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Gehören dem BDM-Kreisvorstand an: (v. l.) Leonhard Andrae (Froschhausen, Beisitzer), Clemens Schwaller (Schöffau, Dritter Vorsitzender), Jakob Witting (Großweil, Beisitzer), Anton Saal (Bad Bayersoien, Beisitzer), Johann Leis (Uffing, Landes- und Kreisvorsitzender) und Brigitte Taffertshofer (Völlenbach, Zweite Kreisvorsitzende).

Landwirte erkennen Umdenken in der EU-Politik

Hoffnungsschimmer für Milchbauern

Schöffau – Seit die Milchquote in der Europäischen Union weggefallen war, hatte dies für die Milchbauern dramatische Folgen: Der Preis für das „weiße Gold“ sackte pro Liter von etwa 40 Cent auf unter 30 Cent ab. Doch jetzt sind wieder optimistischere Töne zu hören.

Auch hier im Landkreis fürchteten Landwirte um ihre Existenz, zumal sie sich aufgrund von Investitionen auf ihren Höfen verschuldet hatten. Bei einem Treffen des Kreisvorstands des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) in Völlenbach wurde deutlich, dass in der großen Politik offensichtlich ein Umdenken in Gang gekommen ist. „In den letzten sechs bis sieben Monaten hat sich einiges bewegt“, erklärte dazu der BDM-Landes- und Kreisvorsitzende Johann Leis. „Anfang des Jahres wurde noch von Seiten der Verantwortlichen auf politischer Ebene gesagt, dass es keine Krise gäbe und der Markt alles von alleine regeln müsse. Doch inzwischen haben auch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt und EU-Agrarkommissar Phil Hogan zugegeben, dass es sehr wohl eine erhebliche Krise gibt und die Milchbauern in große Schwierigkeiten geraten sind“. Aufgrund eines EU-Beschlusses müsse die Milchmenge zumindest im Ansatz reduziert werden, um sie der Nachfrage anzupassen. „Das ist zwar noch keine endgültige Lösung, aber es geht zumindest in die richtige Richtung“, findet Leis. „Wenn ein Milchbauer die von ihm im Vorjahr gelieferte Menge unterschreitet, bekommt er dafür eine Entschädigung.“ Bereits die Reduzierung der Menge um 2,5 Prozent, die unter anderem durch die Aufgabe von Höfen zustande gekommen sei, habe eine Marktwirkung gezeigt.

Die etwa 200 Milchbauern im Landkreis liefern laut Leis pro Jahr eine Menge von rund 27 Millionen Kilo Milch. „Seit der Milchpreisreduzierung von über zehn Cent haben allein diese Landwirte einen jährlichen Verlust von 2,7 Millionen Euro. Es kann nicht sein, dass wir rund um die Uhr auf unseren Höfen arbeiten und dafür noch Geld mitbringen müssen“, ärgert er sich.

Dies sieht auch die stellvertretende Kreisvorsitzende Brigitte Taffertshofer so: „Besonders diejenigen, die zum Beispiel in den Bau eines neuen Stalls investiert haben, sind finanziell gefährdet.“ Zusammen mit ihrem Mann, der wöchentlich zwischen 60 und 80 Tagen auf dem Hof arbeite, habe sie bereits überlegt, ob sie das eigene Anwesen mit den rund 30 Kühen halten könnten – und das, obwohl sie einmal pro Woche als Berufsschullehrerin in Rosenheim tätig sei: „Denn es macht keinen Sinn, dass meine Kinder eine entsprechende Ausbildung absolvieren, wenn sie damit nicht überleben können.“ Die Zielrichtung des BDM ist laut den beiden Vorsitzenden klar: „Wir müssen weiter Druck von unten machen. Dafür wird es Informationsveranstaltungen des BDM auf regionaler Ebene geben“, erklären sie unisono. Ihr Fazit: „Die Politik sollte sich entscheiden zwischen Massentierhaltung und Nachhaltigkeit.

Heino Herpen

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