Kein Halt: Nach wie vor fahren zahlreiche Züge durch den Ohlstädter Bahnhof, ohne zu stoppen. Foto: sj/Archiv

Grünes Licht für umstrittenen Bahnhofs-Umbau

Ohlstadt - Das Eisenbahn-Bundesamt hat den Weg für den umstrittenen Umbau des Bahnhofs Ohlstadt frei gemacht. Nun ist der Gemeinderat am Zug: Wird er die Genehmigung anfechten oder akzeptieren?

Mittlerweile liegt ein 57 Seiten starker Planfeststellungsbeschluss mit diversen Anlagen, quasi die Genehmigung, für das Projekt der Deutschen Bahn (DB) Netz AG vor, gegen das Politiker und Bürger Sturm gelaufen waren. Die Einwände und Bedenken von vielen Seiten konnten den Plänen nichts Maßgebliches anhaben. Nun ist der Gemeinderat Ohlstadt am Zug. Er muss in seiner Sitzung am Donnerstag entscheiden, ob er die Genehmigung akzeptiert oder diese anfechtet - auch auf die Gefahr hin, Zeit und Geld zu verlieren.

Denn klar ist: Das Dorf leidet nach wie vor unter dem, was auf den Widerstand in der Vergangenheit folgte. Es wurden einige Zughalte in Ohlstadt gestrichen - darunter wichtige Verbindungen für Pendler und Schüler. Offizielle Begründung: Ein Umbau hätte die für den Fahrplan nötigen Zeiteinsparungen gebracht. Diese erziele man nun eben über durchfahrende Züge. Erst ein Umbau kann Ohlstadt demnach wieder von diesem Abstellgleis befördern.

Die DB Netz AG will die Infrastruktur der zweigleisigen Anlage aufpeppen, die Station barrierefrei gestalten und dafür sorgen, dass Züge schneller fahren können. Vorgesehen sind unter anderem eine Kurvenbegradigung, neue Oberleitungen, nach Süden (teils in unmittelbare Nähe einzelner Wohnhäuser) versetzte Bahnsteige und Arbeiten am Übergang an der Partenkirchner Straße; nördlich davon soll ein Fußgängerüberweg entstehen. Die Genehmigung, die der Redaktion vorliegt, beinhaltet drei Kompromisspunkte, um die Ohlstadt gerungen hat: Die Lage des Hauptbahnsteigs an Gleis eins soll etwa 80 Meter weiter nach Norden rücken als ursprünglich vorgesehen und damit an das Stationsgebäude. Zwischen den Gleisen ist ein Zaun geplant, um Kinder davon abzuhalten, den riskanten, kürzeren Weg über die Schienen zu Gleis zwei zu nehmen, das Züge nur im Falle von Verspätungen bei Bedarf anfahren sollen. Denn: Einen Übergang im Norden wird es nicht geben. Folglich müssen Bahnkunden bei Gleisänderungen für wenige Meter Luftlinie etwa 600 Meter Umweg in Kauf nehmen - ein Problem speziell für ältere und gehbehinderte Menschen. Dies hatte zu heftiger Kritik geführt (wir berichteten). Weiter werden die Verlängerungen der Bahnsteige in Richtung Partenkirchner Straße asphaltiert oder gepflastert, nicht nur gekiest.

Ohlstadts Bürgermeister Christian Scheuerer (parteilos) hält sich auf Anfrage mit einer öffentlichen Bewertung und mit Details noch zurück. Er will dem Gemeinderat nicht vorgreifen. Bereits am Montag saß er mit den Fraktionsführern zusammen. Gutachter Johannes Rünzi vom Münchner Ingenieurbüro Vössing, der die Kommune in dieser Sache begleitet, erläuterte den Lokalpolitikern dabei den Inhalt des Planfeststellungsbeschlusses, in dem alle Bedenken und Anregungen abgewogen wurden. Rünzi wird auch der Donnerstags-Sitzung beiwohnen.

Ein anderer findet schon jetzt deutliche Worte: Norbert Moy von Pro Bahn. Der Fahrgastverband hatte sich auf die Seite der Gemeinde gestellt und Verbesserungsvorschläge zu den DB-Plänen vorgelegt. Moy kritisiert unter anderem, dass ein „Bahnhof der langen Wege“ entstehe. „Das gefällt uns am wenigsten. Aus unserer Sicht handelt es sich nach wie vor nicht um eine optimale Anlage.“ Moy sieht den „kleinen Kompromiss“, dass Bahnsteig eins näher ans Empfangsgebäude und an die Parkplätze rücke - und bezweifelt, dass sich mit einer Klage maßgebliche Veränderungen durchsetzen lassen. „Meine Einschätzung: Ich fürchte, man wird nicht viel mehr erreichen können.“

Bleibt ein Einspruch gegen den Planfeststellungsbeschluss aus, will die DB Netz AG das Projekt nach Angaben eines Bahnsprechers in den Sommerferien 2015 umsetzen. In dieser Zeit wird die Strecke gesperrt und ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. Bereits ab Mai sind „bauvorbereitende Arbeiten“ geplant, die den Zugbetrieb nicht beeinflussen. Summa summarum werden etwa acht Millionen Euro investiert. Wann die Regionalzüge wieder regulär und ausnahmslos in Ohlstadt halten, entscheidet die Bayerische Eisenbahn-Gesellschaft. Beteiligte gehen davon aus, dass dies ab Herbst 2015 der Fall sein könnte. (sj)

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