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Tierdrama in Oberbayern: 12 000 Fische jämmerlich erstickt - Spielende Kinder als Ursache?

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Von: Silke Reinbold-Jandretzki

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Tote Fische, so weit das Auge reicht: die Kadaver in einem der Großweiler Teiche .
Tote Fische, so weit das Auge reicht: die Kadaver in einem der Großweiler Teiche. © Polizei

Etwa 12 000 Fische sind in zwei Teichen der „Loisachtal Forellenzucht“ in Großweil jämmerlich erstickt – weil vermutlich Kinder einen für die Tiere überlebenswichtigen Wasserzulauf blockiert hatten.

Großweil - Michael Thalmayer bemerkte das Drama am Montag gegen 9 Uhr, als er die Fische füttern und die Anlage Am Bad kontrollieren wollte. „Da bricht erst mal eine Welt zusammen“, sagt Thalmayer, der sich um den Familienbetrieb mit Sitz in Bad Heilbrunn kümmert.

Großweil: Tiere jämmerlich in Teich erstickt - „Schlimm und dramatisch“

Großweils Bürgermeister Frank Bauer (Freie Wählergemeinschaft) schauderte bei dem Bild, das sich ihm an den Teichen östlich des Naturfreibads bot: „Furchtbar“, sagt er. „Die zwei Weiher waren völlig weiß.“ Weiß von den Kadavern der jungen Forellen und speisefertigen Saiblinge, die an der Oberfläche schwammen. „So viele tote Fische im Wasser – das ist schlimm und dramatisch“, findet Bauer.

Fisch-Drama vermutlich Folge eines verhängnisvollen Kinderspiels

Vermutlich handelt es sich bei diesem Drama um die Folge eines für die Tiere tödlichen Kinderspiels. In einer vielleicht 40, 50 Meter von den Teichen entfernten, freiliegenden Hochwasser-Überlaufrinne, über die frisches Wasser und damit Sauerstoff in mehrere Fischweiher gelangt, hatten Unbekannte im Zeitraum von Sonntag auf Montag einen verhängnisvollen Staudamm aufgetürmt: unten jede Menge Steine, darüber Grasschnitt.

Material, das den Zulauf praktisch blockierte – das Wasser nahm einen anderen Weg. Arlette Janotta, Sachbearbeiterin bei der Murnauer Polizei, vermutet, dass Kinder die Barriere errichtet und das große Sterben in zwei von insgesamt zehn Teichen der Zucht ausgelöst haben. Thalmayer hat Anzeige erstattet.

Landkreis Garmisch-Partenkirchen: Schon zwei Wochen zuvor bauen Kinder einen Staudamm

Für die Polizei-Theorie spricht eine Begegnung, die Thalmayer etwa vor zwei Wochen hatte. Er bemerkte Kinder nach eigenen Angaben beim Staumauer-Bauen, erklärte ihnen die möglichen schlimmen Folgen und beseitigte das Material. Offenbar hielt sich das Verständnis jedoch in Grenzen: „Später war der Staudamm wieder da.“

Tote Zuchtfische in Großweil: Wirtschaftlicher Schaden liegt bei rund 15 000 Euro

Am Montag kam Thalmayer, der „viel Arbeit und Herzblut“ in die Zucht investiert, dann zu spät. Er wirkt auch emotional betroffen von dem, was geschehen ist: „Ich sehe die Fische vom Ei weg“, erklärt er. Dazu kommt der wirtschaftliche Schaden, der sich bei rund 15 000 Euro bewegt. Die etwa 2000 Saiblinge befanden sich bereits zwei Jahre in der Anlage, die 10 000 Forellen, ein Teil der Nachzucht des Betriebs, seit gut einem Dreivierteljahr. Sie hätten Ostern bei Kunden auf den Tisch kommen sollen.

Fische in Teich erstickt: Bürgermeister geht nicht von Absicht aus

Nun starben sie einen überflüssigen Tod – auch wenn Bürgermeister Bauer betont, er könne sich „nicht vorstellen, dass Kinder absichtlich“ dafür sorgten, dass die Fische erstickten. „Ich gehe davon aus, dass sie einfach gespielt haben und glaube nicht, dass das eine böswillige Sache war.“ Trotzdem gilt: „Der Schaden ist enorm.“ Bauer empfiehlt, dass Eltern mit ihren Kinder sprechen und ihnen die Problematik erläutern.

Dafür plädiert auch Polizeihauptmeisterin Janotta: „Es ist wichtig, Kinder darauf hinzuweisen, dass so etwas brandgefährlich für die Tiere ist.“ Diese seien letztlich qualvoll verendet. Sie betont, dass grundsätzlich keine Bäche oder Wasserläufe durch Staudämme verschlossen werden sollten.

12 000 tote Fische: Verursacher sollen sich melden, damit Versicherung für Schaden aufkommt

Michael Thalmayer hofft nun, dass sich die Verursacher bei der Polizei Murnau melden und zumindest der wirtschaftliche Schaden über eine Versicherung ausgeglichen werden kann. Auch eventuelle Zeugen mögen für Hinweise die Inspektion kontaktieren (Telefon 0 88 41/6 17 60).

Bauer und Thalmayer haben noch gestern besprochen, dass der Zuchtbetreiber einen Zaun an dem kurzen Abschnitt anbringt, an dem die Rinne offen verläuft. Auf diese Weise lässt sich zumindest eine optisch erkennbare Abtrennung schaffen – und vielleicht verhindern, dass Kinder an dieser sensiblen Stelle Unfug treiben.

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