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Gut aufgehoben: Lena (l.) fühlt sich bei ihrem „Schutzengel“ Emma sicher. 

Jeder übernahm eine Patenschaft

Schüler werden zu Schutzengeln: Wo Zweitklässler auf Erstklässler aufpassen

Junge Kinder kümmern sich um noch jüngere: Mit dieser Aktion an der Grundschule Großweil/Schlehdorf soll Erstklässlern die Angst genommen werden. Dafür bekommen sie einen Schutzengel an die Seite. 

Großweil/Schlehdorf –Emma ist ein Schutzengel. Seit Anfang dieses Schuljahres beschützt sie die sechsjährige Lena und sorgt dafür, dass sich die Erstklässlerin in der Schule selbst und auf dem Weg dorthin sicher fühlt. Aber nicht nur die siebenjährige Emma hat diese ehrenvolle Aufgabe. Alle Kinder der zweiten Klasse der Grundschule Großweil/Schlehdorf sind Schutzengel. Jeder Zweitklässler bekam am ersten Schultag einen Schützling aus den Reihen der Erstklässler zugeteilt.

Diese Schutzengel-Aktion gibt es schon seit vielen Jahren. Ziel ist es laut Schulleiter Herbert Thieme, „dass den Erstklässlern die Angst genommen wird und dass sie sich angenommen fühlen“.

Als es um die Verteilung der Erstklässler an die Schutzengel ging, wollte Emma sich gleich um Lena kümmern. „Weil ich sie mag“, erklärt das Mädchen. Emma und Lena kennen sich nämlich schon aus dem Großweiler Kindergarten. Beide sind in Großweil zuhause. „Früher waren sie eng befreundet. Durch die Schutzengel-Aktion kommen sie sich jetzt wieder näher“, freut sich Emmas Mama Eva Jung.

Am ersten Schultag, erinnert sich Emma, haben alle Schutzengel für ihre Schützlinge gesungen. Dann sei jeder zu seinem Schützling gegangen, habe ihm eine Sonnenblume überreicht und ihn ins Klassenzimmer begleitet. Und eine Schutzengel-Karte hat jeder auch bekommen. Das ist eine Art Ausweis mit einem Foto von Emma drauf – damit Lena immer weiß, zu wem sie gehen kann, wenn sie Unterstützung braucht; sei es beim Schuhe zubinden oder weil sie etwas nicht findet im Schulhaus. Emmas Unterstützung brauchte Lena in den vergangenen Wochen noch recht häufig. „Ich habe ihr zum Beispiel die Regeln erklärt und das Schulhaus gezeigt“, sagt Emma. Außerdem holte sie ihren Schützling täglich im Klassenzimmer ab, wenn es in die Pause ging. Besonders wichtig war Schutzengel Emma auf dem Schulweg. Denn die ersten und zweiten Klassen müssen täglich mit dem Bus nach Schlehdorf fahren – eine große Herausforderung für die Anfänger.

Auch Lena hatte zunächst etwas Angst, erinnert sich ihre Mama Michaela Weidehaas. „Die erste Woche durfte ich immer erst von der Haltestelle weggehen, wenn Emma da war.“ Für ängstlichere Kinder sei die Schutzengel-Aktion wichtig, findet sie – aus eigener Erfahrung, denn: „Ohne den Schutzengel hätten wir Schwierigkeiten gehabt. Emma gab ihr Sicherheit.“ Mittlerweile findet sich Lena schon gut alleine zurecht. Auch der Weg von und zur Schule macht ihr keine Angst mehr. Trotzdem ist Emma immer noch im Hintergrund greifbar. Das ganze Schuljahr über. Falls Lena doch plötzlich einmal wieder Hilfe brauchen sollte. Wie ein echter Schutzengel eben.

Franziska Seliger

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