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Großfahndung erfolglos: Die Täter von Oberau sind nach ihrem Einbruch in ein Fahrradgeschäft auf der Flucht.

Tatort Oberauer Fahrradgeschäft

Profi-Einbrecher nehmen nur edelste Beute mit

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Oberau - Eine Profi-Bande hat bei einem spektakulären Einbruch in ein Radgeschäft in Oberau reiche Beute gemacht: knapp 20 hochwertige E-Bikes im Wert von 50 000 bis 70 000 Euro. Die Polizei verpasste die Täter, die sich auf der Flucht befinden, womöglich nur um Haaresbreite.

Sie wussten genau, was sie wollten: alles, was hochwertig, edel und besonders teuer ist. „Das war kein Zufalls-Einbruch“, betont Polizei-Sprecher Stefan Sonntag. Ganz gezielt wählten die Täter in der Nacht zum Dienstag die Sahnestücke aus dem Warenbestand des Fahrradgeschäfts an der Ettaler Straße in Oberau aus: knapp 20 E-Bikes der Marke „Haibike“; dazu stellten sie 15 Mountainbikes zum Abtransport bereit.

Diese musste die Bande zurücklassen – offenbar bemerkte sie, dass gegen 2.35 Uhr ein Nachbar das Geschehen rund um das Geschäft beobachtete. Er alarmierte die Polizei. Ein mutmaßlicher Einbrecher flüchtete in einem weißen Kastenwagen mit langem Radstand, bei dem es sich um einen Fiat Ducato gehandelt haben könnte, zwei Täter rannten in Richtung eines nahegelegenen Supermarkts davon.

Kurz darauf traf eine erste Streife aus Garmisch-Partenkirchen ein. „Sie hat die Täter leider nicht mehr auf frischer Tat ertappt“, sagt Sonntag. Die Beamten sahen, dass die massive Hintertür zum Laden mit Gewalt aufgebrochen war – und entdeckten die teuren Mountainbikes, welche die Bande zurücklassen hatte müssen, als sie Hals über Kopf die Flucht ergriffen hatte. Eine Großfahndung mit etlichen Streifenwagen aus der Region und Bundespolizisten brachte keinen Erfolg. Die weißen Kastenwagen, die in der Nacht überprüft wurden, hatten wie die kontrollierten Passanten nichts mit der Tat zu tun. Diese war, daran besteht für Sonntag kein Zweifel, penibel vorbereitet. „Wir gehen hier von einer bestens organisierten Bande aus, die nicht einfach ins Blaue hinein einbricht.“

Die Ganoven hatten den späteren Tatort wohl im Vorfeld ausgekundschaftet, waren vielleicht sogar im Laden gewesen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hatten sie sich aber in letzter Zeit im Umfeld aufgehalten.

Für die Ermittler von der Kripo Garmisch-Partenkirchen, die den Fall vom Kriminaldauerdienst übernommen haben, ergibt sich daraus unter Umständen ein wertvoller Anhaltspunkt: Sie suchen Zeugen, die am Dienstag zwischen 1 und 2.35 Uhr im Bereich des Geschäfts etwas Verdächtiges bemerkt haben, denen in der Tatnacht oder in den Tagen zuvor ein entsprechender weißer Kastenwagen aufgefallen ist, die Angaben zum Kennzeichen oder zu den Insassen machen können (Hinweise unter Telefon 0 88 21/91 70).

Grundsätzlich sei wichtig, dass sich Zeugen eines Verbrechens unauffällig verhielten und die Polizei informierten, betont Sonntag. Wer gesehen wird, schlägt die Täter in die Flucht: „Das vermindert die Erfolgs-Chancen.“

Aktuell prüfen die Ermittler Zusammenhänge mit anderen Fällen. Nach Angaben von Sonntag, der fürs Präsidium Oberbayern Süd spricht, gab es 2015 „eine Handvoll Einbrüche dieser Kategorie“. Erst Ende Januar hatte es die Betreiber eines Fahrradgeschäfts in Holzkirchen (Kreis Miesbach) erwischt. Die Täter erbeuteten wiederum viele teure Räder im Wert von mehreren zehntausend Euro. „Sie gehen jedes Mal nach dem selben Modus Operandi vor“, sagt Sonntag. Und immer werden gezielt die hochwertigsten Räder gestohlen, „alles, was gut und teuer ist“.

Der Polizei-Experte appelliert deshalb an Betreiber von Radgeschäften, sich über die Sicherung ihres Ladens Gedanken zu machen. Lassen sich hochpreisige Räder vielleicht in einem extra abgesperrten Nebenraum unterbringen? „Das würde Einbrechern die Arbeit erschweren“, sagt Sonntag. „Je länger sie am Tatort sind, desto höher ist das Entdeckungsrisiko. Sie wollen schnell wieder weg.“

Die Oberauer Beute befindet sich seiner Vermutung nach bereits im Ausland oder wurde bis zum Abtransport irgendwo deponiert. Klar ist: Die teuren E-Bikes sind allesamt registriert. Die Täter können sie damit nicht einfach in Deutschland verkaufen.

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