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Betreuung in den eigenen vier Wänden: Vor zwei Jahren starteten Markus Hoschig (r.) und Michael Perlick mit der Sozialagentur Oberbayern. Diese kooperiert mit 35 Krankenhäusern und 160 Pflegediensten. Tätig ist sie in dem Gebiet zwischen München und Bad Tölz sowie zwischen Garmisch-Partenkirchen und Miesbach.

Nach dem Doppelmord in Königsdorf

Experten von der Sozialagentur in Großweil: Keine Angst vor Pflegekräften

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Der Doppelmord nach einem Einbruch in Königsdorf-Höfen ist frisch im Gedächtnis. Eine Polin, die in dem Haus als Betreuungskraft gearbeitet hat, wird verdächtigt, ihrem Bruder den Tipp gegeben zu haben dass sich ein Beutezug lohnen könnte. Wie kann man vermeiden, sich kriminelle Helfer ins Haus zu holen? Markus Horschig und Michael Perlick von der Sozialagentur Oberbayern gehen offensiv mit dem Thema um.

Großweil - Die Sozialagentur hat ihren Sitz in Großweil, am 1. April steht der Umzug nach Murnau an. Im Gespräch mit Redakteur Patrick Staar geben Markus Horsching und Michael Perlick Tipps, worauf man bei der Auswahl der Betreuungskräfte achten sollte.

-Meine Herren, glauben Sie, dass nach dem Mord in Königsdorf einige Menschen ein mulmiges Gefühl haben, sich eine Pflegekraft ins Haus holen?

Markus Horschig: Ja. Und das völlig zu Recht.

Michael Perlick: Laut Statistik gibt es in Deutschland rund 200 000 Betreuungskräfte und nur ca. 30 000 sind offiziell beschäftigt, 170 000 sind Schwarzarbeiter. Das muss man sich mal vorstellen. Was in diesem Bereich alles schiefläuft, kriegt man gar nicht mit. Es gibt keinen Arbeitsvertrag, keine Krankenversicherung, keine Haftpflichtversicherung. In unseren Augen ist das grob fahrlässig.

-Warum gehen viele dieses Risiko ein?

Horschig: Oft müssen die Leute sehr, sehr kurzer Zeit sehr viele Entscheidungen treffen. Und das in einem Thema, in dem sie nicht auskennen. Viele neigen dazu, an der falschen Stelle zu sparen. Wir kennen Fälle, da zahlen Familien 1300 bis 1800 Euro für eine schwarz beschäftigte Pflegekraft. Da langen wir uns an den Kopf, denn das offizielle Modell ist billiger. Es gibt schließlich steuerliche Vergünstigungen und Fördertöpfe.

-Wie vermeiden Sie, dass Sie an kriminelle Betreuungskräfte geraten?

Horschig: Wir versuchen ein Maximum an Transparenz zu bieten. Unsere Kunden bekommen einen siebenseitigen Fragebogen. Darin geht es um die Situation vor Ort, den Gesundheitszustand und die Wünsche des Patienten. Der Fragebogen geht zu unseren osteuropäischen Partnern. Im Gegenzug bekommt der Kunde einen Personalvorschlag mit Lebenslauf, Foto, Telefonnummer und Referenzen der letzten Stellen. Die Betreuungspersonen werden auch geprüft, was das Strafregister angeht. So ist gewährleistet, dass man sich keinen Berufsverbrecher ins Haus holt – oder dass die Betreuungskraft Kontakte in die falsche Richtung hat. Das ist in Königsdorf wohl auf extremste Art und Weise passiert.

-Bei aller Sorgfalt: Ist Ihnen trotzdem manchmal mulmig, wenn Sie Pflegekräfte vermitteln?

Perlick: Nein. Wir haben über 90 Prozent Betreuungskräfte im Einsatz, die Erfahrung mitbringen. Bei Neueinsteigern ist das Risiko, dass ein schwarzes Schaf dabei ist, viel größer.

