Stattlicher Wall: Derzeit wuchern Pflanzen auf dem Lärmschutz an der Kocheler/Kleinweiler Straße.
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Stattlicher Wall: Derzeit wuchern Pflanzen auf dem Lärmschutz an der Kocheler/Kleinweiler Straße.

Kein grünes Licht für umstrittene Lärmschutzwand

Großweiler „Alcatraz“: Gemeinderat stellt sich bei Genehmigung quer

Der mächtige Lärmschutzwall mitten in Großweil („Alcatraz“) schlägt weiter hohe Wellen. Der Gemeinderat hat den verantwortlichen Investor mit einem Änderungsantrag abblitzen lassen. Dieser ärgert sich, will nicht aufgeben.

Großweil – Der Gemeinderat Großweil hat es mit neun zu zwei Stimmen abgelehnt, den umstrittenen und ohne behördliche Zustimmung errichteten Lärmschutz an der Wohnanlage Ecke Kocheler/Kleinweiler Straße nachträglich in reduzierter Form abzusegnen. Ein Änderungsantrag zur Baugenehmigung von Investor Albert Schöberl aus Unterhaching sah vor, den Wall auf eine Höhe von maximal zwei Meter zurückzubauen. Das mit Erde befüllte, stählerne, 2,30 Meter Hohe sowie 130 Meter lange Konstrukt, auf dem gegenwärtig Pflanzen sprießen, soll die Bewohner der Wohnanlage an der Ecke Kocheler- und Kleinweilerstraße vor Fahrzeuglärm und Feinstaub bewahren. Seit der Montage im vergangenen Jahr, auf die das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen im Oktober 2019 mit einer Baueinstellung reagiert hatte, sehen manche Bürger durch den Wall das Ortsbild gestört (wir berichteten) – vom Großweiler „Alcatraz“ ist die Rede.

„Alcatraz“ von Großweil: Investor will den Wall verkleinern - doch der Gemeinderat lehnt in einer turbulenten Sitzung ab

Mit seinem Änderungsantrag hat nun Schöberl, Inhaber des Unternehmens „SNI Großweil GmbH“, versucht, die Hecke nachträglich zu legitimieren, für die er keinen eigenen Bauantrag gestellt hatte. So sieht das Papier die Rücknahme der Konstruktion auf eine Höhe von maximal zwei Metern vor, im niedrigsten Bereich an der Nordwestecke von 1,43 Metern. Doch der Gemeinderat schmetterte das Vorhaben in einer turbulenten Sitzung am Donnerstag ab, die wegen der Corona-Pandemie erstmals im Saal des Gasthauses Zur Loisach stattfand – zusammen mit einem weiteren Ansinnen: Schöberl hatte wegen der Eindeckung mit Uginox-Blech statt mit Dachpfannen eine Befreiung von der Ortsgestaltungssatzung angestrebt.

Brigitte Schägger (CSU) weigerte sich wegen der ihrer Meinung nach durch die Lärmschutzhecke gefährlichen Verkehrssituation im Kreuzungsbereich gar, an der Abstimmung teilzunehmen und enthielt sich. Bürgermeister Manfred Sporer (CSU) wies sie darauf hin, dass dies in der Gemeindeordnung nicht vorgesehen sei. „Der Sicherheitsaspekt ist Sache der zuständigen Fachbehörde, nämlich des Staatlichen Bauamtes Weilheim, das jedoch in dieser Angelegenheit noch keine Stellungnahme abgegeben hat. Wir haben lediglich darüber zu entscheiden, ob die Hecke ins Ortsbild passt“, sagte Sporer. Schägger blieb bei ihrer Enthaltung.

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Gemeinderat fühlt sich hintergangen: ein „Schwarzbau“, der „furchtbar aussieht“

Auch weitere Ratsmitglieder hatten erhebliche Zweifel an der Gestaltung der Lärmschutzeinrichtung: So regte sich etwa Karl Steingruber (Freie Wählergemeinschaft) über den Hinweis des Bauherren auf, dass die bepflanzte Hecke zur Erweiterung der Sickerflächen für Regenwasser genutzt werden solle: „Das ist doch an den Haaren herbeigezogen.“ Große Sicherheitsbedenken meldete der künftige Bürgermeister Frank Bauer (FWG) an: „Landwirte kommen mit ihren Fahrzeugen nicht über die Kreuzung. Lasst noch mal 20 Zentimeter auf die Hecke drauf wachsen, dann ist die Straße nicht mehr einzusehen, auch für Motorradfahrer nicht.“ Dr. Johann Kirner (FWG) beanstandete „das Sammelsurium von Unkraut“ auf der Anlage: „Und dass sich seltene Vögel einnisten, wie im Antrag behauptet, glaube ich nicht.“ Als „Schwarzbau“ bezeichnete Helmut Brunner (FWG) das Konstrukt: „Das sieht doch furchtbar aus.“ Er fühle sich vom Bauherrn hintergangen. Am Ende stimmten nur Sporer und Horst Piller (CSU) für den Antrag Schöberls, wobei Letzterer an den Sicherheitsgewinn durch eine niedrigere Hecke verwies.

Nach der öffentlichen Sitzung machte Schöberl seinem Ärger gegenüber dem Tagblatt Luft: „Ich habe den Gemeinderat nicht hintergangen, sondern von ihm die Zustimmung für dieses Bauvorhaben erhalten, und ich habe auch vom Landratsamt eine Baugenehmigung bekommen, nachdem ich durch ein Ingolstädter Ingenieurbüro ein Emissionsgutachten anfertigen lassen musste“, ereiferte er sich. „In diesem wurde die Errichtung einer Lärmschutzwand mit drei Metern Höhe gefordert.“ Auch sei er beim Staatlichen Bauamt in Weilheim gewesen und habe die Pläne prüfen lassen, sagte Schöberl: „Und dort wurden sie als in Ordnung befunden.“ Er werde sicherlich einen weiteren Plan einreichen, kündigte der Investor an. „Ich gebe alles dafür, dass das in Ruhe geregelt werden kann.“

Der Lärmschutzwall sei baugenehmigungspflichtig, aber eben nicht genehmigt, erklärt Landratsamts-Sprecher Stephan Scharf. Im Februar 2020 habe die „SMI Großweil GmbH“ eine nachträgliches Okay beantragt. „Der Lärmschutzwall in der dargestellten Höhe verletzt nicht mehr das Abstandsflächenrecht.“ Im weiteren Baugenehmigungsverfahren würden Träger öffentlicher Belange beteiligt.

Heino Herpen

Lesen Sie dazu auch: Kritik an Lärmschutzwall: „Alcatraz“ mitten in Großweil

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