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Umstrittener Schweine-Abschuss: Staatsanwaltschaft ist am Zug - Freilandhaltung war nicht genehmigt

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Von: Roland Lory

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Ort des Geschehens: In diesem Gehege in der Nähe von Großweil wurden die Schweine gehalten. Keine Genehmigung: Halter verwarnt
Ort des Geschehens: In diesem Gehege in der Nähe von Großweil wurden die Schweine gehalten. © Privat

Die Murnauer Polizei hat die Ermittlungen zu dem umstrittenen Abschuss dreier Alpenschweine in Großweil abgeschlossen. Zahlreiche Beteiligte wurden vernommen. Die Unterlagen sind nun bei der Staatsanwaltschaft München II. Genehmigt war die Freilandhaltung der Tiere nicht.

Großweil – Der Fall hat Staub aufgewirbelt, ist Thema an den Stammtischen und Leserbriefspalten. Kreisjagdverbands-Chef Thomas Bär erschoss drei Alpenschweine in einem Gehege bei Großweil. Er stritt das gar nicht ab. „Aber es war kein Vorsatz. Ich war der Meinung, dass es Wildschweine sind“, verteidigte sich der Jagdpächter. Die Tochter des Halters glaubte Bär das nicht, meinte: „Das war sicher vorsätzlich.“ Bär beichtete damals den Vorfall und schlug vor, die erlegten Tiere in der Kühlung des Hotels Alpenhof in Murnau unterzubringen. Dem stimmte der Schweinehalter zu. Im Anschluss stellte dieser Strafanzeige bei der Polizei.

Die Polizeiinspektion (PI) Murnau nahm sich des Vorfalls an, der in der Nähe des Schachtkraftwerks Großweil passierte. Dabei wurde geprüft, ob Bär gegen das Tierschutzgesetz verstoßen hat. Zudem stehen der Verdacht der Sachbeschädigung sowie eine Ordnungswidrigkeit nach dem Bayerischen Jagdgesetz und nach dem Waffengesetz im Raum.

Viele Beteiligte befragt

Die PI Murnau befragte zahlreiche Beteiligte. Inzwischen hat sie die Ermittlungen abgeschlossen und die Ergebnisse an die Staatsanwaltschaft München II übermittelt. Dies teilt Vize-Inspektionsleiter Clemens Schmitz mit. Die Staatsanwaltschaft prüft die Unterlagen nun. Sie kann noch weitere Zeugenbefragungen verlangen oder auch ein Gutachten. Dann müsste eventuell die PI Murnau noch einmal ran und zusätzliche Nachforschungen anstellen. Die Staatsanwaltschaft kann natürlich auch Anklage erheben.

Unterdessen bestätigt das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen eine Bär-Aussage, wonach die Schweine auf dem Grundstück „illegal“ gehalten worden seien. Wolfgang Rotzsche, Sprecher der Kreisbehörde, sagt: „Die Schweine und die Freilandhaltung wurden dem Landratsamt Garmisch-Partenkirchen nicht gemeldet.“ Und weiter: „Das Veterinäramt wäre zu kontaktieren gewesen“, um sich eine Freilandhaltung vorab genehmigen zu lassen. „Eine Untersuchung der Tiere durch das Veterinäramt ist nicht vorgesehen.“ Auf die Einleitung eines Bußgeldverfahrens hat die Kreisbehörde laut Rotzsche jedoch verzichtet, da es sich um keinen Vorsatz gehandelt habe und der Betreiber erstmalig aufgefallen sei. „Er wurde jedoch entsprechend verwarnt.“

Zu klein, wie mancher meint, war das Gelände übrigens laut Landratsamt nicht. Es gebe zwar verschlammte Stellen, „aber die Tiere haben sich auch in trockene Bereiche zurückziehen können“, teilt Rotzsche mit.

Hertlein stärkt Bär den Rücken

Der Murnauer Hubert A. Hertlein, aktiver Jäger und 36 Jahre lang Jägerausbilder, stellt sich hinter Bär. „Dass Wildschweine durch den Futtergeruch und die Düfte der weiblichen Alpenschweine angelockt wurden, muss auch dem Halter, ein Jäger, bewusst gewesen sein.“ Das Alpenschwein sei eine Schweinerasse, die seit über 100 Jahren im gesamten Alpenraum verschwunden gewesen und – im Gegensatz zum hellen haarlosen Hausschwein – am ganzen Körper schwarz behaart sei. Somit könne es „im Wald-Baumschatten mit einem Wildschwein verwechselt werden“. Revierpächter Bär habe den irrtümlichen Abschuss der drei Alpenschweine unverzüglich zugegeben und sich beim Halter entschuldigt. Dennoch „glauben immer noch einige, mit unsachlichen Aussagen Stimmung machen zu müssen“, beklagt Hertlein.

Was der Murnauer ebenfalls betont: „Grundeigentümer fordern von den zuständigen Jägern zum Schutze ihrer Wiesen-Feldfluren und zur Verhinderung der Afrikanischen Schweinepest eine intensive Bejagung der Wildschweine.“

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