Voll in seinem Element: Dr. Bernhard Zenke genießt die Termine draußen vor Ort. foto: fkn

Der Herr über die weiße Gefahr

Landkreis - Nach 28 Jahren ist Schluss: Dr. Bernhard Zenke , der Leiter der Münchner Lawinenwarnzentrale, geht in Ruhestand.

Auf diesen einen Tag Mitte Dezember freut sich Dr. Bernhard Zenke jetzt schon. Auf den ersten Morgen nach 28 Jahren, an dem sich der Leiter der Münchner Lawinenwarnzentrale den Lawinenlagebericht entspannt bei einer Tasse Kaffee am Frühstückstisch zu Gemüte führen kann. „Ich wechsele jetzt auf die Nutzerseite“, sagt der Murnauer und schmunzelt. Dann dann endet seine Dienstzeit, Zenke geht in den Ruhestand.

Seit 1986 muss der Murnauer im dreiwöchigen Wechsel mit zwei weiteren Kollegen frühmorgens, ab 5.30 Uhr, Messdaten aufarbeiten und Frühbeobachter abtelefonieren, um aus den gesammelten Werten die Lawinengefahr auf der fünfteiligen Skala einzuordnen. Und es herrscht Zeitdruck: „Um 7.30 Uhr muss der Lagebericht fertig sein“, verdeutlicht Zenke. Dann wollen die Skifahrer wissen, ob sie sich ohne Gefahr auf die Bretter stellen können. Täglich geht das Infoblatt an 4500 Mailadressen. Auf die Website der im Landesamt für Umwelt verankerten Lawinenwarnzentrale wird im Winter etwa eine Million Mal zugegriffen.

Doch der 64-Jährige kennt auch noch die Zeiten, in denen der Lagebericht per Telex verbreitet wurde. Allerdings nur an Gemeinden, Polizeidienststellen und Bergbahnen. Wintersportler konnten sich nur per Telefon mittels Tonbandansage informieren.

Mit fünf Semestern Informatikstudium, die Zenke vor seinem Studium zum Diplom-Forstwirt absolvierte, sorgte er dafür, dass die Lawinenwarnzentrale in Sachen Computertechnik immer am Puls der Zeit war. Allerdings war diese innovative Technik nicht gerade billig. „Ein im Jahre 1989 angeschafftes Computersystem für einfache Text- und Datenverarbeitung kostete rund 50 000 D-Mark“, erinnert sich der 64-Jährige.

Wegbegleiter seiner ersten Stunde waren die beiden ehemaligen Polizeibergführer Franz Pritzl (84, Garmisch-Partenkirchen) und Horst Rosenberger (83, Mittenwald). Männer, die als Pioniere der bayerischen Lawinenforschung gelten: „Er war sehr fleißig und hat sich gut und schnell eingearbeitet“, erinnert sich Pritzl an Zenke. „Wir haben uns gut vertragen“, ergänzt Rosenberger.

Auf internationaler Ebene ist Zenke ebenfalls ein geschätzter Lawinen-Fachmann. Die heutzutage europaweit geltende Skala war schwierig umzusetzen, da es nationale Interessen der einzelnen Länder zu überwinden galt: „Mir ist es glücklicherweise gelungen, diese Vorbehalte auszuräumen.“

Am meisten gefielen Zenke die Treffen mit den Ehrenamtlichen, die in den Lawinenkommissionen draußen arbeiten: „Die sind gradlinig und setzen ihre Ideen um. Dabei stehen sie für ihre Entscheidungen, Pisten und Straßen zu sperren, vor Ort nicht selten in der Kritik. Das ist bewundernswert“, sagt der Murnauer anerkennend. Mittenwalds Lawinenkommissions-Chef Heinz Pfeffer kann das Lob nur zurückgeben. „Wir können uns voll auf ihn verlassen. Er hat uns in schwierigen Situationen bestens unterstützt.“ Zenke gibt aber auch offen zu: „Bei diesen Außendienstterminen kam ich als Schreibtischtäter nicht selten ins Schwitzen. Ich bin zwar kein schlechter Skifahrer, aber mit den Profis kann ich einfach nicht mithalten.“ ro

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