In neongrünen Lettern war die Nazi-Parole auf das Dach der Pausenhalle gespüht. Es war der zweite Anschlag der jüngsten Zeit. Darüber prangte ein Hakenkreuz. Foto:Polizei/Fkn

Hakenkreuz über der Pausenhalle

Murnau - Ein Unbekannter hat einen Graffiti-Anschlag auf das Murnauer Staffelsee-Gymnasium verübt - mit einem Nazi-Symbol und einer KZ-Parole. Das Werdenfelser Bündnis ist empört.

Die Aufregung am Murnauer Staffelsee-Gymnasium ist groß: Am Wochenende hat ein Unbekannter das Glasdach der Pausenhalle mit einem Hakenkreuz und der zynischen KZ-Parole „Arbeit macht frei“ beschmiert. Die Ermittlungen der Polizei sind bereits in vollem Gange, doch auch dort ist noch unklar, ob es sich „nur“ um einen bösen Streich oder um einen rechtsextremistisch motivierten Anschlag handelte. Das Erstaunliche: Es entsteht der Eindruck, dass die Verantwortlichen der Schule den hässlichen Vorfall lieber unter den Tisch kehren wollen.

Direktor Gerhard Haberl geht fest davon aus, dass niemand aus der Schule dahinter steckt. Aber von einer Berichterstattung zeigte er sich auf Tagblatt-Nachfrage wenig begeistert. Er würde das Thema lieber im Unterricht besprechen - wie er meint „objektiv und im richtigen Kontext“. Die möglicherweise rechtsextremistischen Hintergründe scheinen ihm nicht so wichtig zu seinl: „Da hat eben irgendjemand rumgeschmiert; Das kann politisch sein oder einfach nur aus Idiotie heraus. Das wird einfach zu sehr breitgetreten.“ Der Schulleiter behauptet, die Berichterstattung würde das Geschehen nur „warm halten“ und Nachahmer anlocken.

Die aktuelle Schmiererei war kein Einzelfall am Gymnasium in der jüngsten Zeit. Laut des Murnauer Polizei-Chefs Joachim Loy hatte bereits zum Jahreswechsel ein Unbekannter ein vergleichbares Graffito, ebenfalls in neongrün, an die Schule gesprüht. Dabei handelte es sich auch um den Schriftzug, der bis vergangenen November am Eingang zum Dachauer Konzentrationslager prangte. „Nach erstem Augenschein wurde die selbe Farbe verwendet“, berichtet Loy, der vermutet, es handle sich um den gleichen Täter.

Beim Werdenfelser Bündnis ist man in dieser Sache ganz und gar nicht Haberls Meinung: Inga Grüttner, die Zweite Sprecherin, meint: „Wenn man so etwas vertuscht, schafft man nur Nährboden für Weiteres. Das darf nicht kommentarlos bleiben“, betont die Murnauerin, die von sich selbst sagt, dass sie „höchst empört“ ist. Ob rechtsextremistisch motiviert oder nicht - für Grüttner ist der Vorfall ein Signal. „Das zeigt uns, dass das rechtsextremistische Gedankengut noch immer kocht und unsere Arbeit fordert.“ Sie betont: „Von alleine hört es nicht auf.“ Falls das Ganze ein dummer Streich war, sei das für sie „der Gipfel der Geschmacklosigkeit“. Die engagierte Murnauerin macht klar: „Mit Nazi-Zeichen und -Sätzen spielt man nicht.“ Vom Bestreben der Schulleitung, den Anschlag im kleinen Rahmen zu behandeln, ist Grüttner nicht überzeugt. „Über sowas zu schweigen, ist grundfalsch. Es ist die Aufmerksamkeit aller Bürger gefragt.“

Die Schmiererei, die laut Loy am Samstag während einer Theateraufführung dort entstand, wurde dem Vernehmen nach gestern entfernt. Die Polizei konnte am Tatort Spuren sicherstellen und wird nun weiter in der Angelegenheit ermitteln. „Wir hoffen auf Beobachtungen der Bevölkerung oder von Schülern“, sagt Loy. Ihm zufolge wären zum Beispiel die verwendeten Sprühdosen ein wichtiger Hinweis. Er appelliert an die Finder infrage kommender Dosen, diese bei der Inspektion abzugeben.

mts

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