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Setzt auf einen konsequenten Schuldenabbau: Großweils Bürgermeister Manfred Sporer – hier vor dem Rathaus. 

Gemeinderat berät Haushalt 2019

Großweil setzt auf Schuldenabbau

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Nach einem millionenschweren Grundstücksdeal ist die Gemeinde Großweil bis über die Ohren verschuldet. Seitdem steht der Abbau der Miesen im Vordergrund – und bestimmt auch den Haushaltsplan 2019. Investiert wird nur auf Sparflamme.

Großweil – Da gibt es nichts zu beschönigen: Großweils Finanzlage gilt als angespannt. „Unsere Spielräume sind relativ eng“, räumt Bürgermeister Manfred Sporer (CSU-Dorfgemeinschaft) ein. Der Grund: Die Loisach-Gemeinde schiebt einen gewaltigen Schuldenberg vor sich her. Ende 2018 betrug dieser rund 4,6 Millionen Euro – eine immense Belastung für das gerade mal 1470 Einwohner starke Dorf.

Doch bei näherer Betrachtung relativiert sich das Bild. Denn den Verbindlichkeiten steht ein stattlicher Immobilienwert gegenüber, der zu Geld gemacht werden kann – und auch wird. Zur Erinnerung: Ende 2017/Anfang 2018 nutzte Großweil die Gunst der Stunde und kaufte einer Erbengemeinschaft eine 50 Hektar große Landwirtschaft samt Hofstelle ab, deren Flächen in den Ortsteilen Zell und Kleinweil liegen. Um die 3,5 Millionen Euro wurden dafür zu sehr günstigen Konditionen aufgenommen.

Sporer ist von dem Geschäft auf Pump nach wie vor überzeugt, denn: „Wir wollten sicherstellen, dass die Flächen weiterhin durch örtliche Landwirte bewirtschaftet werden.“ Außerdem könne die Gemeinde selbst einen Teil des Geländes behalten und im Interesse des Naturschutzes einsetzen. Um die Kredite zu tilgen, werden nun Schritt für Schritt einzelne Parzellen an heimische Bauern verkauft. „Das braucht seine Zeit“, sagt Sporer. Der Polizeibeamte, der die Rathaus-Geschäfte ehrenamtlich leitet, hofft, dass sich bis 2022 die Ausgabe amortisiert und der Schuldenstand wieder auf Normalmaß reduziert hat. Und was heißt das konkret? Um die 1,5 Millionen Euro seien für Großweil ein „händelbarer Bereich“, findet Sporer.

Nach 2018 steht auch der Haushaltsplan 2019, den der Gemeinderat jetzt ausführlich behandelte, ganz im Zeichen der Entschuldung. Für die Rückzahlung von Krediten sind in dem von Kämmerer Christoph Gratz (Verwaltungsgemeinschaft Ohlstadt) vorgelegten Zahlenwerk 837 000 Euro vorgesehen. Ende des Jahres, so die Kalkulation, soll die Kommune mit „nur“ noch 3,8 Millionen Euro in der Kreide stehen. Endgültig grünes Licht für den Jahresetat, der alle Einnahmen und Ausgaben der Gemeinde regelt, geben die Volksvertreter voraussichtlich im April.

Trotz des Sparkurses bleibt etwas Luft für Investitionen. So soll beispielsweise heuer die Sanierung des Grundschulgebäudes angepackt werden. Zwei Jahre lang dürfte das Projekt dauern. Auf dem Programm stehen unter anderem eine neue Heizanlage, Wärmedämmung und ein barrierefreier Ausbau. Sporer rechnet mit Gesamtkosten in Höhe von 500 000 Euro. Die ersten 100 000 Euro stehen bereits im Haushalt 2019. Die Gemeinde muss allerdings das Ganze nicht aus eigener Kraft stemmen. Es wird damit gerechnet, dass der Freistaat im Zuge eines Förderprogramms etwa die Hälfte der Ausgaben übernimmt.

Außerdem sind heuer insgesamt 465 000 Euro für Straßenerschließungen vorgesehen. Entsprechende Arbeiten stehen etwa im Gewerbegebiet In der Au und im Neubaugebiet für das Einheimischenmodell an. Ein dicker Brocken ist mit 285 000 Euro auch die Sanierung der Wasserversorgung.

Ein weiteres Vorhaben, das das Kommunalparlament auf Antrag der Freien Wählergemeinschaft einstimmig beschlossen hat, fällt zwar finanziell (noch) nicht sehr ins Gewicht. Dafür könnte es sehr spannend werden. Großweil will sich nämlich beim Amt für Ländliche Entwicklung um eine Aufnahme in das Dorferneuerungsprogramm bewerben.

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