Im Rampenlicht ihrer Hühner steht Christine Strobel. Den Auslauf muss sie mit Folie und Maschendraht sichern. F: joho
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Im Rampenlicht ihrer Hühner steht Christine Strobel. Den Auslauf muss sie mit Folie und Maschendraht sichern. F: joho

Veterinäramt ergreift drastische Maßnahmen

Schutz vor der Geflügelpest: Hühner in den Lockdown geschickt - wenig Verständnis von Tierhalter

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Schutz vor der Geflügelpest im Landkreis Garmisch-Partenkirchen: Hühnerhalter wie Christine Strobel müssen ihre Tiere teilweise einsperren. Das Verständnis ist gering, da es erst wenige Fälle im Norden Bayerns gibt.

Großweil/Landkreis – Jedes Mal, wenn Christine Strobel zum Stall geht, blutet ihr das Herz. Sie hat eine Schüssel mit Salat unterm Arm. Sie öffnet eine Holztüre und steht sofort inmitten von Sussex’, Sperbern und blauen Königsbergern – Hühner, die der Großweilerin buchstäblich aus der Hand fressen. Eigentlich ein wunderbares Gefühl. Doch dieser Tage ist alles anders. Strobel hat das Zuhause der Tiere quasi in einen Hochsicherheitstrakt verwandeln müssen. Folien sind über den Freilauf gezogen. Maschendraht umspannt den Zaun. Ihre rund 40 Hühner befinden sich im Lockdown.

Geflügelpest in Bayern: Veterinäramt ergreift drastische Maßnahmen - Ausgangssperre für Hühner

In diesem Fall ist es nicht Corona. Nein. An diesem Zustand trägt dieses Virus keine Schuld. Es ist die Geflügelpest, die wieder in Bayern grassiert. Das Veterinäramt in Garmisch-Partenkirchen hat drastische Maßnahmen ergriffen. Die Geflügelhalter in Gewässernähe – egal ob 3 oder 300 Stück – müssen ihre Tiere in Quarantäne schicken. An Isar, Loisach und Ammer, im gesamten Murnauer Moos, am Staffelsee, Riegsee und Froschhauser See herrscht nun Ausgangssperre fürs Geflügel.

Strobel befürchtet, dass es vielen anderen Tieren momentan nicht gut geht. Nicht jeder hat genug Platz im Stall oder eine große Voliere, um die Hühner artgerecht halten zu können. Die eingesperrten Tiere dürften die Hölle erleben, wenn die Temperaturen im Frühling steigen. Deshalb hofft sie auf eine baldige Lockerung – zumal die Fälle in Bayern überschaubar sind.

Lockdown für Hühner: Halterin befürchtet, dass es vielen anderen Tieren momentan nicht gut geht

In Europa breitet sich die Krankheit weiter aus. Es handelt sich um eine besonders schwer verlaufende Form der Geflügelpest (aviären Influenza). Infizierte Tiere sterben qualvoll. In Bayern haben sich bislang aber nur vier Wildvögel und ein Hausflügelbestand im oberfränkischen Landkreis Bayreuth angesteckt. Das Veterinäramt will ein Ausbreiten der Krankheit auf den Landkreis in jedem Fall verhindern. Tierhalter müssen den Freilauf daher so gestalten, dass weder Wildvögel, noch deren Kot in das Gehege gelangen können – oder eben ihre Schützlinge ganz im Stall einsperren. Verstöße werden mit Strafen von mehreren hundert Euro versehen.

Für Strobel kam die Anweisung zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. „Ab Ostern beginnt meine Hauptgeschäftszeit.“ Die Großweilerin, die in Kleinweil lebt, betreibt nun schon in der vierten Saison eine Hühnervermietung. Sie verleiht ihre Tiere an Menschen, die sich für die Sommermonate Federvieh im Garten halten wollen.

Schutz vor der Geflügelpest: Auflagen machen Hühnervermietung fast unmöglich

Doch macht ihr die Verordnung zu schaffen. „Der bürokratische Aufwand ist so enorm, dass an Vermietung kaum zu denken ist.“ Viele ihrer Kunden – die meisten aus dem Raum südlich von München – haben vor Monaten bei ihr gebucht. Besonders in Coronazeiten fanden sie Gefallen an den Tieren. „Sie sind etwas Aufmunterndes in dieser Zeit“, sagt Strobel. „Besonders Kinder freuen sich.“ Die muss sie nun vertrösten. Erst im Juni ist klar, ob der Hühner-Lockdown verlängert wird oder nicht.

Strobel versteht die Schutzmaßnahmen. Doch kritisiert sie die Verhältnismäßigkeit, zumal es noch keinen Fall im Landkreis gibt. Sie darf in Kleinweil ihre Hühner nicht frei herumlaufen lassen. In Zell, wenige hundert Meter entfernt, stellt das kein Problem dar. Andernorts ist es ähnlich: Während sich Tiere im westlichen Teil der Gstädtstraße in Großweil in Quarantäne befinden, darf im östlichen Bereich Geflügel wie gewohnt gehalten werden. „Am Bodensee ist bereits Mitte März die Stallpflicht bereits aufgehoben worden“, erklärt Strobel. „Obwohl da deutlich mehr Fälle aufgetreten sind als anderswo.“ Sie hofft nun, dass sich „noch weitere Geflügelhalter dazu bereit erklären, sich gegen die Auflagen zu wehren.“

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(Von Josef Hornsteiner)

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