Horschig: Wir sind regelmäßig bei unseren Partnern in Osteuropa vor Ort und prüfen deren Geschäftsverhältnisse. Wir haben sehr viele Stamm-Betreuungskräfte, die wir kennen. Aber natürlich können wir nicht garantieren, dass mal eine Pflegekraft dabei ist, die silberne Löffel mitgehen lässt.

-Haben das schon mal erlebt?

Horschig: Herr Perlick hat einen Bekannten. Der hat seinen Vater über irgendeine Schwarz-Lösung betreuen lassen. Am Wochenende ist der Bekannte aus Stuttgart zurückgekommen. Das ganze Haus war ausgeräumt, inklusive der Garage. Nur das Bett mit bettlägrigen Vater war noch da.

-Gab es einen ähnlichen Fall schon mal Ihrer eigenen Firma?

Horschig: Nein, das nicht. Der extremste Fall war eine Betreuungskraft, die nach einem Todesfall in der eigenen Familie stark alkoholisiert war.

-Aus welchen Verhältnissen stammen die Betreuungskräfte?

Horschig: Wir arbeiten mit Osteuropäern zusammen. Sie verdienen zu Hause zwischen 300 uns 500 Euro. Bei uns bekommen sie – je nach Sprachkenntnissen – zwischen 1100 und 1400 Euro netto bei freier Kost und Logis. Das ist der Hauptantrieb, warum sie nach Deutschland kommen.

-Gibt es Unterschiede zwischen den Arbeitskräften aus Osteuropa?

Horschig: In Polen ist der Betreuungskräfte-Markt am weitesten entwickelt. Diese Leute haben höhere Ansprüche als zum Beispiel jemand aus Rumänien.

-Ist es schwierig, gute Betreuungskräfte zu finden?

Horschig: Wir haben einen extremen Mangel an Betreuungskräften, die gut deutsch sprechen. Unsere Suche geht immer weiter in den Osten, wir suchen Personal in sieben Ländern. Inzwischen sind wir in Litauen angelangt. In den nächsten Jahren müssen wir die Suche auf Asien und Tunesien ausdehnen.

-Wie lange bleiben die Betreuungskräfte normalerweise in den Familien?

Perlick: Um alles so entspannt wie möglich zu gestalten, ist unser Ziel, dass zwei Stamm-Betreuungskräfte vor Ort sind, die sich alle sechs bis zwölf Wochen abwechseln. Es ist eine gewisse Vertrautheit da, das Ganze läuft rund. Die Einsatzzeiten dürfen aber auch nicht zu lang sein, damit die Strapazen nicht zu groß werden, gerade wenn der Patient schwer dement ist. Oder wenn der Patient schwer ist und oft transferiert werden muss. Sonst klappt die Betreuungsperson irgendwann zusammen.

-Wie erkennt man einen seriösen Vermittler?

Perlick: In Deutschland gibt es über 100 Agenturen. Alle sagen natürlich: „Wir sind die besten.“ Niemand hat die Zeit, alle zu vergleichen. Es gibt aber einige allgemeingültige Kriterien, die wichtig sind: Wie sieht es mit der Kündigungsfrist aus? Sie sollte nicht länger als 14 Tage sein. Wie sieht es im Todesfall aus? Es gibt Anbieter am Markt, bei denen muss man nach einem Todesfall noch zwei Monate weiterzahlen, obwohl niemand mehr vor Ort ist. Die Mindest-Vertragslaufzeit sollte vier Wochen betragen – und nicht länger. Wichtig ist auch noch ein anderer Punkt: Man sollte einen Vertrag ruhen lassen können. Zum Beispiel, wenn der Patient ins Krankenhaus muss oder eine Reha macht.

-Macht Ihnen Der Mordfall in Königsdorf die Arbeit schwerer – oder vielleicht sogar leichter?

Perlick: Das können wir momentan noch nicht einschätzen. Ich denke, dass es für uns vielleicht etwas einfacher werden könnte. Der Mord könnte zu einem Umdenk-Prozess führen, so dass die Leute nicht immer auf die vermeintlich günstige Schwarz-Lösung zurückgreifen. Es kann aber auch sein, dass es überhaupt keine Auswirkungen ha

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