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Warten, warten: Wer eine Karte für die Auffahrt zur Zugspitze kaufen will, muss sich in Geduld üben.

Das sagen die Experten vor Ort

Heizt Terrorangst den Tourismus an?

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Garmisch-Partenkirchen - Das Schlangestehen an den Kartenschaltern der Bayerischen Zugspitzbahn ist derzeit an der Tagesordnung. Die Wartenzeiten betragen mehr als eine Stunde. Die Folge des Touristenbooms, der womöglich mit den Terroranschlagen im Zusammenhang steht.

Der Schlangenberater. Er braucht keine fundierten Reptilien-Kenntnisse, kein Studium über Kreuzotter, Klapperschlange und Kobra. Der Schlangenberater kommt auch nicht im Tierpark Hellabrunn zum Einsatz. Sondern bei der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB), an den Talstationen der Eibsee-Seilbahn und der Zahnradbahn. Dort nämlich warten an schönen Tagen derzeit hunderte Besucher, die auf die Zugspitze fahren möchten. Die geschulten BZB-Mitarbeiter weisen diese auf die Wartezeiten hin, beantworten Fragen und zeigen Alternativen auf: Anstatt sich bis zu zwei Stunden anzustellen, könnten die Gäste auf den Wank oder das Kreuzeck fahren. Schlangenberatung eben.

Klaus Schanda, Marketing-Chef der Zugspitzbahn, sagt, der Service wirkt: Es gebe kaum Beschwerden. Die meisten Gäste nehmen ihm zufolge aber die langen Wartezeiten in Kauf; sie wollen einfach auf Deutschlands höchsten Berg.

Die Zugspitze und Garmisch-Partenkirchen funktionieren als Marken. Das ist nicht neu. Seit einigen Jahren bereits kann Tourismusdirektor Peter Nagel permanent positive Nachrichten zu Besucher- und Übernachtungszahlen verkünden. Sie steigen und steigen. Natürlich liegt das an professioneller Arbeit, an der vielfach zitierten Marktbearbeitung im Ausland. Nur kommt in diesen Zeiten möglicherweise ein weiterer, ein trauriger Faktor hinzu: der Terror in der Welt.

"Einheimische müssen Tourismus mittragen"

„Das ist doch gut für euch.“ Diesen Satz hat Peter Nagel in diesem Zusammenhang schon öfter gehört. Garmisch-Partenkirchen profitiere doch von der unsicheren Lage. Ob es so ist, kann der Tourismusdirektor aktuell nicht mit Zahlen belegen. Sein Gefühl und Gespräche mit Bekannten und Freunden aber sagen ihm: Es könnte stimmen. Viele von ihnen wollen im Urlaub nicht mehr weit wegfahren – so könnten auch andere reagieren. „Dass man hier aber Freude entwickelt, halte ich für grundfalsch.“ Auch will Nagel nicht von einem Vorteil für Garmisch-Partenkirchen sprechen. „Im Gesamten gesehen ist das einfach traurig.“

Generell verweist der Tourismusdirektor auf die Vielzahl an Faktoren, die die Besucherzahlen in Garmisch-Partenkirchen steigen lassen. Allen voran die kontinuierliche Arbeit eines großen Teams, zudem die Tatsache, dass sich die Jahreszeiten verschieben. Die klassischen „Löcher“ im Januar, November und April gibt es nicht mehr. „Wir haben nur noch ganz wenig Nebensaison, der Ort kommt kaum zur Ruhe.“ Einerseits eine gute Nachricht, andererseits eine Herausforderung. Man dürfe den Ort und die Bürger nicht überfordern und nicht überfrachten. „Einheimische müssen den Tourismus mittragen.“ Egal, woher die Gäste und aus welchem Grund sie nach Garmisch-Partenkirchen kommen.

Klaus Schanda von der Zugspitzbahn glaubt durchaus, dass die schwierige politische Lage in anderen Ländern sowie die Nachrichten von Attentaten eine Rolle spielen bei der Entwicklung der Besucherzahlen. „Gefühlsmäßig bleiben mehr Leute hier.“ Er macht es auch an Zahlen fest: Im internationalen Geschäft verzeichnet er leichte Einbußen. Beispielsweise stornierten einige Touristen aus Hongkong ihre Reise nach dem Attentat von Würzburg, bei dem eine Familie aus Hongkong schwer verletzt worden war. Schandas Eindruck: „Deutsche Gäste gleichen das Defizit aus.“ Um konkrete Aussagen über die Entwicklung treffen zu können, arbeitet die BZB gerade an einer Gästestrukturanalyse. Soll heißen: Beim Ticketverkauf fragen die Mitarbeiter die Touristen, woher sie kommen und notieren ihre Postleitzahl.

An schönen Tagen während der Ferien haben sie viel zu tun. Ein Beispiel von vergangenem Mittwoch: 4311 Gäste fuhren von der bayerischen Seite aus entweder mit der Zahnrad- oder der Eibsee-Seilbahn auf die Zugspitze. Zwischen einer und zwei Stunden mussten sie dafür anstehen. 4600 Gäste und bis zu drei Stunden Wartezeit verzeichnet Schanda für den Tag genau ein Jahr zuvor. Zahlen, bei denen die Zugspitzbahn reagiert: Sie stellt den Ticketverkauf ein. Und schickt Schlangenberater los.

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