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Urwüchsig ist die Waldlandschaft im Ammergebirge – hier soll ein neuer Nationalpark entstehen, fordern die Grünen.

Grüne drängen auf Nationalpark Ammergebirge

Oberammergau - Die bayerischen Grünen denken intensiv über einen neuen Nationalpark Ammergebirge nach. Der Nationalpark könnte nach der bayerischen Landtagswahl 2013 Knackpunkt einer Koalition mit SPD und Freien Wählern werden, so die Grünen-Landtagsabgeordnete Christine Kamm.

Pläne, das Ammergebirge zwischen Füssen im Westen und dem Zugspitzmassiv im Osten zum Nationalpark zu machen, gibt es seit 2005. 23 000 Hektar des bereits unter Naturschutz stehenden Alpengebietes stehen im Eigentum des Freistaats Bayern. Besitzrechtliche Ansprüche wie Weide- und Holzschlagrechte sollten keinesfalls beeinträchtigt werden, betonte der stellvertretende Ostallgäuer Landrat Hubert Endhardt (Grüne) in Oberammergau (Kreis Garmisch-Partenkirchen). Zuvor hatten die Grünen das Gelände per Wanderung erkundet. Mit der Klimaerwärmung trete der Wintersport als touristische Attraktion immer mehr in den Hintergrund, sagte Endhardt, der auch Sprecher der „Arbeitsgemeinschaft Nationalpark Ammergebirge“ ist. Man sollte sich daher etwas für die Zeit „nach dem Schnee“ überlegen.

Der Kommunalpolitiker wies daraufhin, dass die Nationalparks in Deutschland jährlich von 50 Millionen Menschen besucht werden, die für Wertschöpfung von 2,5 Milliarden Euro sorgten. Ein „Nationalpark Ammergebirge“ hätte den zusätzlichen Reiz, die beiden weltbekannten Königsschlösser Neuschwanstein und Linderhof miteinander zu verbinden. Mit 23 000 Hektar Fläche würde ein Nationalpark Ammergebirge unter Einbeziehung von Flächen sowohl in Schwaben wie Oberbayern in etwa die Dimension der beiden bereits bestehenden Nationalparks Bayerischer Wald (24 000 Hektar) und Berchtesgaden (20 000 Hektar) erreichen. Die Vorgaben fordern eine Mindestgröße von 10 000 Hektar. Davon müssen mindestens 51 Prozent die so genannte „Kernzone“ bilden, in der jegliche Nutzung untersagt ist.

Nach der Biodiversitätsstrategie des Bundes sollen fünf Prozent des Waldes aus der Nutzung herausgenommen werden. Nach Angaben der Grünen ist in Bayern gerade einmal ein Zehntel dieser Vorgabe erreicht. Der bayerische Staatsforst müsste allerdings auf den Ertrag aus etwa 30 000 Festmetern Holz pro Jahr verzichten. Man wolle die Nationalpark-Idee Ammergauer Berge jetzt behutsam und sensibel verfolgen, um für das Projekt zu begeistern, so Kamm. Nichts solle über’s Knie gebrochen werden, man wolle aber auch keine Denkverbote.

Der Oberammergauer Abgeordnete Florian Streibl (Freie Wähler) lehnte einen Nationalpark als „Schnaps-Idee“ ab. Er hätte „einen massiven Einschnitt“ für Wald- und Bergbauern sowie Forstbetriebe zur Folge. „Die Grünen wollen unseren Bergbauern im Ammergebirge die Existenzgrundlage nehmen.“

Von Ralf Müller

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