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Die Spitze des Hotel- und Gastättenverbands: (v. l.) Wolfgang Zunterer, Christian Wolf, Uli Weisner, Christian Behr, Anton Kargl, Jutta Griess, Bertl Lutz und Carola Glas.

„Jetzt erst recht“ 

Hotel- und Gaststättenverband: Aufbruchsstimmung im Schlüsselgewerbe

Garmisch-Partenkirchen - Unter dem Motto „Jetzt erst recht“ beschrieb Jutta Griess, alte und neue Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes, die Situation ihres Berufsstandes in der Region. Sie machte deutlich, wo der Schuh drückt und was sich ändern muss.

Landrat Anton Speer (Freie Wähler) war ebenso gekommen wie einige Bürgermeister sowie zahlreiche Kurdirektoren und Verkehrsamtsleiter, denn die Berufsgruppe, die im Riessersee-Hotel ihre Jahresversammlung hielt, gilt als „Schlüsselgewerbe“. 325 heimische Gastwirte und Hoteliers aus der Region zwischen Karwendel und Staffelsee sind nämlich bei jener großen Organisation Mitglied, die nicht nur ihre Interessen gegenüber Politik und Öffentlichkeit vertritt, sondern unter anderem auch die Tarifverträge ihres Personals aushandelt: Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband (BHG), kümmert sich seit eh und je um die Wirte und Vermieter. Die Kreisstelle Garmisch-Partenkirchen ist nach München, Nürnberg und Regensburg die viertgrößte des Freistaats.

Am Rießersee waren darum sehr viele Gastronomen und Hoteliers aller Größenordnungen versammelt, um nicht nur die aktuellen Anliegen zu diskutieren, Vorträge des Abgeordneten Harald Kühn (CSU) sowie des Tiroler Tourismus-Experten Dr. Peter Trost zu hören, sondern auch den Vorstand neu zu wählen. Um es vorwegzunehmen: Es blieb alles beim Alten: Die Garmisch-Partenkirchnerin Jutta Griess ist auch in den kommenden drei Jahren Vorsitzende, ihre Stellvertreter Bertl Lutz aus Grainau, Anton Kargl aus Saulgrub ebenso Schriftführer Uli Weisner, Murnau, und Kassierin Gudrun Rademacher aus Mittenwald wurden ebenfalls in ihren Ämtern bestätigt.

Das Motto lautet: „Jetzt erst recht“

Griess, die ihr Amt seit 15 Jahren sehr engagiert ausübt, schilderte unter dem Motto „jetzt erst recht“ fast leidenschaftlich die vielfältigen Probleme des Gewerbes. „Die Region braucht Lebensqualität und hochwertige Arbeitsplätze“ zitierte sie eingangs Staatsministerin Ilse Aigner (CSU) und ließ erst einmal die Lebensqualität weg. „Denn dafür gibt es nichts Besseres als unseren Landkreis.“ Hingegen mangle es an vielem anderen: Sie fing mit dem Internet an, das auch hierzulande flächendeckend weit mehr als jene 50 Megabits benötige, die es derzeit gibt. „Wir brauchen ferner eine Verkehrsinfrastruktur, die die Staus und den Schwerlastverkehr aus unseren Urlaubsdestinationen raushält.“ Der Ort habe zwar ein E-Mobilitäts-Kompetenzzentrum, doch dies müsse mehr genützt werden, etwa durch Partnerschaften mit Autofirmen, Ladestationsherstellern und besserer Vermarktung des emissionsarmen Touristikstandorts: „Es dürfte doch kein Problem sein, jedem Hotel E-Bikes zur Verfügung zu stellen und später ein Auto.“ Zudem müsse die Zusammenarbeit mit den Gesundheitsdienst-Anbietern gefördert und die Ansiedlung von Forschungsinstituten und Hochschulen stringenter verfolgt werden, der Bürokratismus bei Neu-Investitionen sei abzubauen und zu verkürzen.

Image der Hotellerie und Gastronomie ist nicht attraktiv

Leider sei auch das Image der Hotellerie und Gastronomie als Arbeitgeber wegen der vielen und unregelmäßigen Arbeitszeiten nicht attraktiv. „All unsere Versuche, die Situation mit Zuschlägen, verbilligter Kost und Logis zu bewältigen, scheitern immer wieder an neuen gesetzlichen Änderungen, an mehr Kontrollen und Auflagen. Wir brauchen hingegen weniger Aufzeichnungspflichten, ein flexibleres neues Arbeitszeitgesetz, mehr bezahlbaren Wohnraum für unsere Mitarbeiter, keine automatischen Erhöhungen des Mindestlohns und sehr viel Zeit, wenn man über den Behördenweg Flüchtlinge engagieren will.“

Wenn man danach dann dem Vortrag von Dr. Peter Trost aus der Tiroler Wirtschaftskammer lauschte, klangen freilich auch dortige Sorgen durch: Er sprach zwar von „hoher touristischer Kompetenz auf allen Ebenen“, doch als Herausforderungen nannte er immerhin die Bettenauslastung von nur 37 Prozent und Probleme mit den Arbeits- und Ruhezeiten sowie den Privatvermietern.

Tourismuszahlen sind sehr erfreulich

Landtagsabgeordneter Harald Kühn (CSU) bezeichnete die aus der internationalen Krisensituation resultierenden Tourismuszahlen als sehr erfreulich. Er ging dann ausführlich auf den „guten Weg“ ein, in dem sich die Verkehrssituation in der Region unter anderem dank des neuen Verkehrswegeplans befinde: Weiterbau Kramertunnel, Planung Wank-Umgehung, Vollendung der Saulgrub-Umfahrung: „Das sind Größenordnungen von über 500 Millionen fürs Werdenfelser Land.“ Besonders notwendig sei es aber noch, auch die Datenautobahnen auf ein modernes Tempo zu verbessern, „denn der Digitalisierung gehört die Zukunft“. Auch ländliche Bereiche könnten davon nur profitieren. Eingehend widmete sich Kühn der „Gesundheitsregion plus“. Er prognostizierte dem Landkreis vor diesem Hintergrund „gute Zukunftschancen“.

Kreisgeschäftsführer Wolfgang Zunterer gab den Mitgliedern traditionell zum Abschluss geschäftliche Ratschläge. Die reichten von der dringenden Bitte, Arbeitsverträge ausschließlich schriftlich abzuschließen, über Hinweise zu steuerlichen Details, beispielsweise dem „Fiktivlohn“, bis hin zur Empfehlung, nur noch elektronische Kassen zu benützen. 

Wolfgang Kaiser

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