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Im Fluss: die eingehobenen Rechenfelder des Schachtkraftwerks bei Großweil.

Ökostrom aus der Loisach

Schachtkraftwerk Großweil: Jetzt steht der Betriebsstart fest

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Das revolutionäre Schachtkraftwerk bei Großweil, weltweit erstes seines Typs, wird heuer nicht mehr in Betrieb gehen. Im ersten Quartal 2020 soll jedoch die Stromproduktion in der Loisach starten. Zuletzt hatte die Verantwortlichen des Pilotprojekts ein weiterer Rückschlag ereilt.

Großweil – Früher förderten die Großweiler Kohle, heute verleiht das Freilichtmuseum Glentleiten der kleinen Gemeinde über die Region hinaus Bekanntheit. Und seit geraumer Zeit blicken ohne Zweifel Vertreter der internationalen Wasserkraftwerksbranche auf Großweil – genauer: auf das, was sich im Loisach-Abschnitt Raue Rampe ereignet. Im November 2017 vollzogen Politiker und Beteiligte den symbolischen Spatenstich für ein völlig neuartiges, von der Technischen Universität München entwickeltes Schachtkraftwerk, das Ökostrom produzieren soll. Falls alles glatt läuft, hieß es damals, könne die Anlage nach einem Jahr Bauzeit in Betrieb gehen.

Mittlerweile sind fast zwei Jahre vergangen, in denen die Verantwortlichen, die sich an dieses völlig neuartige Projekt gewagt hatten, nach Widrigkeiten aller Art viel Lehrgeld bezahlen mussten; Investorin ist die Wasserkraftwerk Großweil GmbH, als Gesellschafter ziehen die Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen, das Kraftwerk Farchant und die Gemeinde Großweil an einem Strang.

Nun blitzt Licht am Ende des langen, steinigen Tunnels auf. Die schlechte Nachricht: Heuer wird die Pilotanlage nicht mehr in Betrieb gehen. Die gute: Im ersten Quartal 2020 soll diese nach Angaben von Günther Rösch, der neben Großweils Bürgermeister Manfred Sporer GmbH-Geschäftsführer ist, in die Stromproduktion starten. Rösch nennt erstmals seit längerer Zeit einen konkreten Fertigstellungszeitraum.

Ohne Rückschläge kamen die Verantwortlichen allerdings auch im Sommer nicht davon. Die zwei Turbinen, die längst eingebaut sein sollten, befinden sich wieder im Werk des Tiroler Herstellers. Nachdem ein Hochwasser der ersten den Garaus gemacht hatte, erwischte es auch Nummer zwei, allerdings auf andere Art. Die Maschine befand sich bereits im Schacht, als es zu einem Malheur kam. Hydraulikleitungen im Inneren seien „vom Werk her anders angeordnet gewesen, als es auf der Zeichnung für den Montour von außen ersichtlich war“, sagt Sporer. Die Folge: Als Hydrauliköl eingefüllt wurde, gelangte dieses in den Generator, in den es keinesfalls hätte laufen dürfen. Nun muss auch dieser instandgesetzt werden. Eine Neuproduktion, so Rösch, hätte ein Dreivierteljahr gedauert. Die Reparatur wird sich bis Jahresende hinziehen. Über den Fall müssen nun die zuständigen Versicherungen verhandeln. In die Loisach, das betonen Sporer und Rösch, sei keinerlei Öl gelangt.

Momentan herrscht Stillstand auf der Baustelle. In den nächsten Wochen soll ein zweites Segmentwehr geliefert und montiert werden, an dem man Wasser aufstaut. Alle Kraftwerksteile, die bereits vorhanden sind, wie etwa der Wehrständer in der Loisach, befänden sich bereits „hydraulisch in Betrieb“, sagt Rösch. Man bereite alles vor, damit nur noch die Turbinen eingebaut werden müssen.

Trotz der Verzögerungen und Rückschläge: Sporer geht davon aus, dass die prognostizierten Baukosten von 5,4 Millionen Euro – bei einer staatlichen Förderung von 1,9 Millionen Euro – in Sichtweite bleiben: „Wir sind sicher nicht weit weg von einer Punktlandung.“ Gold wert war für die Verantwortlichen, dass sie sich gegen diverse Szenarien versichert haben. Sonst wäre man „in Teufels Küche“ gekommen, räumt Rösch ein. Er macht keinen Hehl aus der Tatsache, dass „jeder von uns froh sein wird, wenn die Maschine läuft und alles so funktioniert, wie es soll“. Jeder, der am Bau beteiligt sei, habe „schlaflose Nächte hinter sich“ – vom Grübeln, wie man dieses oder jenes Problem meistern könnte. Immerhin ist hier Pionierarbeit zu leisten. „Man muss sich immer vor Augen führen: Das ist eine Pilotanlage“, unterstreicht Rösch. „Wir machen Erfahrungen, für die andere dankbar sind und die ihnen finanzielle Vorteile bringen.“ Die Herausforderungen zu meistern, koste Nerven. Man zahlt Lehrgeld.

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