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Ortsentwicklung

Haus des Gastes: Entscheidung vertagt

Bad Kohlgrub - Welche Zukunft hat das Haus des Gastes in Bad Kohlgrub? Wie viel Geld soll die Gemeinde für die Modernisierung in die Hand nehmen? Auf diese Fragen gibt es keine endgültigen Antworten. Noch nicht.

Was die Gemeinderäte über die Zukunft des Haus des Gastes denken, das hat die Bad Kohlgruber brennend interessiert. Fast alle Sitzplätze für Besucher waren bei der Sitzung der Lokalpolitiker besetzt. Zu hören bekamen diese zwar feurige Reden. Eine Entscheidung fiel im Gremium aber nicht. Einig waren sich die Gemeinderäte darin, dass das Haus des Gastes umgebaut und renoviert werden muss. Nur wie genau? Im Mittelpunkt der Diskussion standen zwei Varianten. Soll die Wandelhalle abgerissen oder in das Nutzungskonzept einbezogen werden? Einen Antrag auf Vertagung hatte die Fraktion „Neue Liste“ gestellt, denn sie wünschte sich eine ausgearbeitete zweite Plan-Variante für die kleine Lösung mit Abbruch der Wandelhalle. Diese würde vorsehen, im Obergeschoss des Hauses einen Sitzungssaal beizubehalten, das Untergeschoss soll Platz für einen Multifunktionssaal oder eine Arztpraxis und die Tourist-Information bieten. „Das würde eine Million weniger kosten“, sagte Martin Niklas mit Blick auf die Alternative, Seminarräume einzurichten. Diese müssten schließlich gepflegt und beworben werden. Und es sei nicht sicher, ob es dafür überhaupt einen Markt gebe.

 Bei der großen Lösung wären im Haus des Gastes die Gemeindeverwaltung, ein Konzert- und Vortragssaal, eine Praxis und weitere Arzt- oder Seminarräume unterzubringen, wie Architekt Otto Fussenegger (Freie Wähler) darstellte, der die Pläne entwickelt hat. „Der vorhandene Seminarraum ist viel zu klein. Ein Bedarf nach Therapie- und Seminarräumen ist da, das weiß ich aus Gesprächen“, argumentierte Michaela Frank (FW). Die Frage, ob Praxen für einen Mediziner oder mehrere Ärzte und/oder Seminarräume entstehen sowie deren Umfang, das war unter den Ratsmitgliedern zunächst sehr umstritten. Bürgermeister Karl-Heinz Reichert (parteifrei), erklärter Fan der großen Lösung, sprach von Anfragen nach Seminarräumen aus dem Bereich der Krankenkassen und Hotels. Im Rahmen der Ortsentwicklung sei es eine gute Idee, im Zentrum Anlaufstellen für das Thema „Gesundheit“ bereitzustellen. Mit einem interessierten Arzt könnte man vor der endgültigen Entscheidung einen Vorvertrag abschließen.

Die Flächen, die für einen Mediziner hergerichtet werden sollten, fand Simon Eickholt (Neue Liste) aber überdimensioniert. Falls überhaupt Bedarf bestehe, könne man immer noch etwas bereitstellen. Ob ein Arzt hineinkommt oder nicht oder auf einer kleineren Fläche, ist für Franz Degele (FW) nicht so entscheidend. „Wir sollten abstimmen und nicht weiter verschieben. Ich möchte eine Entscheidung haben.“ Einen Grundsatzentscheid wollte auch der Bürgermeister. Er sprach von „Hosenflattern, wenn es los geht mit dem Geld.“ Reichert erinnerte daran, dass die Verschuldung der Gemeinde weit unter dem bayerischen Landesdurchschnitt liege. „Wir starten mit einem Plus von 600 000 Euro ins neue Jahr“ – dank solider Haushaltspolitik. 1,4 Millionen Euro müsste die Gemeinde für die große Lösung aufbringen, rechnete Reichert vor, 700 000 Euro für die kleine. Einbezogen hat er dabei einen Zuschuss von 50 000 Euro für die energetische Sanierung und 60 Prozent Unterstützung durch die Städtebauförderung. Der Neuen Liste war das alles zu unklar. „Ich habe ein Problem mit ‚man könnte‘ und ‚vielleicht‘“, sagte Gilbert Ullmann. „Redet’s mal mit den Ärzten. Wir haben es getan und ganz andere Informationen bekommen.“ Allgemein bezweifelte die Fraktion, ob die Säle und Räume im Haus des Gastes wirklich so stark genutzt würden. Ob es wirklich Sinn macht, die Wandelhalle für vermutlich 700 000 Euro zu ertüchtigen, wollen die Neue-Liste-Räte erst geprüft haben. Eine Weile kämpfte der Bürgermeister noch für die von ihm bevorzugte größere Variante. „Es ist nicht so, dass wir nix verändern wollen“, meinte Andreas Wojciak (Neue Liste). Und Nikals ergänzte: „Wir wollten nur eine Planvorlage haben, damit wir vergleichen können“. Nach einer guten Stunde Diskussion strich Reichert dann doch die Segel. „Ich will nicht, dass etwas durchgepeitscht wird.“ So einigten sich die Räte mit einer Gegenstimme darauf, dass im Haus des Gastes Räume für die Gemeinde- und Kurverwaltung sowie für eine Arztpraxis geschaffen werden. Erst nach Vorliegen eines Plans für die zweite Variante soll endgültig abgestimmt werden.

Juliane Klieser

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