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Das kleinste Exemplar, einen „Murmeltier-Bart“ begutachten (v.l.) Hannes Putz und Matthias Koch.

Doping-Fälle bleiben nicht aus

Haarige Angelegenheiten bei der Gamsbart-Olympiade

Mittenwald - Olympia in seiner prächtigsten Form: Um die 70 Gams-, Hirsch- und Dachsbärte sind am Sonntag in Mittenwald mit Gold, Silber und Bronze ausgezeichnet worden. Ein besonderes, winziges Exemplar kam der Jury dabei auch zwischen die Finger.

Matthias Koch und Hannes Putz stehen am Fenster im Ägidius-Jais-Saal und drehen bedächtig einen Hirschbart. Bei Tageslicht können sie noch besser die Qualität der Haare erkennen. Sie fühlen und betasten ihn, lassen die zigtausend Haare durch ihre Finger gleiten. „Dadurch bekommen wir ein Gespür für die Masse und Dichte“, erläutert Putz aus Bad Goisern. Das sei nämlich entscheidend für die Endbewertung des fast 20 Zentimeter langen Kopfschmucks. Diese Größe verblüfft sie: „Eine absolute Seltenheit bei Hirschhaar“, bestätigt der aus Siegsdorf stammende Matthias Koch. Die beiden gehören zur sechs Mann starken Jury, die am Sonntagvormittag in Mittenwald mehr als 75 Bärte begutachtete.

Dort, wo Bürgermeister Adolf Hornsteiner und seine 20 Gemeinderäte normalerweise in ihren Sitzungen über das Schicksal der Marktgemeinde entscheiden, wurde am Sonntag ein Kopfschmuck an den anderen gereiht. „Dieser Reif ist gefärbt“, stellt Jury-Obmann Karl Hörmann (Schuster) bei einem Dachsbart kritisch fest. Der Reif, also die Spitzen der Haare, ist schon fast leuchtend weiß. „Da wurde nachgeholfen“, erkennt auch Hubert Aitenbichler aus Bad Ischl mit Kenner-Blick. Ja, auch bei dieser Olympiade „gibt es halt gedopte Teilnehmer“, sagt er und lacht. Disqualifiziert wird der Bart deswegen nicht. „Aber es gibt deutlich weniger Punkte.“ Denn der Dachsbart ist nichtsdestotrotz schön füllig und die Arbeit des Binders gut. Doch warum geben Teilnehmer überhaupt gefärbte Bärte ab, wenn es dann Minuspunkte in der Wertung gibt? „Oftmals wissen die Besitzer selbst nicht, dass er vom Binder künstlich bereift wurde“, merkt Eder verständnisvoll an. Manche wiederum probieren es einfach mal.

Auf Karl Hörmanns Tisch wird ihm plötzlich eine sehr prächtige Kugel präsentiert. Er kannte sie bereits. Denn auffällig ist heuer die hohe Anzahl an alten Bärten. „Den hatte ich schon während der vergangenen Olympiaden in der Hand“, erzählt er. Dass Bärte mehrmals dabei sind, ist keine Seltenheit. „Oftmals wechselt der Bart nach der Olympiade seinen Besitzer und wird dann erneut eingereicht, wissentlich oder nicht.“

Gamsbart-Olympiade in Mittenwald: Bilder

Stundenlang bewerteten die Fachmänner hinter verschlossener Tür einen Kopfschmuck nach dem anderen. Sicherheit geht vor. „Hier steht gerade ein Gesamtwert von einer halben Million Euro“, erläutert Herbert Eder aus Siegsdorf. „Deshalb müssen alle Türen geschlossen sein“, die Bärte unter permanenter Bewachung stehen. Wem die einzelnen gehören, wissen die sechs Juroren nicht. Sie wurden zuvor im Vorraum angenommen und lediglich mit einer Nummer versehen. „Dadurch wird unsere Unbefangenheit bewahrt.“ Allerdings müssen die Experten genau drauf achten, dass keine Nummer verloren gehen. „Damit Bärte nicht aus Versehen vertauscht werden.“

Kurz vor Annahmeschluss machen die Juroren Augen, als ein sehr kleiner Bart aus der Rolle genommen wird. „Unglaublich, ein Murmeltier-Bart“, sagt Richter Helmut Besendorfer aus Bad Goisern. Er hat nur wenige Zentimeter Länge und ist mit zwei Zähnen des Tieres verziert. „Der Bart wird aus dem Nacken des Murmeltieres gebunden“, erklärt der ehemalige Förster. Bewertet wurde dieser nicht, ebenso wie ein Sau-Bart. Beide liefen außer Konkurrenz.

Einer passte genau auf, wie die Jury arbeitet. Der Mittenwalder Andreas Neuner (Hackl) ist frischgebackener Berufsjäger und durfte heuer – eine Ausnahme und große Ehre – den sechs Juroren über die Schultern schauen. „Auf das er ebenfalls bald mitbewerten kann“, sagt Karl Hörmann stolz.

Josef Hornsteiner

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