Glückliche Familie: Marion Radina (v.l.) mit Patin Amparo Gaum, Ehemann Heiko sowie dem Nachwuchs (v.l.) Victoria (5), Baby Julian (9 Monate) und Benjamin (2). Foto: wilz

Helfendes Rädchen im turbulenten Gefüge

Murnau - Jede Familie stellt mit ihren individuellen Höhen und Tiefen eine kleine Welt für sich dar. Manchmal wird Hilfe von Außen benötigt, um den turbulenten Alltag besser meistern zu können. Die fünfköpfige Familie Radina aus Murnau nimmt das Angebot der Familienpaten in Anspruch, das von der Mütterinitiative Murmel ins Leben gerufen wurde.

Murmel vermittelt Paten wie Amparo Gaum (66), die sich an einem Tag pro Woche unterstützend am Familienleben beteiligen. „Ich liebe Kinder und möchte meine Zeit in Rente sinnvoll gestalten“, meint Gaum, die selbst zwei Kinder und vier Enkel hat. Allerdings sieht sie ihre Familie aufgrund der räumlichen Distanz nur sporadisch.

Da sind die Radinas ein willkommener Ausgleich. Victoria (5), Benjamin (2) und Baby Julian (9 Monate) haben die gebürtige Kolumbianerin mit der sanften Stimme gleich ins Herz geschlossen. Für Mutter Marion (39), die momentan noch Unterstützung durch ihren Mann Heiko (39) erfährt, der in Elternteilzeit ist, stellt das eine zusätzliche Erleichterung dar: „Benjamin puzzelt gerne mit Amparo, während ich in der Küche bin oder im Keller Wäsche mache“, sagt sie. Auch wenn alle zusammen den Spielplatz besuchen, kann sich die Mutter dank Gaum auch einmal in Ruhe mit Freunden unterhalten. Das weiß Radina zu schätzen: „Es gibt Momente, da könnte ich mich durch Drei teilen, weil jedes Kind etwas anderes braucht“, erzählt sie.

In solchen Situationen ist Gaum durch ihre neutrale Art hilfreich. In einer 30-stündigen Schulung mit drei Modulen erfuhr sie Kompetenzen in Sachen Gesprächsführung, Nähe und Distanz, Familienphasen oder Selbstreflexion. „Ich fand das wahnsinnig spannend und habe viel dabei gelernt“, sagt sie. Auch über die Ausbildung hinaus werden die ehrenamtlichen Familienpaten von den Koordinatorinnen fachlich begleitet. Monatlich statt findende Treffen ermöglichen einen gegenseitigen Austausch der Paten untereinander. „Es tut gut zu wissen, dass man bei möglichen Problemen eine kompetente Anlaufstelle hat“, befindet Gaum.

Die Erste Murmel-Vorsitzende Kirsten Bombe-Sponar ist von dem Konzept ebenfalls begeistert: „Da Großfamilien aussterben, decken wir mit diesem Angebot den Bedarf von Familien ab, die Kleinkinder im Alter von null bis drei Jahren haben“, erklärt sie. Derzeit sind in Murnau fünf Patinnen tätig, die insgesamt sechs Familien betreuen. Den genauen Ablauf mitsamt Zeiten regeln die Beteiligten individuell. Auch wenn die Hilfe nicht mehr benötigt wird, ist eine Freundschaft über den Bedarfszeitraum hinaus möglich. „Wir werden den Kontakt auf jeden Fall halten, denn Amparo ist zu einem Teil unserer Familie geworden“, sagt Marion Radina. Constanze Wilz

Weitere Informationen:

Wer sich als Familienpate zur Verfügung stellen möchte oder selbst Bedarf hat, meldet sich bei Kirsten Bombe-Sponar unter Telefon: 08841/627007 oder bei Susanne Giesler-Fauser vom SOS Kinderzentrum Garmisch-Partenkirchen unter der Nummer: 08821/9434617. Das erste Modul der nächsten Schulung ist von Freitag auf Samstag am 24./25. Juni im SOS-Kinderzentrum in der Parkstraße 8 in Garmisch. An diesem Freitag findet zusätzlich von 15 bis 17 Uhr ein offenes Info-Café in denselben Räumlichkeiten statt. Modul 2 läuft am 15./16. Juli im Murnauer Mütterzentrum ab. Modul 3 ist am 30./31. Juli im SOS-Kinderzentrum Garmisch. Der Einstieg in die Schulung ist jederzeit möglich.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Der Wolf ist da! Spuren am Hörnle gesichtet
Was für eine Entdeckung! Ein Jäger hat im Bereich Aufacker/Hörnle Spuren eines Wolfes gefunden. Ein Experte geht von einem jungen Tier aus. 
Der Wolf ist da! Spuren am Hörnle gesichtet
Maschkera-Umzug: Ein Ort steht Kopf
Der Unsinnige Donnerstag in Mittenwald hätte nicht schöner sein können: Maschkera und tausende Schaulustige bevölkerten bei Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen …
Maschkera-Umzug: Ein Ort steht Kopf
Stromverträge: Tricksereien am Telefon
Mittenwalder werden derzeit mit unerlaubter Telefonwerbung konfrontiert. Dubiose Strom-Anbieter sind auf Kundenfang.
Stromverträge: Tricksereien am Telefon
Stirbt die Mundart im Werdenfelser Land aus?
Die Dialekte haben einen schweren Stand. Kinder reden eher nach der deutschen Schriftsprache. Um dem Verlust der Mundarten entgegenzuwirken, sind nun Eltern, Erzieher …
Stirbt die Mundart im Werdenfelser Land aus?

Kommentare