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Großprojekt im Graswangtal

Hochwasserschutz in Dickelschwaig erst ab 2018

Graswang -  Bevor die Linder im Graswangtal ausgebaggert werden kann und es höhere Dämme gibt, ist eines notwendig: sehr viel Papierkram.

Dickelschwaig bei Graswang gehört zu jenen Orten im Landkreis, die vor allem eines sind: schön. Streit und Ärger dringen aus dem idyllischen Tal eigentlich nicht nach außen. Ausnahme macht ein Thema, das in den vergangenen Jahren für jede Menge Wut bei den Anwohner und Landwirten gesorgt hat: die Pläne des Wasserwirtschaftsamtes (WWA) für den Hochwasserschutz an der Linder. Mittlerweile zeichnet sich ein Kompromiss ab. Aber einer, der seine Zeit braucht. Wenn Christoph Ehrhard realistisch auf den Zeitrahmen schaut, dann wird es noch dauern, bis etwas passiert. „Ich rechne nicht mit einem Baubeginn vor 2018.“ Grund dafür ist, dass nicht einfach gebaggert werden kann. Weder im Flussbett voller Kies, noch an dem Damm. Für den technischen Hochwasserschutz wie auch das Geschiebemanagement ist als Gesamtpaket ein Planfeststellungsverfahren nötig. Daran arbeitet das WWA derzeit. Bis Anfang nächsten Jahres sollen alle Unterlagen fertiggestellt sein. Und davon braucht es viele. Zum Beispiel den landschaftspflegerischen Begleitplan, die spezielle artenschutzrechtliche Prüfung und die FFH-Vorprüfung. All das ist notwendig, weil in dem Flora-Fauna-Habitat (FFH) der Naturschutz so immens notwendig ist. Entsprechend viel Gesprächsstoff gab es bei einem Treffen im Rathaus Ettal, das Bürgermeister Josef Pössinger jetzt im Gemeinderat angesprochen hat. „Das war eine lange Diskussion“ mit Vertretern des WWA, der Unteren Naturschutz-Behörde, der Staatsforsten, des Bauernverbands, des Landwirtschaftsamtes und betroffenen Bürgern aus Graswang.

 „Man war sich einig, dass es eine Kiesentnahme geben muss“, sagte Pössinger. Diese dürfte aber nicht zu Lasten, gab der Bürgermeister die Naturschutz-Bedenken wieder, einer schützenswerten Heuschrecken-Art geschehen, die an der Linder lebt. Deshalb ist in den Plänen für das Geschiebemanagement Ehrhardt zufolge genau festzulegen, ob wie viel entnommen wird. Gerade die Antwort auf letztere Frage hat bei den Anwohnern in den vergangenen Jahren für großen Ärger gesorgt. Sie plädierten nämlich stets für eine großzügige Entnahme von einem Meter. Das Wasserwirtschaft ging in ersten Überlegungen lediglich von 0,25 Meter aus. Der aktuelle Stand laut Ehrhardt: „0,30 bis 0,50 Meter.“ Wichtig dabei ist: Es wird sich nicht um ein einmaliges Abbaggern handeln. In regelmäßigen Abständen – aktuell sind alle zwei Jahre vorgesehen – werde das Flussbett überprüft. 

Zu den weiteren Schutzmaßnahmen gehört, dass der linksseitige Damm, der das Wasser von Graswang abhalten soll, um etwa einen halben Meter erhöht beziehungsweise neu gebaut wird. Die Kosten dafür liegen etwa bei 300 000 Euro. Wie die Graswanger in der Vergangenheit immer wieder betont haben, reicht ihnen das nicht aus. Sie monierten den schlechten Zustand des rechtsseitigen Dammes, der Dickelschwaig schützt. Dort tritt Hochwasser als erstes über und flutet die Wiesen der Landwirte. Bedenken, die das Wasserwirtschaftsamt ernst genommen hat. Wie Erhardt erklärt, wurde der Damm bereits ausgebessert. „Die Arbeiten sind abgeschlossen.“ Investiert wurden 40 000 Euro. Weitaus teurer wird es, die alte Linder-Brücke, die Dickelschwaig und Graswang verbindet, zu erneuern: Mindestens 200 000 Euro soll das kosten. Ein beauftragtes Büro hatte, wie Pössinger im Gemeinderat erklärte, drei Planungsvarianten vorgestellt. Einig waren sich die Verantwortlichen, dass man sich an dem bisherigen Betonbauwerk orientieren will. Mit einem Unterschied: „Die neue Brücke wird etwa einen Meter breiter.“ Auf diese Weise soll der Flussdurchlauf verbessert werden.

Bis zum Herbst dieses Jahres sollen die Unterlagen für den Bereich Naturschutz vorliegen. Bis Frühjahr 2017 will das WWA das gesamte Paket für das Planfeststellungsverfahren zusammengestellt haben. Das wird dann intensiv von der Regierung von Oberbayern geprüft, es gibt eine baufachliche Stellungnahme, bevor die Planung öffentlich ausgelegt wird. Letztlich gehen die Unterlagen ans Landratsamt, damit ein so genanntes Wasserrechtsverfahren eingeleitet werden kann. Erst muss der Papierkram abgearbeitet werden, bevor an der Linder etwas passiert. „Es wird“, sagte Pössinger leicht resigniert, „immer später“.

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