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Große Projekte, hohe Schulden: die Gemeinde Großweil.

Ortsporträt

Kommunalwahl 2020 in Großweil: Ökostrom aus der Loisach

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Das müssen Sie zur Kommunalwahl 2020 in Großweil wissen. Vor der Wahl wird jede Gemeinde des Kreises Garmisch-Partenkirchen auf den Prüfstand gestellt.

Großweil – Kaum zu glauben, aber im beschaulichen Großweil wird energiepolitisch Geschichte geschrieben. Denn dort entstand nach über zweijähriger Bauzeit in der Loisach ein Schachtkraftwerk – ein von der TU München entwickeltes Zukunftsprojekt, das in dieser Form einmalig ist und weit über die Landkreisgrenzen hinaus Beachtung findet. „Das ist ein kleiner Beitrag zur Energiewende“, sagt Bürgermeister Manfred Sporer (CSU-Dorfgemeinschaft), der sich zur anstehenden Kommunalwahl am 15. März um eine vierte Amtszeit bewirbt.

Wir bieten Ihnen alle Informationen zur Kommunalwahl 2020 in Bayern sowie zu den Bürgermeisterwahlen 2020 im Kreis Garmisch-Partenkirchen.

Die schwierige Bau der Anlage an der Rauen Rampe, die sich weitgehend unter Wasser befindet und mithilfe von zwei Turbinen sauberen Strom erzeugt, dominierte in dieser Legislaturperiode die Schlagzeilen aus dem Dorf, zu dem die drei Ortsteile Großweil, Kleinweil und Zell sowie einige Weiler gehören. Nach Rückschlägen und Pannen, die zu Verzögerungen führten, ist jetzt das Öko-Kraftwerk so gut wie fertig. Eine Turbine läuft bereits, die andere wurde eingesetzt und soll in den nächsten Wochen ebenfalls in Betrieb genommen werden. Kalkulationen gehen davon aus, dass sich damit jährlich 2,4 Millionen Kilowattstunden Strom gewinnen lassen – und damit Einnahmen.

Manfred Sporer (links) möchte Bürgermeister bleiben. Frank Bauer ist Sporers Herausforderer.

Die Energieausbeute würde rein rechnerisch für alle Großweiler Haushalte reichen – und es bliebe sogar noch ein ordentlicher Überschuss übrig. 5,4 Millionen Euro kostet das Ganze, 1,9 Millionen Euro davon steuert der Freistaat in Form einer Förderung bei. Betreiberin ist eine eigens gegründete GmbH, deren Gesellschafter die Gemeinde Großweil, das Kraftwerk Farchant und die Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen sind. Sporer, der neben Günther Rösch (Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen) als Geschäftsführer fungiert, ist zufrieden – und von der neuen Technologie überzeugt. „Ich glaube, dass es Folgeanlagen geben wird“, prognostiziert der 58-jährige ehrenamtliche Rathauschef, der hauptberuflich Polizeibeamter ist. Erste Anfragen für Besichtigungen habe er schon erhalten.

Kommunalwahl 2020 in Bayern: Welche Aufgaben hat der Bürgermeister?

Großweil hat offenbar ein Faible für Mammutvorhaben. Die Errichtung des neuen, im Sommer 2019 eingeweihten Seniorenheims in Schlehdorf – das Vorgängergebäude wurde abgerissen – war ebenfalls ein dicker Brocken. 8,7 Millionen Euro kostete das Haus, das die Innere Mission betreibt und 52 Plätze bietet. Den Kraftakt stemmte ein Zweckverband der Nachbarn Großweil und Schlehdorf. „Die Haushalte der beiden Gemeinden werden dadurch nicht belastet“, erklärt Sporer den Vorteil dieser interkommunalen Allianz.

