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SPD-Granden – lokal und national: (v. l.) Enrico Corongiu und Elisabeth Maise-Ball ( beide stellvertretende Kreisvorsitzende), Herta Däubler-Gmelin, Kreisvorsitzende Dr. Sigrid Meierhofer und Martin Wohlketzetter, Fraktionsvorsitzender im Kreistag.

Scharfzüngige Politikerin zeigt sich bei der Landkreis-SPD wenig scharfzüngig

Däubler-Gmelin sorgt sich um Zivilgesellschaft

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Garmisch-Partenkirchen - Der Besuch von Herta Däubler-Gmelin beim Neujahrsempfang der Landkreis-SPD weckte Erwartungen - an eine scharfzüngige Rede undintensive Debatte. Nichts davon war geboten. 

Die Stuttgarter Zeitung schrieb 2013 zu Herta Däubler-Gmelins 70. Geburtstag, sie sei scharfzüngig, rechthaberisch, mit einer ausgeprägten Tendenz das letzte Wort zu behalten. Die selbstbewusste Rechtspolitikerin sei bei vielen ihrer Genossen eher gefürchtet als beliebt. Wenn Däubler-Gmelin am Ende ihrer Ausführungen noch ein ultimatives „gell“ abfeuere, zucke der Kontrahent im Diskurs erst mal zusammen und brauche Zeit, sich zu sammeln. Davon ist am Samstagnachmittag beim Neujahrsempfang der Landkreis-SPD im Bräustüberl nichts zu merken. Däubler-Gmelin spricht immer im selben Tonfall und derselben Lautstärke, und eine Diskussion zu ihren Thesen, die sie anbietet, kommt nicht zustande.

Die Frau mit der roten Mütze, dem roten Rollkragenpullover, dem schwarzen Gehrock und der schwarzen Hose – „mit politischer Farbenlehre hat das nichts zu tun“ – kommt beim Publikum an. Kein Wunder: Es ist ein Heimspiel, obwohl Garmisch-Partenkirchen für die Tübingerin – Landsfrau von Dr. Sigrid Meierhofer – kein gewohntes Parkett ist. Was Däubler-Gmelin zu sagen hat, interessiert nicht nur die SPD-Basis, sondern auch den politischen Gegner. Aufmerksame Zuhörer unter den rund 100 Personen sind CSU-Landtagsabgeordneter Harald Kühn und sein Partei-Freund Dr. Michael Rapp, der stellvertretende Landrat.

Seit 2009 gehört Däubler-Gmelin, ehemalige Justizministerin (1998 bis 2202), nicht mehr dem Berliner Parlament an. Ihr Engagement hat seitdem nicht nachgelassen. „Nur weil ich nicht mehr im Bundestag sitze, höre ich ja nicht auf, mich um das Schicksal der Menschen zu kümmern.“ Das zeigte sie beim Festvortrag, den sie zum Thema „Blick nach vorn: Was jetzt zu tun ist“ hielt. Sie sorgt sich um die Zivilgesellschaft, um deren auseinanderbrechen sie fürchtet, weil viele Probleme der heutigen Zeit unbewältigt sind. Sie spricht rund eine Stunde lang auch von Stimmungen, die zu Beginn 2016 „ganz Besondere sind“. Und sie kritisiert die Medien, die diese Stimmungen befeuern, „weil die lieber über Skandale berichteten. Die anwesenden natürlich ausgenommen“, sagt sie und hat damit die Lacher auf ihrer Seite.

Breiten Raum nimmt neben Klimawandel, Energiewende und EU-Krise das bei Däubler-Gmelin ein , was Kreisvorsitzende Dr. Sigrid Meierhofer, zugleich Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin, in ihrer Einleitung „Flüchtlingskrise“ nennt. Mit der war Meierhofer in den vergangenen Tagen hautnah beschäftigt. Mit deren Management und den Sturm gegen ihre Person, den sie losgetreten hat. Sie hatte beim Neujahrsempfang der Marktgemeinde und des Marshall Centers am vergangenen Mittwoch davon gesprochen, dass es die Ankündigung gebe, das Abrams – wo derzeit bis zu 330 Migranten untergebracht sind – solle als dauerhafte Unterkunft für bis zu 1500 Asylbewerber genutzt werden. Dashalb hatte sie am 4. Januar einen „Brandbrief versandt“, der an verschiedene Adressaten auf Regierungsebene gerichtet war und der dieses Thema zum Inhalt hatte. „Nachdem bis zum Neujahrsempfang kein Dementi vorlag, hatte ich mich entschlossen, diese Meldung zu veröffentlichen.“ Laut Regierung von Oberbayern heißt es, sie habe da etwas wohl falsch verstanden. Meierhofers Reaktion: „Das soll mir Recht sein. Ich werte das als gute Nachricht.“

Die einzige an diesem Nachmittag. Denn das Bild, das Däubler-Gmelin von der Zukunft malte, war weder scharfzüngig noch rechthaberisch, sondern eher nachdenklich.

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