Gerhard Schöner ist auf die Hotelgegner nicht gut zu sprechen.

Hotelgegner am Pranger

Mittenwald - Der Mittenwalder Gemeinderat hat den Fehdehandschuh aufgenommen: Er beschloss einstimmig, das juristische Duell mit den Gegnern des geplanten Fünf-Sterne-Refugiums einzuleiten.

Seit Mai 2008 sitzt Gerhard Schöner für die CSU im Mittenwalder Marktgemeinderat. In diesen 41 Monaten hielt der 50-jährige Physio-Therapeut mit seiner Meinung nie hinter dem Berg. Im Gegenteil: Schöner ist alles andere als ein Schönredner. Das wurde am Dienstagabend besonders deutlich.

Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) hatte soeben das Gremium von der Normenkontrollklage gegen das geplante Vier- bis Fünf-Sterne-Hotel an der Dammkar-/Bahnhofstraße unterrichtet. Einige Anwohner bezweifeln die Rechtmäßigkeit des zugrunde liegenden Bebauungsplans 42, der in mühevoller Detailarbeit und unter juristischer Aufsicht in den vergangenen zwei Jahren vom Gemeinderat ausgearbeitet worden war.

Doch dieses Veto einiger Familien um den ehemaligen Kurreferenten Dietmar Küffler schmeckt Gerhard Schöner gar nicht. Er habe im Vorfeld mit seinem Rechtsschutz gesprochen, meinte er, um nach seinem Redebeitrag auf der sicheren Seite zu sein. Und in der Tat: Schöner schoss mit Süffisanz und Schärfe nicht nur einen Giftpfeil in Richtung der Hotelgegner ab. Durch deren Normenkontrollklage werde sich das „Leitprojekt“ um mindestens ein Jahr verzögern, schlimmsten Falls gehe es ganz den Bach hinunter.

„Ich möchte mich bei diesen Familien bedanken, dass wir damit künftig 40 000 Übernachtungen weniger haben, und Krün weiter vorne ist“, ätzte Schöner. Auch im Namen der Kinder und Einzelhändler wolle er sich bedanken, fuhr der CSU-Gemeinderat mit gleichem Zynismus fort. Denn diese brauchten sich nun keine Gedanken mehr um einen Arbeitsplatz oder Mehreinnahmen machen. Auch dass das touristisch dahin siechende Mittenwald auf internationale Gratis-Werbung einer weltweit opierenden Hotelkette verzichten müsse, lastete Schöner den Beschwerdeführern an. „In diesem Sinne: herzliches Vergelt’s Gott!“

Doch die Prangerrede war damit noch nicht abgeschlossen. „Diese Gruppe setzt alles daran, Mittenwald zugrunde zu richten - aus reinem Eigeninteresse.“ Besonders in den Fokus von Schöners beißender Kritik geriet „eine Person“, die nach einem vernichtenden Wahlergebnis „aus gekränkter Eitelkeit“ nun „mit Panikmache“ in Mittenwald für Miss-Stimmung sorge. Damit ist wohl niemand anders, als der zweimal gescheiterte Bürgermeister-Kandidat Dietmar Küffler gemeint. Ihm und seinen Helfern müsse gesagt werden: „Es reicht!“

Deutlicher geht’s kaum. Schöners Fraktionskollege Ludwig Knilling findet das Vorgehen der Hotelgegner einfach nur „traurig. Hätten sie gesagt, sie machen es aus Eigennutz, hätte ich Verständnis dafür“. So aber würden „nur Ängste geschürt“.

Worte, die Hans Klotz (Freie Wähler) „nicht nachvollziehen“ kann. „Herr Knilling, Sie waren doch Wortführer gegen das Haus des Gastes“, erinnerte der Parteifreie den Tourismus-Referenten an seine führende Rolle vor elf Jahren, als Knilling und weitere Gleichgesinnte die Kurhaus-Pläne des Gemeinderats am Dekan-Karl-Platz per Bürgerentscheid zunichte gemacht hatten. Kein Kommentar von Knilling.

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