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Endlich wieder geöffnet: Zwei Besucherinnen erkunden das weitläufige Gelände des Freilichtmuseums.

Strenge Hygienevorschriften im Freilichtmuseum

Glentleiten öffnet nach Corona-Lockdown: Zeitreise mit Mundschutz

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Später Saisonstart: Das beliebte Freilichtmuseum Glentleiten hat seine Tore wieder geöffnet. Allerdings gelten in Corona-Zeiten strenge Hygieneregeln. Und es sind nicht alle historischen Gebäude geöffnet.

Großweil – Die Ersten, die kommen, tragen Masken Marke Eigenbau. Sie wanderten bisher durch den Forstenrieder Park. Aber das kann man ja auch nicht jeden Tag machen. Wer zügig fährt, schafft es in etwa einer halben Stunde vom Münchner Süden zur Glentleiten, dem Freilichtmuseum des Bezirks Oberbayern bei Großweil. Für Bärbel Kolland und Irmgard Hertel, die ersten beiden Gäste, gibt es kein Geschenk und keine Prämie, aber den wärmsten Willkommensgruß in der Geschichte der Einrichtung. „Ich könnte jedem persönlich um den Hals fallen“, sagt Monika Kania-Schütz, die Leiterin. Sie darf aber nicht. Kurz haben sie und die Kollegen überlegt, ob sie denn nicht einen Spalier bilden sollen für die Ersten. Aber wie das zu Corona-Zeiten so ist, wäre das mit dem Abstand schwierig zu handhaben gewesen.

Fasziniert sei sie, dass überhaupt Besucher kommen, so Kania-Schütz. Von anderen Museen aus ganz Deutschland hat sie gehört, wie schleppend der Start verlaufen ist, wie klein das Interesse stellenweise war. Um die 20 Menschen warten bereits vor 10 Uhr, vor dem offiziellen Einlass. Wer die ersten Zehn sind: die Rentnerinnen aus München, zwei Biker, Oma und Opa mit ihren Enkeln, eine Familie und ein Mann in Lederhose. Er wird später im Biergarten sitzen, das erste Bier der Saison trinken und sich als einer der Stammgäste herausstellen, der normalerweise am Josefitag am 19. März nach Großteil fährt, weil er Josef heißt und mit vielen anderen die Eröffnung zelebriert. Das Bier schmeckt auch so, meint er. „Eigentlich feiern wir den ersten Tag groß“, sagt die Chefin. Mit Josephibock und den Bezirksräten. „Das ist für alle schade“, findet Kania-Schütz. Die Einladungen hatte sie schon verschickt.

Der Wiederholungsstart, zwei Monate später, erinnert an eine Generalprobe. Wer auf die Glentleiten kommt, soll probieren dürfen, soll das Konzept testen. Bewusst habe man an einem Dienstag aufgesperrt, an dem weit weniger anreisen verglichen mit einem Wochenend- oder Ferientag, berichtet Kania-Schütz.

Die ersten Meter sind die ungewöhnlichsten. Sie führen in den Starkerer-Stadl, in dem früher einmal die Wirtschaft untergebracht war. Dort zahlen die Gäste am liebsten ohne Bargeld, sie müssen Masken tragen. Auf dem restlichen Gelände dürfen sie die „Maultäschle“, wie Kania-Schütz scherzt, abnehmen. In den Häusern werden sie empfohlen. Die Angestellten tragen Masken, sobald sie mit den Besuchern reden. Der Bezirk hat eine eigene Kollektion genäht. Jeder Mitarbeiter bekam eine. Melanie Bauer, die Presse-Beauftragte, hat erfahren, wie die Schwaben dazu sagen: „Bappen-Klappen.“ Sie und ihre Chefin lachen. Es wird sehr viel gelacht am ersten Tag. Auch über die schwarzen Schweine, die man im Weiler Nantesbuch bei Penzberg gezüchtet hat. Oder über die Waldkugelbahn, die die Kinder in den Wald zieht.

Im Zuge der Corona-Maßnahmen hat das bekannte Museum, das den ländlichen Alltag der Menschen Oberbayerns anno dazumal vorstellt, nur zwei der 60 Häuser schließen müssen – blöderweise zwei der beliebtesten, in denen Kinder und Gehandicapte viel riechen, tasten und greifen sollten. „Anfassen war ausdrücklich erwünscht“, sagt Bauer. Also früher, vor Corona. Dafür haben sie eine Fotosafari und eine Kinderrallye erstellt. Die Ausstellungen „Utopie Landwirtschaft“ sowie „Eine neue Zeit“ über die 1920er Jahre bleiben noch ein paar Wochen in Großweil.

Die Glentleiten soll die Glentleiten bleiben, auch wenn nun Einbahnstraßenregelung in allen Gebäuden gilt. 950 Menschen dürfen höchstens zur gleichen Zeit auf das 40 Hektar große Gelände. „Das stellen wir sicher“, betont Kania-Schütz. Die ersten Wochen werden anders, das wissen alle. Aber schön. Die Leiterin sagt: „Wir sind alle ganz aufgeregt.“

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