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Zurück in Lansing: Joseph Brunner (Wilhelm Manske).

Heimweh nach Lansing

Murnau - Haupt-Rolle rückwärts: Der Murnauer Schauspieler Wilhelm Manske kehrt für einige Wochen als Joseph Brunner zu „Dahoam is Dahoam“ zurück.

Ein wenig vermischen sich Realität und Fiktion bei Wilhelm Manske (63): Dahoam is dahoam - das gilt für ihn im Film ebenso wie im wahren Leben.

Vor über einem Jahr verabschiedete Manske sich von seiner Hauptrolle als Brunnerwirt, stieg nach 1235 Folgen aus der Fernseh-Serie „Dahoam is Dahoam“ aus. Die Figur Joseph Brunner und ihr Darsteller brauchten Abstand. Brunner verließ im Dezember 2013 das fiktive Dorf Lansing, um mit seiner neuen Freundin Angie zunächst in Lindau und langfristig auf Teneriffa zu leben. Manske, der in Murnau-Hechendorf wohnt, wollte sich wieder verstärkt der Theaterarbeit widmen, nicht nur vor der Kamera am Tresen stehen und Bier zapfen. Doch letztlich hielt er nicht allzu lange durch. „Ich hatte einfach Heimweh nach Lansing“, sagt Manske und lacht. „Das Team ist eine große Familie, das Verhältnis zu den Kollegen hervorragend - da ist man dahoam.“ Die Brunnersche Wohnküche sei immer sein Lieblingsspielplatz, seine Filmmutter Ursula Erber „eine äußerst reizende und kluge Frau“. Also kehrt Manske alias Brunner nach Lansing zurück, für rund fünf Wochen. Joseph Brunner kommt in der Folge am Dienstag, 3. Februar, überraschend ins TV-Dorf und bleibt erst einmal.

Manske selbst forcierte sein Comeback in der Serie des Bayerischen Fernsehens (montags bis donnerstags um 19.45 Uhr): „Ich bin in die Offensive gegangen.“ Auch, weil der 63-Jährige feststellte, dass er vielen Zuschauern fehlte in den Monaten der Absenz: „Die Leute haben mich vermisst und sehr, sehr oft darauf angesprochen, wann ich wieder komme.“ Da erkannte er: „Ich habe eine Aufgabe zu erfüllen, die Menschen freuen sich, wenn sie mich sehen.“

Bei Manske bestätigte sich eine allgemein gültige Erfahrung: Wie sehr jemand an etwas hängt, zeigt sich oft erst, wenn er es nicht mehr hat. Von 2007 bis 2013 besaß Manske bei „Dahoam is Dahoam“ eine Art Rentenvertrag: ein für die Branche relativ langfristig gesichertes Ein- und Auskommen. „Aber irgendwann war ich erschöpft.“ Drei- bis viermal pro Woche wurde in Dachau gedreht. Um 6 Uhr stand Manske auf, um 8 Uhr saß er in der Maske, die Arbeitstage gingen oft bis 19.30 oder 20.30 Uhr, dann musste er nach Hause nach Murnau fahren. In der Wirtsrolle erlebte er Höhen und Tiefen: „Da gibt es oft nicht viel zu tun, aber man muss trotzdem da sein und Bier zapfen. Doch ich hatte natürlich auch viele schöne Dinge zum Spielen.“ Heute räumt er ohne Zögern ein: „Mein Ausstieg war nicht die richtige Entscheidung.“

Also hofft er, dass es nicht bei einer mehrwöchigen Rückkehr nach Lansing und damit einem zeitlich begrenzten Gastauftritt bleibt. Das liege auch in der Macht der Zuschauer, betont Manske. In seinem Interesse wäre eine (Haupt-)Rolle rückwärts, ein erneutes längerfristiges Engagement, auch aus wirtschaftlichen Gründen: „Die Auftragslage ist für Schauspieler generell nicht so toll“, betont Manske, der in Murnau unter anderem diverse Theaterproduktionen und Lesungen stemmte. Im vergangenen Jahr drehte er in Italien zudem die zwölfteilige Serie „Grand Hotel“, die Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts angesiedelt ist. Manske spielt darin den jüdischen Finanzier Aaron Morgenstern. Im Frühjahr soll die Serie in Italien auf Sendung gehen, anschließend in Deutschland. Zudem wirkte Manske als Theaterproduzent („künstlerisch ein Erfolg, finanziell ein Flop“) und im Hochschulfilm „Das Duett“ mit - ein Projekt, das Spaß machte. Im November und Anfang Dezember kehrte er dann für die Dreharbeiten nach Lansing zurück.

Als Privatmann ist Manske in Murnau dahoam. 1972 kam der gebürtige Passauer durch die Bundeswehr in die Marktgemeinde. Als er in München ein Studium zum Sozialarbeiter aufnahm, sei er durch Rollenspiele „zum Theaternarren geworden“. Schließlich bekam er sein erstes Schauspiel-Engagement in Marburg, die Karriere, die unter anderem eine Vielzahl bekannter Fernseh- sowie mehrere Kinoproduktionen umfasst, kam ins Laufen. Höhepunkt für Manske: seine kleine Rolle als SS-Unteroffizier in Steven Spielbergs mit sieben Oscars ausgezeichneten Holocaust-Drama „Schindlers Liste“. Als 1999 eine langjährige Beziehung zerbrach, kehrte Manske nach Murnau zurück. Zwei (ehemalige Arbeits-)Plätze haben es ihm besonders angetan: das Staffelsee-Freibad, in dem er sich 1973 und 1974 als Bademeister verdingte, und das Kaffeehaus Krönner, in dem er einst bediente. Heute frühstückt er gerne im Café, kehrt abends auf einen Schoppen ein oder tritt bei kulturellen Veranstaltungen auf. „Und ich freue mich, wenn ich ab und zu mal einen Tisch abräumen kann“, sagt Manske wohl halb im Scherz. Ansonsten geht er gerne abseits der Touristenstrecken spazieren - sein Dackel-Corgi-Mischling, den er mit einer Behinderung an einer Pfote aus dem Garmisch-Partenkirchner Tierheim geholt hat, braucht Auslauf.

Auch beruflich will Manske in Bewegung bleiben: Er würde gerne in weiteren Kinoproduktionen mitwirken, träumt zudem von einer Kommissarsrolle. Und wie erwähnt ist auch Lansing ein alter, neuer Sehnsuchtsort.

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