Erste Sitzung: Die neuen Großweiler Gemeinderäte werden im Freizeitheim vereidigt. Karl Steingruber sitzt rechts am Tisch.
+
Erste Sitzung: Die neuen Großweiler Gemeinderäte werden im Mai im Freizeitheim vereidigt. Karl Steingruber sitzt rechts am Tisch.

Wechsel im Rathaus

Rückzug nach fünf Monaten: Steingruber gibt Amt des Großweiler Vizebürgermeisters auf

  • Roland Lory
    vonRoland Lory
    schließen

Paukenschlag in Großweil: Vizebürgermeister und Gemeinderat Karl Steingruber (Freie Wählergemeinschaft) stellt seine Ämter zur Verfügung. Der 55-Jährige führt berufliche und gesundheitliche Gründe für diesen Schritt an. Neuer Vertreter von Bürgermeister Frank Bauer könnte Franz Xaver Schweiger werden.

  • Vizebürgermeister und Gemeinderat Karl Steingruber stellt seine Ämter zur Verfügung.
  • Der 55-Jährige nennt berufliche und gesundheitliche Gründe.
  • Sein Nachfolger könnte Franz Xaver Schweiger werden.

Großweil – Die Freie Wählergemeinschaft Großweil ging als großer Sieger der Kommunalwahlen hervor. Ihr Bürgermeisterkandidat Frank Bauer setzte sich mehr als deutlich gegen den langjährigen Amtsinhaber Manfred Sporer (CSU/Dorfgemeinschaft) durch. Zudem sicherten sich die Freien Wähler acht der zwölf Gemeinderatssitze. Bei dieser Konstellation war es nicht verwunderlich, dass die Bauer-Truppe auch bei der Wahl des Zweiten Bürgermeisters die Oberhand behielt. Das Gremium bestimmte im Mai Karl Steingruber zum Stellvertreter. Markus Luidl (CSU/Dorfgemeinschaft) hatte das Nachsehen.

Wahl während des Lockdowns

Kein halbes Jahr später tritt Steingruber den Rückzug an. Der 55-Jährige (verheiratet, zwei erwachsene Kinder) stellt seine Ämter als Zweiter Bürgermeister und Gemeinderat zur Verfügung. Auch wenn die Monate vor der Kommunalwahl „sehr anstrengend waren und mich an die Grenze der Belastung gebracht haben, war die Euphorie in unserer Gruppe nach der Wahl sehr groß, und wir wollten gemeinsam was bewegen“, hält Steingruber in einer Stellungnahme fest. Die Wahl des Zweiten Bürgermeisters Mitte Mai fiel in eine Phase, in der „der Corona-Lockdown mein Berufsleben fast still stehen ließ“. Steingruber hatte, wie er sagt, weder ein Zeitproblem mangels Terminen, noch war sein Schreibtisch mit zu viel Arbeit voll. „Deshalb stellte ich mich der Wahl zum Zweiten Bürgermeister, um als Gemeinderat mit den meisten Stimmen Bürgermeister Frank Bauer zu unterstützen.“

Belastung auch für die Gesundheit

Doch in den Monaten danach kehrte der berufliche Alltag zurück. Steingruber ist Werkleiter der Gemeindewerke Murnau und zusätzlich Geschäftsführer der drei Netzgesellschaften Regionalwerk Oberland, Oberland Stromnetz und Oberland Gasnetz. Der Großweiler merkte nach eigener Darstellung bald, „dass die zusätzlichen Termine als Zweiter Bürgermeister und Gemeinderat meinen Terminkalender sprengen und die Fülle an Aufgaben zur Belastung auch für meine Gesundheit werden. Da ich es von mir gewohnt bin, dass ich meine Aufgaben mit Herzblut angehe und korrekt erfülle, gingen die neuen Aufgaben zu Lasten meiner wenigen Freizeit.“

Große Projekte bei den Gemeindewerken

Steingruber überlegte, wie die nächsten Jahre aussehen. Bei den Gemeindewerken Murnau stehen große Projekte an: etwa die Verlegung des Umspannwerks, eventuell der Aufbau des Betriebszweigs Breitbandausbau sowie möglicherweise der Bau einer Tiefgarage am alten Volksfestplatz. „Auch die Sanierung des Kanalsystems wird uns in den nächsten Jahren stark einbinden.“

Persönliche Belastungsgrenze

Steingruber führt zudem die anstehende Dorferneuerung in Großweil an – „eine über Jahre dauernde Maßnahme. Hier werden die Verantwortlichen der Gemeinde stark eingebunden, und es wird viele Termine und Sitzungen geben.“ Da man für solche intensiven Maßnahmen auch Zeit mitbringen müsse, sei ihm klar gewesen, dass er diese nicht aufbringen könne, ohne ihn an die persönliche Belastungsgrenze zu bringen. „Ich kann verstehen, dass viele Bürgerinnen und Bürger von meiner Entscheidung enttäuscht sein werden, aber für mich war diese Entscheidung eine Art Selbstschutz“, betont der Großweiler.

Neuer ASV-Vorsitzender

Das Amt des Vizebürgermeisters sei durchaus „aufwändig“. Der Grund? „Weil der Bürgermeister viele Ideen hat.“ Er habe den Aufwand „unterschätzt“, räumt er ein. „Ich habe auch gespannt, dass es schwierig ist, zwei Kommunen zu bedienen.“ Was er zudem zu bedenken gibt: „Man wird nicht jünger.“ Steingruber bringt sich im Ort weiter ein. Er ist neuerdings ASV-Vorsitzender. Den zeitlichen Aufwand dafür gibt er mit einer Stunde pro Woche an. Für ihn machbar.

Bauer bedauert den Rückzug

Bürgermeister Bauer bedauert Steingrubers Rückzug. „Für uns ist es bitter.“ Man habe Pläne für die kommenden Jahre geschmiedet. „Er geht uns schon ab.“ Der Rathauschef beschreibt Steingruber als „sehr fleißig“.

Wahl des Nachfolgers

Der Gemeinderat wählt am Montag, 9. November, einen Nachfolger (19.30 Uhr, Rathaus Sitzungssaal). Heißer Kandidat ist Franz Xaver Schweiger (Freie Wählergemeinschaft). „Wenn man mich fragen sollte, würde ich zur Verfügung stehen“, teilt er am Dienstagnachmittag mit. Sollten die Freien Wähler Schweiger aufstellen, will die CSU/Dorfgemeinschaft nach Aussage von Gemeinderat Horst Piller keinen eigenen Kandidaten bringen und Schweiger „wahrscheinlich mitwählen. Denn wir sind für die Dorfgemeinschaft da und nicht, um uns gegenseitig kaputt zu machen.“ Wenn die Freien jemand anders vorschlagen, möchte die CSU/Dorfgemeinschaft mit dem Fraktionsvorsitzenden Markus Luidl ins Rennen gehen.

Auch interessant: Die Gams verschwindet

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare