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Präsentieren die Schau: (v. l.) Dr. Monika Kania-Schütz, Jan Borgmann und Dr. Melanie Bauer. 

Zum Saisonauftakt im Freilichtmuseum

Glentleiten-Sonderausstellung: Die NS-Zeit auf dem Land

Wie war es eigentlich während der NS-Zeit auf dem Land? Die neue Schau „Volk-Heimat-Dorf“ im Freilichtmuseum Glentleiten gibt einen Einblick. Noch weitere Neuerungen gibt es zum Saisonauftakt.

Großweil – Auch Kleidungsstücke können entnazifiziert werden. Dies erfährt, wer demnächst das Freilichtmuseum Glentleiten besucht. In der neuen Sonderausstellung „Volk-Heimat-Dorf“ ist nämlich eine Feldmütze der Wehrmacht zu sehen. In der unmittelbaren Nachkriegszeit nutzte die Bevölkerung Stoffe oder Uniformen und ihre Teile, um dem Mangel an Bekleidung zu begegnen. Man entfernte Hoheitszeichen und Symbole der Nazizeit, um sich Scherereien zu ersparen.

Auch ein mehrfach geflickter Fausthandschuh aus KZ-Uniformstoff wird in der Zollinger Halle gezeigt. Das grau und violett gestreifte Material verwendete man nach dem Zweiten Weltkrieg für Alltagskleidung weiter. Der Handschuh – definitiv ein Exponat, das Geschichten erzählen kann.

Schlaglichtartig einen Blick auf die Nazizeit im ländlichen Bayern werfen

Dies ist auch der Ansatz, den die Glentleiten in der Schau verfolgt. Anhand von Gegenständen will die Einrichtung des Bezirks Oberbayern schlaglichtartig einen Blick auf die Nazizeit im ländlichen Bayern werfen. „Es sind aber auch Zeitzeugen befragt worden“, erklärte Jan Borgmann, Leiter der volkskundlichen Sammlung, beim gestrigen Pressegespräch anlässlich des Saisonauftakts. Er war an der Erarbeitung der Ausstellung beteiligt. Dabei handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt mehrerer süddeutscher Freilichtmuseen. 

Die Schau gliedert sich in mehrere Themenblöcke. Dabei spielt die Landwirtschaft eine wesentliche Rolle. Der Besucher erfährt Details zum 1938 in Kraft getretenen Reichserbhofgesetz. Es regelte die ungeteilte Übergabe landwirtschaftlicher Betriebe an einen Hoferben. Die Fettversorgung wollten die Nazis unter anderem über den Anbau von Ölpflanzen sicherstellen, deren Kultur im Vergleich zur Erzeugung von Milchfett als effektiver galt. Auch der Flachsanbau wurde intensiviert, um Fasern zu gewinnen. „Die Nazis haben versucht, eine möglichst autarke Versorgung hinzubekommen“, erläuterte Borgmann. Weitere Themenfelder, die präsentiert werden, drehen sich um das Bau- und Siedlungswesen, Verfolgung und Gewalt, Gesellschaft und Verbände sowie den Alltag in der NS-Zeit, wobei auch die Jahre vor 1933 und nach 1945 beleuchtet werden. 

Die Drangsalierung der Juden wird nicht ausgespart

Die Drangsalierung der Juden wird nicht ausgespart. In Weilheim lebte zum Beispiel einst der Viehhändler Ludwig Kahn. Unmittelbar nach dem 9. November 1938 („Reichskristallnacht“) wurde er für einige Wochen im KZ Dachau eingesperrt. So konnten die Nazis sein Vieh in Ruhe beschlagnahmen und mit Hilfe der Kreisbauernschaft an Landwirte aus der Umgebung verkaufen. Soweit zur braunen Ära.

Der Bau des neuen Eingangsgebäudes kommt derweil gut voran. „Wir sind im Zeitplan“, sagte Direktorin Dr. Monika Kania-Schütz.

Neu im Angebot ist neben der erwähnten Sonderausstellung der „Glentleitner Familienfrühling“ am Sonntag, 26. März. An diesem Tag werden kleine Taschen gestaltet sowie Blumen und Bälle gefilzt. Großeltern können zudem mit ihren Enkeln Vogelscheuchen basteln.

Vortrag:

Am Samstag, 25. März (14 Uhr), hält Dr. Christoph Hölz (Archiv für Baukunst der Universität Innsbruck) einen Vortrag über Architektur im ländlichen Bayern (1933 bis 1945).

Roland Lory

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