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In Jägerhaus halten bis auf weiteres keine Züge mehr auf der Bahnstrecke Murnau-Oberammergau.

Haltestelle der Bahnstrecke Murnau-Oberammergau aus dem Winter-Fahrplan gestrichen

Aus für Jägerhaus

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Bad Kohlgrub - 1200 Unterschriften haben Einheimische und Gäste geleistet, um den Haltepunkt Jägerhaus an der Bahnstrecke Murnau-Oberammergau zu erhalten. Jetzt fehlt die Station im neuen Winter-Fahrplan dennoch. Was ist passiert?

Es geht – zumindest offiziell – um 120 000 Euro. Soviel Geld ist nötig, um den Zug-Halt Jägerhaus der Regionalbahn Murnau-Oberammergau soweit zu ertüchtigen, dass die Betriebsstandards erreicht werden. Die Deutsche Bahn wäre immerhin bereit, 30 000 Euro der Kosten für eine elektronische Fahrgastinformation zu übernehmen. Wenn, ja wenn die Gemeinde Bad Kohlgrub die restlichen 90 000 Euro für eine vernünftige Beleuchtung des Haltepunkts zahlt.

Nachdem die Kommune darüber bislang noch keine Entscheidung getroffen hat, wird die Bahn ab Dezember, wenn der Winter-Fahrplan auf dieser Strecke in Kraft tritt, Jägerhaus nicht mehr bedienen. Sprich, die „Ammergau-Bahn“ hält dann bis auf weiteres nicht mehr dort. Dabei hatte Bad Kohlgrubs Bürgermeister Karl-Heinz Reichert Mitte Oktober im Gemeinderat noch ganz etwas anderes verkündet – dass nämlich die Haltestelle auf alle Fälle noch bis Herbst nächsten Jahres bestehen bleibt. Diese Info hatte der Gemeindechef aus einem Ortstermin in Jägerhaus abgeleitet, als er sich dort mit einem Mitarbeiter der Deutschen Bahn getroffen hatte: „Ich hatte nach dem Gespräch tatsächlich den Eindruck, dass es vorerst weitergeht, und habe danach auch gleich im Rathaus eine Aktennotiz angefertigt.“ Nun kam von der Bahn nach der Veröffentlichung des Sachverhalts im Tagblatt eine E-Mail mit dem Inhalt, dass Bürgermeister Reichert den Bahnvertreter „falsch verstanden“ hätte und es sich hier um „ein Missverständnis“ handle.

Wie dem auch sei: Die Bayerische Eisenbahngesellschaft, die die Züge bereitstellt und bei der Deutschen Bahn Haltepunkte von Strecken „einkauft“, sah sich offenbar nicht mehr in der Lage, kurzfristig mit Inkrafttreten des Winterfahrplans Jägerhaus drinzulassen. „Bedauerlich“, findet dies der Kohlgruber Bürgermeister: „Mit etwas gutem Willen hätte es die Bahn doch sicher regeln können, dass es funktioniert. So ein Handeln ist nicht gerade kunden- und verbraucherfreundlich.“

Ein großes Problem sind die geringen Fahrgastzahlen bei dem Haltepunkt Jägerhaus: Im Schnitt steigen hier am Tag weniger als zehn Personen zu, zehnmal soviel würde man sich bei der Bahn wünschen. 30 000 Euro zahlt der Konzern angeblich im Jahr drauf. Dennoch überlegt der Gemeinderat von Bad Kohlgrub ernsthaft, die Finanzierungslücke von 90 000 Euro zu übernehmen. Bürgermeister Reichert: „Ich werde im Gremium dafür werben, dass sich die Gemeinde hier finanziell einbringt. Dann wird Jägerhaus auch wieder in den Fahrplan auf dieser Strecke aufgenommen.“ Denn der Bürgermeister sieht die Haltestelle, für deren Erhalt sich in einer Unterschriftenaktion 1200 Einheimische und Gäste aussprachen, vor allem in Zukunft als wichtig an. Sie bekäme eine ganz neue Bedeutung. Hintergrund: Zwischen Staatsstraße und Bahnlinie bei Jägerhaus wird in Kürze ein Wanderparkplatz für rund 15 Pkws geschaffen und vor diesem Hintergrund wäre ein Halt des Zugs schon von Bedeutung. Reichert wörtlich: „Wandern, öffentliche Verkehrsmittel und Gastronomie, das würde doch wunderbar zusammenpassen und ein attraktives Angebot für unsere Gäste darstellen.“

Möglichst zeitnah will das Gemeindeoberhaupt das Thema nun in den Gemeinderat bringen, um eine Entscheidung über die 90 000 Euro herbeizuführen. Spätestens bei den Haushaltsberatungen stünde ein Beschluss ohnehin an. Womöglich kommt es für die Gemeinde ja noch billiger, wenn man von Leader-Geschäftsführer Martin Kriner eine Antwort erhält, ob eventuell mit einer Förderung gerechnet werden kann. Karl-Heinz Reichert hat jedenfalls den Kampf um den Erhalt von Jägerhaus noch nicht aufgegeben. Jetzt muss nur noch die Bahn mitspielen.

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