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Freie Fläche: Gegenüber dem Supermarkt-Zentrum im Kemmelpark könnte das Geschäftshaus entstehen. F.: kolb

Händler warnen: Ortskern blutet aus

Murnau - Die Einzelhändler im Murnauer Ortskern haben Zukunftsängste. Sie befürchten, dass im Kemmelpark weitere Verkaufsflächen entstehen.

Die Einzelhändler fühlen sich ohnehin schon in die Mangel genommen - von dem Tengelmann-Center im Süden und dem Supermarktzentrum mit Aldi und Edeka im Norden. Jetzt befürchten sie, dass sich der Konkurrenzkampf weiter verschärft - und die Fußgängerzone ausbluten lässt. Der Grund: Angeblich sollen in einem geplanten Geschäftshaus im Kemmelpark zusätzliche Einzelhandelsflächen entstehen. Die Rede ist von einem Bio-Supermarkt, einer Drogerie und einem Laden für Tiernahrung. Offiziell bestätigt wird dies nicht.

Mit diesem Angebot könnte, so das skizzierte Horrorszenario, in dem Wohn- und Gewerbegebiet eine zweite, kleine Einkaufsmeile entstehen, die Kunden und damit Kaufkraft abzieht. „Ich mache mir große Sorgen. Man gräbt der Fußgängerzone Stück für Stück das Wasser ab“, warnt Gemeinderat Andreas Müssig (parteifrei), der neben dem Rathaus einen Blumenladen betreibt.

Verantwortlich für den Wirbel ist ein alter Bekannter: der international tätige Immobilienriese Ten Brinke. Dieser hat angeblich Interesse daran, der Gemeinde ein etwa 5000 Quadratmeter großes Grundstück im Eingangsbereich des ehemaligen Kasernenareals abzukaufen, um darauf das besagte Gewerbe-Objekt zu errichten. Das Unternehmen mit Hauptsitz in den Niederlanden war im Kemmelpark bereits aktiv: Es zog dort den besagten Supermarkt-Komplex hoch. Gleich gegenüber könnte das neue Projekt verwirklicht werden. Von der Bayern-Niederlassung des Konzerns in Regensburg war jedoch keine Stellungnahme zu bekommen.

Bürgermeister Dr. Michael Rapp (CSU) mahnt indessen zur Besonnenheit: Es sei noch nichts entschieden, ihm lägen auch keine Anträge vor. Ten Brinke habe vor etwa einem Jahr im Gemeinderat ein baulich „relativ schlüssiges Konzept“ vorgestellt und „großes Interesse“ signalisiert, berichtet der Rathaus-Chef. Aber es gebe für die Fläche auch andere potentielle Investoren. Er habe seit längerer Zeit von Ten Brinke nichts mehr gehört. Ihm wäre ein Bürogebäude am liebsten, stellt Rapp klar. Damit würden Arbeitsplätze geschaffen. Weiterer Einzelhandel sei zwar im Kemmelpark grundsätzlich denkbar. Allerdings dürften dort laut den vereinbarten Richtlinien nur Läden eröffnet werden, die mit ihrem Sortiment der Ortsmitte nicht schaden. Zudem müsse die Kommunalpolitik alles absegnen. Rapp: „Der Gemeinderat hat das Heft des Handelns in der Hand.“

Die ansässigen Geschäftsleute sind dennoch nervös. Angeblich, so ist zu hören, ist Ten Brinke bereits fleißig dabei, mögliche Mieter der Verkaufsflächen anzusprechen. Müssig will zusammen mit seinen beiden Gemeinderatskollegen Guntram Gattner (ÖDP/Bürgerforum) und Wolfgang Köglmayr (CSU), die ebenfalls im Obermarkt Geschäfte haben, dem Ganzen nicht tatenlos zusehen. Für den 28. Januar (Beginn: 19 Uhr im Café Krönner) planen sie ein großes Treffen aller Ladenbetreiber der Ortsmitte. „Es ist jetzt an der Zeit, dass wir uns beraten und deutlich machen, dass weitere Einzelhandelsflächen außerhalb des Ortskerns unsere innerörtlichen Geschäfte und damit das vielfältige Leben und den Flair unserer Fußgängerzone gefährden“, heißt es in der Einladung.

Zudem soll das brisante Thema Anfang Februar im Gemeinderat auf die Tagesordnung kommen. „Der Gemeinderat muss Farbe bekennen“, fordert Köglmayr. Außerdem geht es um die Frage, wie nach dem Tengelmann-Aus wieder ein Lebensmittelmarkt für Murnaus gute Stube gewonnen werden kann. Müssig, Köglmayr und Gattner sind sich einig: Diese Bemühungen seien aussichtslos, solange im Kemmelpark weitere Einzelhandelsflächen geschaffen würden. (as)

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