B2-Überflutungen werden zur Chefsache

Murnau - Man stellt sich vor: Es ist G7-Gipfel in Elmau und die Rettungskräfte, die in Murnau stationiert werden sollen, kommen wegen Überflutung der B2 nicht durch. Acht Mal war diese heuer schon dicht. Ein untragbarer Zustand. Jetzt greift Landrat Anton Speer durch und lädt für den 26. November zum Krisengespräch ein.

Man will sich das Szenario besser nicht vorstellen: Anfang Juni 2015 sitzen die sieben wichtigsten Politiker der Welt mit ihrem Tross in Elmau, ein Unglück geschieht und die Rettungskräfte - Feuerwehr und BRK - von denen Teile nach jetzigem Stand der Planungen am Schulzentrum in Murnau stationiert werden sollen (siehe auch Bayernteil), kommen wegen Überflutung der Bundesstraße 2 nicht durch. Wenn sie Glück haben, können sie über die noch freie Staatsstraße 2062 via Ohlstadt oder die Autobahnauffahrt Großweil ausweichen, wenn nicht, müssen sie bis zu einer Stunde Umweg, über Oberammergau oder Habach, in Kauf nehmen - und Elmau muss warten. „Die Überflutungen der Bundesstraße 2 sind in München bekannt“, sagt Johannes Riedl vom Wasserwirtschaftsamt in Weilheim. Deshalb werde es vermutlich aber auch nicht zu überschnellen Maßnahmen bis Juni 2015 kommen, was die steigende Anzahl der Überflutungen der Bundesstraße 2 betrifft.

Gipfel hin oder her: Das Problem soll jetzt ganz konkret angepackt werden. Für den 26. November hat Landrat Anton Speer (Freie Wähler) alle Beteiligten, also Vertreter der Gemeinden Murnau, Ohlstadt, Eschenlohe sowie aus dem Wasserwirtschafts- und dem Straßenbauamt, zu einem Krisengespräch eingeladen. Dann sollen alle bisher gewonnenen Erkenntnisse angesichts der zunehmenden Überflutungen und der für viele unerklärlichen Verlagerung dieser von der Staatsstraße 2062 auf die Bundesstraße 2 erörtert, Lösungsansätze diskutiert und ein Bündel an Maßnahmen geschnürt werden. Ein Aufatmen bei vielen dürfte damit garantiert sein.

Mögliche Erklärungen für die Überflutungen gibt es etliche: Für die einen ist es das gestiegene Wasser aus dem Moos, für die anderen der Pegel der Loisach, für dritte eine Kombination aus beidem. Die einen halten eine verstärkte Kiesentnahme aus dem Flussbett für sinnvoll, andere ein Ausbaggern und ein Verlagern der Gräben entlang der Bundesstraße 2. Dritte wiederum fordern gleich ein Höherlegung der für den Landkreis wichtigen Verbindungsstraße, aber auch die Idee von Rückhaltebecken im Moos (bei Eschenlohe) macht die Runde.

„Es sind alle der Meinung, dass das so nicht weitergehen kann“, sagt Riedl. „Diverse Untersuchungen sind schon gelaufen. Jetzt müssen wir sehen, wie eine endgültige, oder aber eine vorübergehende Lösung aussehen kann, falls eine endgültige Maßnahme in den Bedarfsplanungen erst in etlichen Jahren erscheinen sollte.“ Eine Erhöhung der gesamten Bundesstraße 2 in diesem Bereich beispielsweise sei wegen des Untergrunds aufwendig, teuer und schwer umsetzbar, eine vorübergehende Lösung könnte aber ein Anheben an diversen Problemstellen mit leichten Materialien sein. Auch ein Ausbaggern von Gräben wäre vorstellbar.

Einer, der sich schon seit vielen Jahren mit diesem Thema beschäftigt, ist Armin Krattenmacher aus Ohlstadt, auch Mitglied der Interessengemeinschaft Hochwasserschutz. Als Hauptverursacher für die zunehmende Überflutung sieht Krattenmacher die Kiesablagerungen in der Loisach. „Früher gab es entlang der Loisach zwischen Kochelsee und Garmisch-Partenkirchen an die elf Kieswerke, heute nur noch eins in Schlehdorf“, moniert er. „Der Kies unter der Loisachbrücke an der Staatsstraße 2062 zwischen Murnau und Schwaiganger beispielsweise gehört raus, und zwar bis zu eineinhalb Meter“, fordert er, „wenn die Wasserlinie der Loisach so hoch ist, dann können die Nebenbäche nicht abfließen.“

Riedl ist da anderer Ansicht. „Die Loisach war an den diesjährigen Überflutungen der B2 nur im Juli beteiligt, ansonsten ist das Wasser immer von der Moosseite her gekommen.“ Fakt sei aber, dass die Kiesentnahme aus der Loisach in den 1980er Jahren praktisch eingestellt worden war, aus Gründen des Naturschutzes und auch deshalb, weil es in dieser Zeit kaum Hochwasser gab und damit auch keine vermehrten Kiesablagerungen. Ende der 1990er Jahre sei die Entnahme wieder aufgenommen worden. Laut Riedl wird die Höhe der Kiesablagerungen regelmäßig gemessen und an betroffenen Stellen, vorwiegend in Nähe von Siedlungsgebieten, auch entsprechend entnommen. (sp)

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