+
Prachtstück: Auch wegen seines mächtigen Geweihs zählt der geschossene Hirsch zur Güteklasse. Thomas Bär, Zweiter Vorsitzender der Kreisgruppe im Landesjagdverband Bayern, sicherte sich die Trophäe.

Hirsch sorgt für Zündstoff

Oberammergau/Wildsteig - Große Empörung unter den Jägern: Der Forstbetrieb Oberammergau hat einen kapitalen Hirsch geschossen. Sie werfen der Behörde vor, Vorgaben zu missachten. Diese muss sich nun erklären.

Ein Hirsch hat die kontroverse Debatte zwischen Förstern und Jägern angeheizt. Besser gesagt: sein Tod. Das Prachtexemplar der Klasse 2A, dessen Geweih mit 21 Enden mehr als sieben Kilogramm wog, wurde von einem Mitarbeiter des Forstbetriebs Oberammergau erlegt. Dafür haben viele Jäger kein Verständnis, allen voran Thomas Bär. „Es gab keine Notwendigkeit, das Tier zu schießen“, ärgert sich der Zweite Vorsitzende der Kreisgruppe Garmisch-Partenkirchen im Landesjagdverband Bayern. „Er war weder alt, noch krank.“ Eher das Gegenteil sei der Fall: Der Hirsch sei nach Bärs Worten „ein Garant für den Fortbestand des Rotwilds“ gewesen.

Doch im Bereich Unternogg und Wildsteig scheinen sich die Tiere wohlzufühlen. „Da gab es viele dieser Sorte“, sagt der Leiter des Forstbetriebs Oberammergau, Meinhard Süß. „Sie haben die Rinde von den Bäumen geschält, was zu massiven Schäden geführt hat." Deshalb habe er einen Abschussantrag bei der Unteren Jagdbehörde am Landratsamt Garmisch-Partenkirchen gestellt. „Wir haben angegeben, wo wir Wild schießen wollten, und die Genehmigung erhalten“, beteuert Süß.

Eine Genehmigung lag vor, aber nicht für den Hirsch im Wildsteig. Zwar gab es nach Angaben des Landratsamtes einen „einstimmig beschlossenen Abschussplan“, den die Untere Jagdbehörde, der Kreisjagdberater, der Jagdbeirat, dem auch Bär angehört, sowie der Forstbetrieb Oberammergau zugestimmt haben. Er sieht vor, dass fünf Hirsche der wertvollen Klasse in Schutzwald-Sanierungsflächen erlegt werden dürfen. Das sind Gebiete, die besondererer Pflege bedürfen. Auch einem Antrag des Forstbetriebs auf Erhöhung des Plans um zwei weitere Hirsche der 2A-Klasse in diesen sensiblen Flächen stimmte die Behörde zu.

„Da der Bereich Wildsteig nicht zu einem Sanierungsgebiet zählt, wird der Forstbetrieb Oberammergau zunächst aufgefordert, Stellung zu nehmen“, teilte Landratsamts-Sprecher Wolfgang Rotzsche mit. Rechtsverbindlich sind diese Vorgaben der Behörden und Gremien nach Anagben von Bär ohnehin nicht. Von der Tötung dieses Hirsches habe die Untere Jagdbehörde „erst im Vorfeld der Hegeschau Kenntnis erhalten“.

Doch Süß verweist in seiner Argumentation auch auf gesetzliche Regelungen. Es gelte der Grundsatz „Wald vor Wild“. Deswegen kann er den Unmut der Jäger nicht verstehen. Noch dazu sei er Bär und seinen Kameraden nicht zur Rechenschaft verpflichtet.

Die hatten den Abschuss dieses Hirsches bei einer Versammlung des Hegerings Werdenfels Süd in Farchant Ende April auf das Tablett gebracht, an dem auch Süß teilgenommen hat. Die Zurückhaltung des Forstbetriebsleiters ärgert Bär; er spricht von einem „emotional sehr angespannten Gespräch“ bei diesem Treffen. Seine Reaktion begründet Süß damit, dass der Abschuss gar nicht im Bereich des Hegerings Werdenfels Süd stattgefunden habe. Süß betont, dass es seinem Betrieb nur darum gegangen sei, den Wald zu schützen.

Für Bär zählt dieses Argument nicht, sondern die Tatsache, dass der Hirsch in einem Gebiet geschossen wurde, wo es nicht vorgesehen war. „Der Forstbetrieb hält sich nicht an Vorgaben“, empört sich Bär. „Das Tier wurde einfach über den Haufen geschossen.“

Janine Tokarski

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bergwald in Flammen: Über 100 Einsatzkräfte kämpfen gegen Brand
Ein Großeinsatz forderte über 100 Einsatzkräfte rund um Ohlstadt im westlichen Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Ein Bergwald stand am Ostersonntag in Flammen.
Bergwald in Flammen: Über 100 Einsatzkräfte kämpfen gegen Brand
Schröter erhebt schwere Vorwürfe gegen Bürgermeisterin Meierhofer
Hat Bürgermeistern Dr. Sigrid Meierhofer in Sachen Bahnhofstraße ihre Kompetenzen überschritten und Geld in einer Höhe zugesagt, das sie nicht durfte? Das glaubt …
Schröter erhebt schwere Vorwürfe gegen Bürgermeisterin Meierhofer
Seehausen kleckert nicht, sondern klotzt
Kräftig gebaut, saniert und geplant wird heuer in Seehausen. Die Gemeinde investiert mehr als fünf Millionen Euro. Die Mandatsträger haben den Haushalt 2019 einmütig …
Seehausen kleckert nicht, sondern klotzt
Farchant freut sich auf den Fingerhakler-Nachwuchs
Bis zu 150 Teilnehmer werden erwartet, wenn es am Ostermontag um die Schülermeisterschaft im Gau Werdenfels  geht.
Farchant freut sich auf den Fingerhakler-Nachwuchs

Kommentare