„Wehret den Anfängen“: Das Werdenfelser Bündnis protestiert gegen braune Umtriebe, hier 2008 bei einer symbolischen „Kehraktion“ in der Murnauer Fußgängerzone – mit dabei in der ersten Reihe Manfred Neupfleger (r.). Foto: Archiv Lory

Hartnäckiger Kampf gegen braunen Sumpf

Murnau - Bunte Vielfalt statt braune Einfalt: Seit zehn Jahren kämpft das Werdenfelser Bündnis in Murnau gegen rechtsradikale Umtriebe - und wirbt für Toleranz und Demokratie. „Nazis haben bei uns keine Chance", stellt Bündnissprecher Manfred Neupfleger klar.

Im Februar 2005 wurde der Grundstein für das Werdenfelser Bündnis gelegt. Schüler des Murnauer Staffelsee-Gymnasiums wollten nicht tatenlos dabei zusehen, wie sich die rechtsextreme NPD mit einem Kreisverband breitmacht - und baten Manfred Neupfleger um Hilfe. Der Hohenpeißenberger, der damals als Gewerkschafter tätig war, musste nicht lange überlegen - und sagte zu. Das Ergebnis konnte sich im Mai desselben Jahres sehen lassen: Eine große Demo mit Kundgebung gegen Rechts in der Fußgängerzone des Marktes mit 400 Teilnehmern, darunter Delegationen der Parteien, Vereine, Kirchen und weiteren Organisationen.

Es blieb nicht bei einer einmaligen Aktion. Die Aktiven des Bündnisses - den harten Kern bilden etwa 20 bis 25 Personen - sind seitdem sofort zur Stelle, wenn es darum geht, friedlich Flagge zu zeigen. „Wann immer das Bündnis zu Aktionen in Murnau aufgerufen hat, um sich gegen die Auftritte der Rechtsradikalen zur Wehr zu setzen, die Bürger von Murnau und Umgebung waren da“, schreiben die beiden Sprecher Neupfleger und Inga Grüttner in einer Pressemitteilung. Die Botschaft ist unmissverständlich: Neonazis sind hier nicht erwünscht! Für die Proteste lassen sich die Macher immer was Neues einfallen: Mal wird gegen Rechts gerockt, mal symbolisch der „braune Dreck“ aus der Ortsmitte „gekehrt“, mal werden Flugblätter der Weißen Rose vorgelesen, mal die „braunen Pfeifen“ lautstark ausgepfiffen - um einige Beispiele zu nennen.

Der Anlaufpunkt für die rechte Szene ist in Murnau der orts- und polizeibekannte Laden des NPD-Funktionärs Matthias Polt am Burggraben. Im Rahmen sogenannter Sonderverkäufe treten dort immer wieder NPD-Größen auf. In letzter Zeit ist es allerdings sehr ruhig geworden. Über die Hintergründe kann nur spekuliert werden. „Sie sind nicht eingeschlafen. Aber sie treten nicht auf, weil sie keine positive Resonanz finden“, vermutet Neupfleger. Dies sei auch ein Verdienst des Werdenfelser Bündnisses. Es habe sich als richtige Strategie erwiesen, mit den Protesten ein starkes Signal gegen Rechts zu senden und die Bevölkerung für dieses Thema zu sensibilisieren. So hätten die braunen Kameraden keine Chance, in Murnau ein öffentliches Lokal für eine Veranstaltung zu buchen. Doch nach Ansicht Neupflegers und Grüttners besteht kein Anlass sich zurückzulehnen. „Man muss sich immer wieder um die Demokratie bemühen“, betont Grüttner.

Mittlerweile ist das Werdenfelser Bündnis eine feste Institution im Landkreis und darüber hinaus. „Unsere Arbeit wird wertgeschätzt“, resümiert Neupfleger. Das war nicht immer so: Es gab in der Vergangenheit auch Stimmen, die davor warnten, den Neonazis zu viel Aufmerksamkeit zu schenken - und auf Demos die Sicherheit der Bürger aufs Spiel zu setzen. 2008 kam es sogar zu einem politischen Eklat, als es darum ging, die passende Antwort auf einen Neonazi-Aufmarsch zu finden.

Die Arbeit des Werdenfelser Bündnisses beschränkt sich nicht nur auf die Organisation von Protesten. Es wird viel Zeit, Energie und Geld in Aufklärung und Prävention gesteckt. Dazu zählen Projekttage an Schulen zusammen mit dem Netzwerk „Demokratie und Courage“. Eine Herzensangelegenheit der Mitstreiter sind die Bemühungen, den gebürtigen Murnauer Christoph Probst (1919 bis 1943), der Mitglied der Weißen Rose, der Widerstandsgruppe im Dritten Reich, war, stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Ein Highlight steht am Sonntag, 8. März, an. Dann findet um 11 Uhr im Kultur- und Tagungszentrum eine Veranstaltung über den Generalstaatsanwalt Fritz Bauer (1903 bis 1968) statt, der in der Nachkriegszeit die NS-Verbrechen vor Gericht brachte. Als Ehrengast wird unter anderem die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin erwartet. (as)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

90 Jahre Zahnradbahn: Noch heute fahren die Loks aus der Gründerzeit
90 Jahre Zugspitze Zahnradbahn: Die erste Zahnradbahn von 1929 fährt heute noch – dank der Werkstatt.
90 Jahre Zahnradbahn: Noch heute fahren die Loks aus der Gründerzeit
Kurioser Anruf: Student will mit Taxi von Bergstation geholt werden - „Bin auf der Terrasse...“
Ethem Genc war baff, als der Taxifahrer mitten in der Nacht einen Burschen an einem denkbar ungünstigen Ort abholen soll: der Alpspitz-Bergstation. Genc rettet ihm …
Kurioser Anruf: Student will mit Taxi von Bergstation geholt werden - „Bin auf der Terrasse...“
Erst die Passion, jetzt das Heimatsound: Festival wird verschoben
Der Sommer in Oberammergau wird heuer kulturell ruhig. Keine Passion, kein Theater - und auch kein Heimatsound-Festival. Die Veranstaltung ist für dieses Jahr abgesagt …
Erst die Passion, jetzt das Heimatsound: Festival wird verschoben
Frontal in den Gegenverkehr: Beteiligte in Klinik eingeliefert
Am Mittwochnachmittag gegen 17.15 Uhr ist es auf der Staatsstraße 2038 zu einem Frontalunfall gekommen.
Frontal in den Gegenverkehr: Beteiligte in Klinik eingeliefert

Kommentare