Ein dominantes Areal bildet die Holzindustrie mit ihren 27 000 Quadratmetern im Ortsteil Au. Graphik: holzapfel

Holzindustrie: Betrieb auf Sparflamme

Unterammergau - Trotz Liquidation: Mit einem kleinen Holzhandel will die Holzindustrie Unterammergau wieder auf die Füße kommen.

Gut eineinhalb Jahre sind inzwischen vergangen seit diesem „Schwarzen Dienstag“ am 25. Juni 2013, als 39 Genossen der Holzindustrie Unterammergau (HU) die Liquidation des seit 85 Jahren bestehenden Traditionsunternehmens im Ortsteil Au beschlossen haben. Für das Pürschlingdorf ein Genickschlag, denn mit der HU stellte der einstmals größte Arbeitgeber des Orts, bei dem zu Spitzenzeiten bis zu 100 Beschäftigte tätig waren, seinen Betrieb ein.

Veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen, ein immer schärfer werdender Wettbewerb mit großen Sägewerken sowie betriebsinterne Fehleinschätzungen und Versäumnisse waren Gründe für die Talfahrt des Sägewerks. Eine Insolvenz, bei der eventuell „alles den Bach runtergegangen wäre“, konnten die eingesetzten Liquidatoren in Person der ehemaligen Vorstände Martin Beßenbacher, Anton Burkart und Andreas Gassenhuber gerade noch vermeiden. Nach Einholung von Rechtsauskunft einigte sich die Genossenschaftsversammlung auf die Liquidation als gangbaren Weg, die indes ein Verbot, weiter Ware zu produzieren, nach sich zog.

Inzwischen ist viel Wasser die Ammer hinunter geflossen, und ganz so finster wie noch Mitte 2013 ist der Horizont über dem einstigen Holzverarbeitungswerk nicht mehr - das Erfreulichste: Der Schuldenberg konnte von 908 000 Euro auf rund 250 000 Euro gesenkt werden. Liquidator Beßenbacher: „Möglich war dies durch Verkäufe von Sägewerksmaschinen und von Flächen der HU.“ Notariell verbrieft wurden erst kürzlich neue Besitzverhältnisse von zwei Grundstücken am ehemaligen Rundholzplatz; unter anderem soll hier eine Schreinerei entstehen. Ebenfalls auf dem Zettel steht die Veräußerung der einstigen Sägehalle.

Zum Jahresende gab nun eine Zusammenkunft von 32 anwesenden Genossen das Signal aus, den Betrieb vorerst weiterlaufen zu lassen. Die Liquidation konnte zwar wegen eines „Sperrjahres“ und weil der Schuldenstand noch nicht gänzlich abgebaut ist, noch nicht abgeschlossen werden, doch wollen die Genossen einen Holzhandel weiterführen, mit vermindertem Personalstand. Das heißt, dass potenzielle Kunden künftig in der HU weiter Ware erhalten, wie etwa Bauholz, Schalungsbretter, Latten, Böden, und so weiter. Der Betrieb wird von zwei Vollzeit- und zwei Teilzeitkräften abgewickelt. Die Öffnungszeiten während der fünf Werktage sind täglich von 8 Uhr bis 12 Uhr und von 13 Uhr bis 17 Uhr.

Das Liquidatoren-Trio ist bestrebt, „die Zusammenarbeit mit heimischen Handwerksbetrieben neu anzukurbeln“ (Anton Burkart). Schließlich sei man wieder liquide. Und, so Burkart: „Wir sind keinem was schuldig geblieben, die Außenstände wurden komplett beglichen.“ Wie es mit der Holzindustrie weitergeht, hängt nach Aussage der Führungspersonen, zu denen auch die Aufsichtsräte Johann Gaida und Hubert Daser jun. gehören, davon ab, wie sich der Holzhandel in den kommenden Wochen und Monaten entwickelt. Ein Ziel sei auf jeden Fall, die Liquidation abzuschließen, und wieder „in die schwarzen Zahlen zu kommen“. Übrigens hatten die Verantwortlichen auch ein Angebot eines Investors vorliegen, der für alles 1,2 Millionen Euro geboten hätte. Das wäre das endgültige „Aus“ für die Holzindustrie gewesen. Soweit wollten es die Vertreter der Genossen jedoch nicht kommen lassen.

Ludwig Hutter

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