ausfindig, der begrenzten Zeit wegen arbeitete man nur priorisierte aus: Verkehr, Ortsmitte, Dorf- und Vereinsleben, Landwirtschaft und regionale Vermarktung sowie Freizeitflächen. Jedem Feld wurde eine Gruppe zugeteilt, die dann Schwierigkeiten, Lösungsansätze, eine Zielsetzung und das Vorgehen festzuhalten hatte. Ausarbeitungszeit: rund 20 Minuten.

Die Ergebnisse in aller Kürze: Ein Vereinsleben läuft, doch es scheint schwierig zu sein, Junge und Verantwortungsträger zu finden. Freizeitflächen sind vorhanden, doch ausbaufähig. Die Umkleidekabinen am Schwimmbad etwa sind wahrlich keine Schönheiten. Was die Landwirtschaft anbelangt, bestünden oftmals Kommunikationslücken zwischen verschiedenen Interessensgruppen, und für die Vermarktung regionaler Produkte brauche es der Übersichtlichkeit wegen eine Plattform. In der Ortsmitte, „zwischen der alten und der neuen Kirche“, umreißt Gemeinderat Markus Luidl (CSU), liegt Potenzial verborgen. Geteerte Bereiche, etwa am Gasthaus Zur Loisach, könnte man in Flächen verwandeln, „wo man sich schön aufhalten kann“, sagt Luidl, um dann aufzuzählen, was in dem zentralen, aber brachliegenden Gasthaus eigentlich alles möglich sei, von Räumlichkeiten für Musikveranstaltungen bis hin zu Angeboten für Senioren wie betreutes Wohnen. Wichtig sei bei alledem eine gute Zusammenarbeit mit der Kirche und den Vereinen.

Stück Radweg fehlt

Genau hin- und umgesehen hat sich auch die letzte Gruppe, die sich gemeinsam mit Bürgermeister Frank Bauer (Freie Wähler) dem Verkehr widmete. Der Rathauschef schreitet zu dem entsprechenden Plakat, nutzt dieses als überdimensionalen Spickzettel und spricht von kritischen Verkehrspunkten in der Gemeinde und dem Erfolg, auf gemeindlichen Straßen 30er-Zonen eingerichtet zu haben. Was Parkplätze anbelangt, so betont er, dass mit der Polizei „eine regelmäßige Verkehrsschau“ durchgeführt werde. Und keinen Hehl kann er daraus machen, dass auf dem Radweg von Zell nach Sindelsdorf einfach „ein Stückl fehlt“.

Viel Input binnen zwei Tagen. Das Ergebnis? „Wir haben viel gebastelt und gemalt“, scherzt Gratz. Die Gruppe, in der Zugezogene auf Alteingesessene aufeinandertrafen, „hat sehr gut zusammengearbeitet“, resümiert er. Was bleibt von den gemeinsamen Tagen in Thierhaupten sind aber nicht allein die vielen Plakate. „Wir haben einen Aktionsplan gestrickt“, erzählt Gratz. Damit es nun weitergehen kann, braucht es einen Gemeinderatsbeschluss. Das Gremium stimmt geschlossen dafür, einen Antrag auf Aufnahme in das Bayerische Dorferneuerungsprogramm zu stellen. „Für das Fundament, das wir geschaffen haben, setzen wir den ersten Grundstein“, kommentiert Bauer.

Im Anschluss votiert das Gremium einstimmig dafür, die im Aktionsplan aufgeführten Arbeitsgruppen im Auftrag der Gemeinde agieren zu lassen. Den Gemeinderat über ihre Arbeit informieren müssen nun die „Soko grün“, die das Dorf grüner und bunter machen möchte, und die Gruppe Ortsmitte, die wohl Ähnliches im Kern plant. Die Gruppe Freizeitflächen ist ebenfalls am Start. Man könne viel verändern, wobei letztlich „alles auf Begegnungsflächen rausläuft“, sagt Xaver Schweiger (Freie Wähler). Der Zweite Bürgermeister ist es auch, der dafür plädiert, noch eine eigene Gruppe für den Waldlehrpfad aufzustellen, „weil sich viele mit dem Thema identifizieren können“. Um Barrierefreiheit, darunter abgesenkte Gehsteige, behindertengerechte Toiletten oder barrierefreie Zugänge im Schwimmbad, soll sich ebenfalls eine eigene Arbeitsgruppe kümmern. Alle AGs zählen bereits Mitglieder, jedoch könne jeder jederzeit dazustoßen, betont Bürgermeister Bauer. Und er scheint optimistisch zu sein, dass sich noch viele weitere für die Dorferneuerung engagieren werden, „wir sind fast 1600 Einwohner, ich denke, dass wir noch ein paar finden“.

Antonia Reindl

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