+
Es ist noch nicht Schicht im Schacht: Am Dienstagmorgen wird die neue Turbine eingehoben.

Loisach-Flutwelle macht Turbine den Garaus 

Pannen-Serie um revolutionäres Großweiler Schachtkraftwerk: Der GAU tritt ein

  • schließen

Das Horrorszenario, das alle Beteiligten gefürchtet hatten, ist Realität geworden: Eine Flutwelle in der Loisach hat eine Turbine des Schachtkraftwerks bei Großweil erwischt und ihr den Garaus gemacht. Schaden: mindestens 50 000 bis 100 000 Euro. Damit setzt sich eine Serie an Pleiten, Pech und Pannen fort.

Großweil – Unfassbar: Den Bau des revolutionären Schachtkraftwerks in der Loisach begleitet eine schier unglaubliche Menge an Widrigkeiten. Günther Rösch, neben Manfred Sporer Geschäftsführer der Investorin Wasserkraftwerk Großweil GmbH, hatte das Pilotprojekt, mit dem am Wehr Raue Rampe umweltfreundlicher Strom erzeugt werden soll, bereits im Mai mit Murphys Gesetz in Verbindung gebracht. Damit meinte Rösch: Alles, was schiefgehen kann, geht auch schief. Und tatsächlich reißt die fast beispiellose Pannen-Serie, die immer wieder für Verzögerungen sorgt, nicht ab.

Schachtkraftwerk Großweil: Loisachwasser mit Sand und Schmutz läuft in die empfindliche Turbine

Im Gegenteil: Sie hat einen neuen Höhepunkt erreicht. „Es ist der GAU eingetreten, den alle gefürchtet hatten“, sagt Rösch. Eine Flutwelle hat vor Wochen die erste der beiden jeweils 18 Tonnen schweren und 3,40 Meter hohen Unterwasserturbinen erwischt, die nach zwei abgeblasenen Versuchen im dritten Anlauf eingebaut, aber noch nicht abgedichtet worden war. Die Pumpen waren überlastet, Loisachwasser – und mit ihm jede Menge Sand sowie Schmutz – lief in den Schacht und damit in die empfindliche Turbine. Rösch schätzt den Schaden, der nicht versichert sei, auf mindestens 50 000 bis 100 000 Euro. Genaueres wissen die Verantwortlichen erst, wenn Spezialisten die Maschine, die ein Schwertransporter in der Nacht auf Mittwoch zurück ins Werk des Herstellers Geppert in Hall (Tirol) fahren sollte, zerlegt und überprüft haben. Sie wird von Schmutz gesäubert, überholt, bestimmte Teile tauscht man aus. Die Wicklung des Generators, in den ebenfalls Wasser eingedrungen ist, muss getrocknet und gecheckt werden. „Wir hoffen, das funktioniert“, sagt Rösch. Doch das erfährt er erst, wenn die Turbine auseinandergebaut worden ist. Theoretisch wäre auch ein Totalverlust möglich.

Rösch redet Klartext: „Da ist einfach der Wurm drin.“ Immer wieder ereilen den Bau des neuartigen Projekts, auf das die Welt blickt, Negativ-Überraschungen. Beim Turbinen-Einbau wollten die GmbH-Geschäftsführer absolut auf Nummer sicher gehen, weil dabei viel auf dem Spiel steht und ein Hochwasser eben den GAU bedeutet; sie mussten letztlich aber auf die Witterungsprognosen vertrauen. Das taten sie – und wurden abgestraft. Die Gewitter mit Starkregen, die eine Flutwelle brachten, kamen nach Angaben von Rösch „in der einzigen Nacht, in der keine vorhergesagt waren. In den folgenden drei Nächten, in denen Gewitter hätten kommen sollen, blieben sie aus“. Murphys Gesetz.

Schachtkraftwerk: Verantwortliche ziehen Lehren aus dem Turbinen-Schlamassel

Die baugleiche zweite Turbine erreichte in der Nacht auf Dienstag Großweil und wurde in der Früh in den Schacht eingehoben; um 7 Uhr morgens hing sie am Haken. Die Verantwortlichen haben ihre Lehren aus dem Schlamassel gezogen und wollen diesmal alle Flut-Risiken ausschalten. „Es wird so lange gearbeitet, bis das Ding dicht ist“, kündigt Rösch an.

Das Turbinen-Malheur bedeutet neben dem finanziellen Schaden einen weiteren Zeitverlust. „Das wirft uns natürlich zurück.“ Es wird dauern, bis die geflutete Turbine überholt ist. „Unter sechs Wochen wird nichts passieren“, glaubt Rösch. Ein Teil dieser Phase soll durch andere Arbeiten überbrückt werden, danach wird die Baustelle wohl wieder zwangsweise ruhen. Wann das mehrere Millionen Euro teure Projekt, für das im November 2017 nach jahrelanger Planung der symbolische Spatenstich vollzogen worden war, in Betrieb gehen kann, bleibt offen. Rösch legt sich auf keinen Termin mehr fest.

Lesen Sie auch: Millionen-Projekt in Großweil: Ortsmitte erhält neues Gesicht

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Flugzeug zerschellt an Berg - Luftfahrtbehörde hat Vermutung zur Ursache
Flugzeugunglück im Wettersteingebirge: Ein Kleinflugzeug ist am frühen Donnerstagabend in der Nähe von Leutasch (Tirol) abgestürzt. Drei Menschen starben.
Flugzeug zerschellt an Berg - Luftfahrtbehörde hat Vermutung zur Ursache
50 Jahre Mondlandung: Für diese zwei Männer ist nicht Neil Armstrong der Mondastronaut
Am 20. Juli 1969 betrat Neil Armstrong den Mond. Millionen verfolgten den Moment. Auch Dr. Günter Steinebach aus Garmisch-Partenkirchen und Asbjörn Raupach aus …
50 Jahre Mondlandung: Für diese zwei Männer ist nicht Neil Armstrong der Mondastronaut
Christoph-Probst-Mittelschule: Zeit des Zitterns ist vorbei
96 Absolventen haben am Freitag an der Murnauer Christoph-Probst-Mittelschule ihre Zeugnisse erhalten. Ein bedeutender Meilenstein im Leben der jungen Leute.
Christoph-Probst-Mittelschule: Zeit des Zitterns ist vorbei
Tragödie im Oberauer Tunnel: Plötzlich löst sich Schlauch und erschlägt Arbeiter
Einen tragischen Ausgang nahm ein Arbeitsunfall für einen 43-Jährigen in der Tunnelbaustelle in Oberau. Nun versucht die Kriminalpolizei, die Unfallursache zu ermitteln.
Tragödie im Oberauer Tunnel: Plötzlich löst sich Schlauch und erschlägt Arbeiter

Kommentare