Die zentrale Kreuzung in Großweil: Die Lärmschutzmauer ist in der Bildmitte zu sehen.
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Die zentrale Kreuzung in Großweil: Die Lärmschutzmauer ist in der Bildmitte zu sehen.

Neue Wohnanlage im Ortskern

„Alcatraz“ in Großweil: Geht Streit um Lärmschutzmauer vor Gericht?

  • Roland Lory
    vonRoland Lory
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Der Streit um die Lärmschutzmauer im Großweiler Ortszentrum ist noch nicht entschieden. Das Landratsamt hat den Bauherrn aufgefordert, tätig zu werden. Doch die SNI Immoreal GmbH sieht sich im Recht. Projektleiter Albert Schöberl vermutet, dass die Sache vor Gericht landen wird.

  • Der Streit um eine massive Lärmschutzmauer in Großweil köchelt weiter vor sich hin.
  • Das Landratsamt sagt, die Mauer sei nicht genehmigt und will Taten sehen.
  • Der Bauherr ist anderer Auffassung und glaubt, dass die Sache vor Gericht landet.

Großweil – Der Großweiler Ortskern hat in den vergangenen Jahren ein neues Gesicht erhalten. An der Ecke Kleinweiler Straße/Kocheler Straße baute die Firma SNI Immoreal GmbH zwei Doppelhäuser und zwei Mehrfamilien. „Es ist alles verkauft“, sagt Projektleiter Albert Schöberl.

Streit köchelt vor sich hin

Doch es ist nicht alles eitel Sonnenschein bei den „Sonnenhöfen“. Denn es schwelt nach wie vor der Streit um die dortige Lärmschutzmauer. Vom Großweiler „Alcatraz“ ist die Rede, angelehnt an die berühmte US-amerikanische Gefängnisinsel (wir berichteten).

Firma versus Landratsamt

Es gibt unterschiedliche Auffassungen zu der Konstruktion. Kurz gesagt, sehen diese wie folgt aus: Das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen sagt, dass die Mauer nicht genehmigt sei. Die Behörde stellte den Bau ein. Schöberl verweist hingegen auf ein Lärmgutachten, das das Landratsamt verlangt hatte. „In der Baugenehmigung wird darauf Bezug genommen.“ In dem Gutachten sei eine Lärmschutzwand mit drei Metern Höhe gefordert worden.

Schreiben der Kreisbehörde

Die Meinungen prallen also aufeinander. Anfang Oktober teilte das Landratsamt laut Sprecher Stephan Scharf dem Rechtsanwalt der Firma SNI Folgendes mitgeteilt: „Gemäß dem durch den Bauherrn in Auftrag gegebenen schalltechnischen Gutachten eines privaten Sachverständigen ist der Lärmschutzwall für die Herstellung gesunder Wohn- und Arbeitsverhältnisse nicht erforderlich.“

Forderung: Rechtmäßige Zustände herstellen

Ferner lehnte die Gemeinde Großweil die Mauer ab. „Für das Landratsamt sind keine Gründe ersichtlich und auch nicht vorgetragen worden, weshalb das gemeindliche Einvernehmen rechtswidrig verweigert worden sein könnte“, macht der Behördensprecher deutlich. Vor diesem Hintergrund empfahl das Landratsamt, den Tektur-Bauantrag zurückzunehmen. Dies ist laut Schöberl geschehen. Des Weiteren forderte das Landratsamt den Bauherrn auf, „rechtmäßige Zustände herzustellen, wie zum Beispiel durch eine ersatz- und entschädigungslose Beseitigung des Lärmschutzwalls“. Oder – in Abstimmung mit der Gemeinde – durch eine Umplanung, die den öffentlich-rechtlichen Vorschriften nicht widerspricht.

Antwort der Kanzlei

Die von der SNI beauftragte Rechtsanwaltskanzlei hat dem Landratsamt inzwischen geantwortet. Sie beharrt darauf, dass das Lärmgutachtens „Hinweise zur Errichtung einer Lärmschutzmauer“ enthalte. Im Baugenehmigungsbescheid, der dem Tagblatt vorliegt, heißt es: „Die schalltechnische Untersuchung des Ingenieurbüros IBN Bauphysik GmbH & Co. KG ... ist Bestandteil der Baugenehmigung.“

Ansage aus dem Landratsamt

Wie auch immer: „Das Landratsamt wird den Vorgang erneut aufgreifen, sollten nicht bis Anfang Dezember 2020 rechtmäßige Zustände hergestellt oder die dazu erforderlichen Schritte wenigstens eingeleitet worden sein“, sagt Behördensprecher Scharf.

Rathauschef sieht Gefahren

Bei der Gemeinde Großweil harrt man der Dinge, die da kommen. „Der Ball wird zwischen dem Landratsamt und Herrn Schöberl hin und her gespielt“, sagt Bürgermeister Frank Bauer (Freie Wählergemeinschaft). Der Kommune gehe es nach vor um die Verkehrssicherheit. Diese ist aus Sicht des Rathauschefs nicht gewährleistet. „Wenn man aus Richtung Kleinweil kommt, sieht man die Fahrzeuge nicht, die aus Richtung Kochel kommen.“ Landwirte mit Frontmähwerk müssten sich in die Kreuzung hineintasten. „Das ist furchtbar gefährlich.“ Es gibt zwar an der Schule einen Spiegel. Doch laut Bauer erkennt man damit nicht auf einen Blick, was Sache ist.

Baustopp gilt

Schöberl sagt, das Sichtdreieck sei freigehalten. Er habe angeboten, in der Kurve von der Mauer eine Reihe wegzunehmen, was sie etwa einen halben Meter niedriger machen würde. Doch dies ist bisher nicht geschehen. Grund: der Baustopp. Was passiert nun weiter? „Es geht mit großer Wahrscheinlichkeit vor Gericht“, mutmaßt Schöberl.

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