Eine Gämse mit ihrem Jungen.
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Nachwuchs: Eine Gämse mit ihrem Jungen.

Münchner Wildtier-Schutzverein macht mobil

„Leiser Tod am Heimgarten“: Die Gams verschwindet - Jetzt gibt‘s eine Petition

Die Entwicklung ist beunruhigend. Die Gams am Heimgarten verschwindet. Jetzt fordern Natur- und Tierschützer, dass die Ausrottung der Wildart aufhört.

Großweil/Kochel am See – Der beliebte Hausberg der Münchner ist Schauplatz eines leisen Sterbens – unbemerkt von den meisten Besuchern und Wanderern. Zu diesem Eindruck kommt der Verein Wildes Bayern. Örtliche Natur- und Tierschützer fordern demnach, dass die lokale Ausrottung einer geschützten Wildart zwischen Heimgarten und Herzogstand eingestellt wird. Das ist einer Pressemitteilung zu entnehmen, für die Christine Miller als Vorsitzende des Wildtier-Schutzvereins verantwortlich zeichnet.

Für Ignaz Ott ist der Heimgarten so etwas wie sein persönlicher Garten. Er kennt jeden Steg und Steig, zu Sommer wie im Winter. Sein ganzes Leben hat der Großweiler hier verbracht und aufmerksam die Natur beobachtet. „Die Gams verschwindet am Heimgarten“, sagt er seit Jahren und versucht Gehör zu finden. Kann das wirklich sein? Eine Charakterart der bayerischen Berge stirbt aus – mitten unter uns?

Aufhebung der Schonzeiten und stärkere Bejagung

So abwegig ist der Eindruck offenbar nicht, den Ignaz Ott gewonnen hat. Die Wildtierbiologin und Naturschützerin Dr. Christine Miller vom Verein Wildes Bayern hat sich die Situation vor Ort angeschaut. „Gamswild ist eine ,zerbrechliche‘ Tierart. Leicht können Rudel an einem Bergstock so stark bejagt und durch Beunruhigung geschwächt werden. Dass sie verschwinden, das ist seit Langem bekannt, und deshalb ist die Gams auch nach EU-Recht geschützt,“ erläutert Miller. „Wir sehen den Raubbau an dieser Wildart in Bayern seit Jahren mit großer Besorgnis. Inzwischen sei die Gams sogar auf die „Vorwarnliste der Roten Liste Deutschlands“ gerutscht. Ein Alarmzeichen für Miller und am Heimgarten besonders drastisch zu sehen. Statt den kleinen Rudel mit Geißen und Kitzen sieht Ott seit Jahren weniger und weniger einzelne Gämsen.

Die Experten des Rote-Liste-Zentrums am Bundesamt für Naturschutz nennen die Gründe für den dramatischen Rückgang der Art deutlich: „Durch die gebietsweise Aufhebung der Schonzeiten und stärkere Bejagung, die mit waldbaulichen Zielen begründet wird, aber oft ohne Rücksicht auf Alters- und Geschlechterstruktur stattfindet, nehmen die Bestände in Bayern vielerorts ab.“ Vor allem am Heimgarten sind die Gämsen „in eine Knochenmühle geraten“.

Anrufe über Drückjagden

Im Süden ab der Ohlstädter Alm wurde laut Miller eine „Todeszone“ erst im vergangenen Jahr erweitert. Der Forstbetrieb Bad Tölz schießt hier das ganze Jahr über auf Gämsen. Im Westen grenzen sogenannte „Eigenbewirtschaftungen“ unter forstlicher Leitung an, die laut Miller ebenso in die Bestände eingreifen. „Wir erhalten immer wieder Anrufe von Bürgern, die entsetzt sind, wenn sie von den großen Drückjagden mit Hundemeuten erzählen, die dort stattfinden“, sagt die Wildtierbiologin. „Wir gehen gerichtlich gegen diese Naturvernichtung vor.“ Andere Vereine, wie der Deutsche Tierschutzbund in Bayern und die örtlichen Jagdvereine hätten Beschwerde bei der EU eingereicht, erläutert Miller den Kampf für die Gams.

Beherzte Gamsfreunde haben inzwischen einen „Trauerweg zum Heimgarten in Gedenken an unsere Gämsen“ ausgerufen. Mit einem Infostand in Kochel machten die „AkTIERvisten Oberland“ kürzlich auf die dramatische Situation aufmerksam. „Wir brauchen Schutz- und Ruhezonen für das Gamswild,“ bekräftigt Sylia Arlette Greif von den AktTIERvisten.

Petition läuft bis Ende November

Miller und die anderen Gams-Schützer appellieren deshalb an die vielen Besucher und Bergfreunde der Region: „Unsere Berge dürfen nicht nur tote Kulisse die Forstwirtschaft werden. Wir müssen wieder Respekt davor haben, dass unsere Berge und Wälder auch Lebensraum von empfindlichen Tieren sind. Bitte, liebe Wanderer, Bergsportler und Ausflügler schaut genau hin und helft uns, die Gams in Eurem beliebten Freizeitgebiet und Münchner Hausberg zu erhalten“, appelliert Miller.

Der Verein Wildes Bayern mobilisiert nun die Bevölkerung: In einer Petition, die bis Ende November laufen wird, sammeln die Wildtier-Schützer Unterschriften. „Die Gams muss in Bayern Chefsache werden und darf nicht in den Mühlen einer um eigene Projekte kreisenden Forstverwaltung zerrieben werden“, heißt es in dem Aufruf.  tk

Weitere Informationen

Näheres zur Kampagne auf www.wildes-bayern.de/kampagne/rettet-die-gams

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