Großweils Finanzlage bereitet dennoch Kopfzerbrechen – zumindest auf den ersten Blick. Der Schuldenberg beträgt 3,8 Millionen Euro (Ende 2019) – ganz schön viel für einen Ort mit gerade mal rund 1500 Einwohnern. Der Hauptgrund für das dicke Minus ist ein finanziertes Immobiliengeschäft: Die Gemeinde erwarb für 3,5 Millionen Euro in Zell eine Hofstelle mit etwa 50 Hektar Landwirtschaft und Forst. Sporer, der beim Kampf um den Rathaus-Thron von seinem Stellvertreter Frank Bauer (Freie Wählergemeinschaft) herausgefordert wird, bleibt gelassen: Mit dem Verkauf von Flächen aus diesem Paket und aus dem neuen Gewerbegebiet könne man sondertilgen und die Verbindlichkeiten spürbar abbauen.

Handlungsspielräume wird die Kommune in Zukunft brauchen – auch wenn vorerst keine weiteren Großprojekte anstehen. „Es ist überschaubar“, fasst Sporer zusammen. Dennoch muss Großweil in die Infrastruktur investieren. Spannend ist die Kindergarten-Frage. Die gemeindliche Einrichtung platzt aus allen Nähten, eine Gruppe wurde notgedrungen im Mehrzweckraum der Krippe untergebracht. „Das kann keine Dauerlösung sein“, räumt Sporer ein. Zumal der Bedarf an Betreuungsplätzen voraussichtlich nicht kleiner wird, denn: „Die Anzahl der Großweiler Kinder ist enorm gestiegen.“ Der Verwaltungschef plädiert für einen Anbau – bleibt aber diplomatisch: „Das muss der Gemeinderat entscheiden.“ Denkbar wären außerdem ein Waldkindergarten oder die Auslagerung einer Gruppe ins benachbarte Freizeitheim.

Damit nicht genug: Sowohl im Freizeitheim als auch im Schulgebäude sind umfangreiche Sanierungen fällig. Die Trinkwasserversorgung des Ortes muss auf Vordermann gebracht werden. Im Gewerbegebiet ist eine Erweiterung geplant. Und schließlich hat Großweil mit einem Verkehrsproblem zu kämpfen: Die Blechlawine, die sich vor allem bei Ausflugswetter über die Durchfahrtsstraße (Hauptstraße und Kocheler Straße) schiebt, ist eine enorme Belastung. Eine Umgehungsstraße hatten die Großweiler 2009 per Bürgerentscheid abgelehnt. Sporer könnte sich aber eine kleine Lösung vorstellen: einen Zubringer zur Glentleiten – für etwas Entlastung. Denn bislang führt der Weg zu dem beliebten Freilichtmuseum durch die Ortsmitte.

Kommunalwahl 2020 in Bayern: Welche Aufgaben haben Stadtrat und Gemeinderat?

Gemeinderat und Bürgermeister von Großweil: Namen, Daten, Fakten

Der Gemeinderat Großweil besteht aus zwölf Mitgliedern plus dem Ersten Bürgermeister. Amtsinhaber ist Manfred Sporer (CSU-Dorfgemeinschaft).

Vor der Kommunalwahl 2020: Die Sitzvertilung im Gemeinderat Großweil.

Sitzverteilung:

Freie Wählergemeinschaft: acht Sitze (Frank Bauer, Helmut Brunner, Josef Burkart senior, Dr. Johann Kirner, Nikolaus Singer, Leonhard Schlögel, Karl Steingruber, Petra Witting)

CSU-Dorfgemeinschaft: vier Sitze (Georg Bäck, Johann Möck, Horst Piller, Brigitte Schägger).

Zur Kommunalwahl am 15. März treten die im Gemeinderat vertretenen Gruppierungen wieder an.Umdas Amt des Rathaus-Chefs bewerben sich Manfred Sporer (CSU-Dorfgemeinschaft) und Frank Bauer (Freie Wählergemeinschaft).

Bürgermeister von Großweil:

  • 1946 bis 1956: Andreas Mayr
  • 1956 bis 1966: Martin Mayr
  • 1966 bis 1984: Josef Burkhart
  • 1984 bis 2002: Franz Xaver Wild
  • seit 2002: Manfred Sporer

    Der Ortsteil Kleinweil wurde in den 1970er Jahren eingemeindet. Er hatte bis dahin eigene Bürgermeister.

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