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Um den Bildstock am Esterberg kümmern sich (v. l.) Josef Hellweger, Josef Gröbl und Josef Baudrexl vom Handwerkerverein St. Josef Partenkirchen.

Geheime Wahl beim Handwerkerverein St. Josef Partenkirchen

Dürfen bald Frauen Mitglied werden?

Garmisch-Partenkirchen - Der Handwerkerverein St. Josef Partenkirchen steht vor einer wegweisenden Entscheidung: Am Samstag stimmen die Mitglieder darüber ab, ob sie künftig Frauen aufnehmen.

Dieses Geschlechterthema – irgendwie ist’s ein schwieriges. Ob man nichts anderes zu schreiben hätte, fragen die einen. Das dürfe man nicht so hoch hängen, sagen die anderen. Wieder andere wehren sich sofort gegen den Vorwurf der Frauenfeindlichkeit.

Entspannt reagiert mit Sepp Gröbl einer, der sich am Samstag näher mit dem Thema auseinandersetzen wird. Denn nachdem vor einem Jahr eine Bäckermeisterin den Antrag auf Mitgliedschaft im St.-Josef-Handwerkerverein Partenkirchen gestellt hat, stimmen die Männer nun ab, ob sie künftig Frauen aufnehmen. Schriftlich und geheim.

Seine persönliche Meinung zu der Angelegenheit will Gröbl als Vereinsvorsitzender nicht öffentlich verkünden. Er möchte niemanden vor den Kopf stoßen – hofft er doch auf eine Wiederwahl. Also gibt er den Diplomaten. „Lassen wir uns überraschen, wie es ausgeht. Ich kann mit jeder Lösung leben.“

Beide Meinungen vertreten

Der Jahrtag des Handwerkervereins St. Josef Partenkirchen beginnt am Samstag, 19. März, um 9 Uhr mit einem Gedenkgottesdienst in der Kirche Maria Himmelfahrt. Danach findet im Gasthof Fraundorfer die Mitgliederversammlung mit Wahlen statt.

Ein Stimmungsbild kann Gröbl nach eigenem Bekunden nicht zeichnen. Verständlich: Die Vereinsmitglieder treffen sich – anders als beispielsweise die Musikkappellen und Trachtenvereine, die regelmäßig proben – in der Regel nur einmal im Jahr. Oder man läuft sich vereinzelt zufällig über den Weg. In dem einen oder anderen Gespräch hat er, wie schon während der Versammlung vor einem Jahr, beide Standpunkte gehört: Manche, darunter gerade ältere Semester, seien strikt dagegen. Nach der schlagenden Logik, die Gröbl lächelnd wiedergibt: „Wir haben einen Mütterverein. Da dürfen ja auch keine Männer beitreten.“ Manche wiederum zeigen sich offen gegenüber weiblichen Mitgliedern. Ihr Argument: Die Frauen backen bei Veranstaltungen Kuchen, kümmern sich am Bildstock am Esterberg, wo der Verein alle drei Jahre eine Messe zu Ehren des Heiligen Josefs feiert, um den Blumenschmuck. „Dafür wären sie recht, zum Verein dürfen sie aber nicht dazugehen“, argumentieren die Befürworter.

Ein guter Grund für die Öffnung wären Nachwuchssorgen. Über die klagt Vereinschef Gröbl aber nicht. Zwar habe es mal einen Rückgang an jungen Mitgliedern gegeben, „seit zwei, drei Jahren werden’s aber wieder mehr“.

Etwa 160 Männer – nicht nur Josefs, sondern Handwerker aller Art – zählt der Verein. Gröbl hofft darauf, dass möglichst viele am Jahrtag samt Vorstandswahl und Abstimmung teilnehmen. Schriftführer Sepp Habersetzer appelliert an eine rege Beteiligung. Zumindest indirekt: „Leit hoit’s zam, dass ma de oid’n Breich dahoit’n“, hat er auf die Einladung geschrieben. Das will er auf keinen Fall als Aufruf verstanden wissen, gegen die Aufnahme von Frauen zu stimmen. „Das bezieht sich nur darauf, dass mehr Leut’ zur Versammlung gehen."

Katharina Bromberger

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