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Für die Sanierung des Weihers an der Sonnleiten musste die Gemeinde kein Geld ausgeben. Eine treue Urlauberin spendete Wallgau 7000 Euro.

Zahler im Sparzwang

Wallgau ist knapp bei Kasse

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Wallgau - Der G7-Gipfel hat Wallgau kalt erwischt. Während die Gemeinde im vergangenen Jahr viele Investitionen tätigen konnte, wendet sich nun das Blatt. Die Kommune muss ihren Sparstrumpf wieder auffüllen.

Hans Zahler projiziert ein Bild an die Wand. Eine Zeichnung eines entsetzten Dagobert Duck. Vor der Walt-Disney-Figur prangt ein Schriftzug: „Geldspeicher ist leer.“ Die Illustration hat Wallgaus Kämmerer ganz bewusst gewählt. Denn sie spiegelt die finanzielle Situation, in der sich die Kommune befindet, wider: Ihre Kasse ist alles andere als prallgefüllt.

„2016 wird ein finanziell spannenderes Jahr“, machte Bürgermeister Hansjörg Zahler (CSU) in der Gemeinderatssitzung gleich eingangs deutlich. Worte, die der Kämmerer nur bekräftigen konnte. „Man muss genau überlegen, was man tut“, betont er. Eine überraschende Wende, angesichts des positiven, vergangenen Jahres, in dem wichtige Projekte gestartet werden konnten. Zum Beispiel die Umfahrung der Risserstraße oder die Realisierung des Trinkwassernotverbunds. Außerdem wurde ein Tanklösch-Fahrzeug 3000 angeschafft. Das G7-Jahr hat’s möglich gemacht. „Das waren wegweisende Entwicklungen“, betonte der Rathauschef. Der unerwünschte Effekt: Die Kommune wurde auf dem linken Fuß erwischt. Die Finanzkraft ist gestiegen und das wirkt sich auf den Etat 2016 massiv aus.

Eine Konsequenz der guten Vorjahres-Ergebnisse zeigt sich auch bei den Schlüsselzuweisungen. Gute Ausgangssituation heißt weniger Geld vom Freistaat. Bedeutet für Wallgau: Auf rund 50 000 Euro muss die Gemeinde verzichten. Besonders schwer ins Gewicht fällt auch die höhere Kreisumlage. Während Wallgau im Vorjahr 563 000 Euro zahlen musste, schlagen heuer voraussichtlich 657 000 Euro zu Buche, also knapp 100 000 Euro mehr. Der Negativ-Trend zieht sich wie ein roter Faden durch den kompletten Plan des Kämmerers. Ein Minus im Verwaltungs- sowie im Vermögenshaushalt und somit beim Gesamtvolumen. Voraussichtlicher Schuldenstand am Ende des Jahres: 509 000 Euro. Darin enthalten: Ein Kredit von 250 000 Euro, den die Gemeinde aufnehmen werden muss, um die geplanten Investitionen schultern zu können. Dafür entnimmt sie zudem 214 000 Euro aus dem Sparbuch.

Damit aber noch nicht genug: Die Isartaler Gemeinde wird allem Anschein nicht in der Lage sein, Geld vom Verwaltungs- in den Vermögenshaushalt zu schieben. Im Gegenteil, es geht in die andere Richtung: Zirka 101 000 Euro wandern in Ersteren. Verbessert sich die wirtschaftliche Situation nicht, drohen laut Hans Zahler sicher irgendwann Steuererhöhungen.

Über Wallgau ziehen dunkle Wolken auf. Ein denkbar schlechter Zeitpunkt, wo die Gemeinde mit den Vorhaben im Rahmen der Dorferneuerung doch gerade versucht, den Ort für die Zukunft zu rüsten. Der Bürgermeister befürchtet, dass Vorhaben ob der angespannten Lage gestoppt werden könnten. Zahler zittert um seine ehrgeizigen Projekt-Pläne. „Es wäre ein falsches Signal, wenn wir wegen des Haushalts alles ablehnen“, sagte er mit kräftiger Stimme.

Ein bisschen schockiert angesichts des Zahlenwerks, das einstimmig abgesegnet wurde, zeigte sich Hans Baur (Junge Mitarbeiter). „Das schaut viel schlechter aus als wir gemeint haben.“ Er forderte „unbedingte Disziplin“ bei den Ausgaben. Denn eines steht für ihn fest: „Wir können ehrgeizige Projekte nicht so locker finanzieren.“ Die Gemeinde stehe vor einem „echten Problem“. Für die Panzerknacker würde sich ein Diebstahl in Wallgaus Geldspeicher jedenfalls nicht lohnen.

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