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Eingestiegen und losgefahren: Mit diesem VW-Bus der Wasserwacht tourt Klaus Neuner nach Simbach.

"Die Bewohner hatten keine Chance"

Hochwasser in Simbach: Wasserwacht-Chef initiiert Soforthilfe

Riegsee - Das ist unbürokratische Hilfe: Riegsees Wasserwacht-Chef Klaus Neuner sammelte für die Hochwasseropfer in Simbach. Und brachte das Spendengut persönlich nach Niederbayern. 

Die Fernsehbilder aus dem vom Hochwasser schwer in Mitleidenschaft gezogenen Simbach am Inn in Niederbayern haben den Ortsgruppenleiter der Wasserwacht Riegsee, Klaus Neuner, tief betroffen gemacht. „Wir müssen diesen Leuten, die alles verloren haben, helfen“, beschlossen er und seine Frau Birgit. Spontan griff er zum Telefonhörer und rief diverse Berufskollegen – er ist Oberkommissar bei der Polizei Murnau – sowie bei Mitgliedern seiner Wasserwacht-Ortsgruppe mit der Bitte um Spenden an.

Mit überwältigendem Erfolg: Bereits einen Tag später konnten er und seine Frau den VW-Bus der Wasserwacht (mit langem Radstand) bis zum Dach mit Hilfsgütern füllen, darunter Bekleidung für Kinder und Erwachsene, Hygieneartikel, Lebensmittel und Tiernahrung – über 25 große Plastiksäcke voll.

Die Fahrt nach Simbach – von Murnau aus sind es etwa 220 Kilometer – gestaltete sich nach seinen Worten aber ziemlich schwierig: „Überall waren die Straßen gesperrt, wir mussten rund 100 Kilometer Umwege fahren, und waren insgesamt an die vier Stunden unterwegs.“

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Über Facebook hatten sie erfahren, dass sie am Bauhof der Gemeinde Simbach, wo ein Lager für Hilfsgüter eingerichtet war, ihre Fracht abliefern konnten. „Wir haben mit Helfern gesprochen“, sagt Neuner sichtlich bewegt, „sie haben Erschütterndes berichtet. Die Lage war zu diesem Zeitpunkt noch sehr dramatisch.“ Besonders berührt hatte ihn und seine Frau die Geschichte eines Buben, der sich trockene Kleidung holen wollte, aber nichts Passendes fand. „Da haben ihm die Helfer ein Kuscheltier geschenkt.“ Der Kleine war daraufhin in Tränen ausgebrochen und sagte, dass er nicht einmal mehr ein Kuscheltier habe, bei ihm zu Hause sei alles zerstört.

Trinkwasserversorgung ist zusammengebrochen

„Bis zu 500 Häuser sind durch die Fluten unbewohnbar geworden und teilweise sogar einsturzgefährdet.“ Viele Keller sind innerhalb weniger Minuten vollgelaufen. „Die Bewohner hatten keine Chance“, berichtet der Wasserwachtler. Zudem sind sieben Todesopfer zu beklagen. Wer auch nur eine Schaufel besaß, hat mit angepackt, die Unmengen an Schlamm, der Straßenzüge bedeckte, und in die Keller gelaufen war, zu beseitigen: „Denn wenn der erst einmal trocken wird, ist der hart wie Beton.“

Zudem ist die gesamte Trinkwasserversorgung zusammengebrochen. „Das Technische Hilfswerk aus Weilheim war mit einer Wasseraufbereitungsanlage vor Ort.“ Die Verwüstungen selbst hätten sie nicht gesehen, meint Neuner. „Es war ja alles abgeriegelt, und wir wollten uns auch nicht aufdrängen. Wichtig war uns, schnell und unbürokratisch zu reagieren und Hilfsgüter zu bringen.“

Heino Herpen

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