1. Startseite
  2. Lokales
  3. Garmisch-Partenkirchen
  4. Großweil

Abschuss von Alpenschweinen: Staatsanwaltschaft entlastet Chef des Kreisjagdverbands - „Kein Vorsatz“

Erstellt:

Von: Peter Reinbold

Kommentare

Der Tatort: Auf diesem Gelände lebten die drei abgeschossenen Alpenschweine.
Der Tatort: Auf diesem Gelände lebten die drei abgeschossenen Alpenschweine. © Privat

Die Staatsanwaltschaft München II hat das Verfahren gegen Thomas Bär, der drei Alpenschweine abgeschossen hat, eingestellt. Strafrechtlich ist ihm kein Vorwurf zu machen. Auch das Landratsamt will nicht weiter gegen Bär vorgehen. Dagegen wehrt sich Cornelia Wagner, die Tochter des Sauenhalters. Sie will erreichen, dass Bär der Jagdschein entzogen wird.

München/Großweil – Der Fall war ein Aufreger – und diese Beschreibung ist womöglich untertrieben. Der Abschuss von drei Alpenschweinen durch Thomas Bär, Chef des Kreisjagdverbands, Mitte April in einem Gatter in der Nähe von Großweil beherrschte zeitweise die Leserbriefspalten dieser Zeitung. Die Flut von Meinungsbeiträger von Bär-Anklägern und  -Unterstützern wird neue Nahrung erhalten, nachdem die Staatsanwaltschaft München II, wie das Tagblatt recherchierte, am 13. Juli das Verfahren gegen Bär eingestellt hat. „Wir konnten nicht den Nachweis führen, dass Vorsatz vorliegt“, sagt Pressesprecher Matthias Enzler. „Es liegt kein strafrechtliches Verhalten vor.“ Dabei stützt sich die Staatsanwaltschaft auf die Ermittlungsergebnisse, die die Polizeiinspektion Murnau, die mehrere Zeugen hörte, zusammengetragen hat.

Die Entscheidung der Münchner Behörde löste bei Bär, als er durch die Tagblatt-Redaktion von seinem quasi „Persilschein“ erfuhr, Erleichterung aus. „Das stimmt mich sehr froh, sagte er. Allerdings habe er damit gerechnet. „Es hätte mich gewundert, wenn es anders gekommen wäre.“

Landratsamt am Zug

Staatsanwalt Enzler zufolge liegt der Ball nun im Spielfeld des Landratsamts Garmisch-Partenkirchen, dem die Akte in den kommenden Tagen zugestellt wird. „Wenn Ordnungswidrigkeiten vorliegen, kann es ein Bußgeld erheben.“ Das wird nach dem derzeitigen Stand der Dinge nicht passieren, wie Sprecher Wolfgang Rotzsche auf Anfrage mitteilt. „Wir machen nichts.“ Nachdem der Besitzer der Schweine mit einer Verwarnung davon gekommen ist, da er keine Genehmigung hatte, die Sauen auf dem Grundstück zu halten, will das Landratsamt auch bei Bär nicht aktiv werden. „Sonst wäre das eine Ungleichbehandlung“, meint Rotzsche.

Eine konträre Reaktion löste die Entscheidung von Staatsanwaltschaft und ganz besonders des Landratsamts bei Cornelia Wagner aus, deren Vater die abgeschossenen Alpenschweine gehörten. „Uns war klar, dass es so kommt.“ Sie vermutet „Seilschaften“, die zwischen Bär und der Kreisbehörde herrschen. Wagner nennt es „bestürzend, wenn das Landratsamt die Sache einfach unter den Tisch fallen lässt“.

Ihr Kampfgeist, Bär nicht ungestraft davon kommen zu lassen, ist angestachelt. Sie und ihr Vater haben den Augsburger Anwalt Daniel Iven eingeschaltet, der auf Jagdrecht spezialisiert ist. Iven will das Landratsamt in nächster Zeit – erst müsse er die Akte der Staatsanwaltschaft einsehen – per Schreiben auffordern, tätig zu werden. „Dazu ist es von Amts wegen verpflichtet.“ Es gehe nicht mehr um Straf-, sondern um Verwaltungsrecht.

Andere Landratsämter gingen mit Jägern, die aus Versehen andere Tiere töten, weil sie sie für Wildschweine halten, nicht so kulant um. Als Präzedenzfall führt Iven ein Verfahren gegen einen Waidmann an, der vor zwei Jahren im südpfälzischen Rohrbach eine Stute auf einer Koppel erschossen hatte, weil er sie bei Nacht als Wildschwein identifiziert haben wollte. Die Kreisverwaltung Südliche Weinstraße entzog dem Mann deshalb für einige Zeit die jagd- und waffenrechtliche Erlaubnis. „Dieses Vorgehen ist bei falschen Abschüssen absolut üblich“, sagt Iven. Auch in diesem Fall hatte die Staatsanwaltschaft Landau die Ermittlungen mit der gleichen Begründung eingestellt, wie die Münchner Kollegen bei Bär.

Keiner Schuld bewusst

Die Lust an der Jagd und die Leidenschaft Jäger zu sein – beides ist bei Bär ungebrochen. Auch, weil er sich keiner Schuld und keines Fehlverhaltens bewusst ist. Das machte er in einem Gespräch mit der Zeitschrift „Die Pirsch“ deutlich. Dabei räumt er ein, er habe angenommen, dreimal auf dieselbe (Wild-)-Sau geschossen zu haben. Nach dem Vorfall hat er sich mittlerweile wieder auf Wildschweinjagd begeben. Nach eigenem Bekunden will er „in diesem Gebiet“ bei Großweil, seinem Revier, „vier Wildschweine“ zur Strecke gebracht haben. Der Besitz des Jagdscheins, für ihn womöglich sogar ein Stück Lebensqualität. „Hätte ich den nicht, wäre es für mich wie Weißwurst ohne Weißbier.“

Das Bedürfnis, Schweine zu halten, besteht beim Vater von Cornelia Wagner weiter. Er habe das Gelände mittlerweile von der Gemeinde Großweil gepachtet und überlege, sich Tiere anzuschaffen, sagt die Tochter. Auch, da ihm das Veterinäramt bei einem Ortstermin grünes Licht gegeben habe.

Auch interessant: Harsche Kritik an Revierleiter

Auch interessant

Kommentare